Da ist es also endlich, das 4. Studioalbum des sympathischen Kölners. Lang erwartet und heiß ersehnt erfüllt es meine Erwartungen voll und ganz, und diese waren wirklich ziemlich hoch. Und dann ist dieses Album noch in anderer Hinsicht etwas ganz besonderes.
Wer die Titelstory in der neuen Riddim gelesen hat, weiß, wovon ich spreche. Nach dem immensen (Verkaufs-)Erfolg von Confidence war es für Tilmann Otto schwierig, das deutlich gewachsene Medieninteresse an seiner Person zu verarbeiten. Hörsturz, Bandscheibenvorfall - viele unglückliche Umstände kamen hinzu. Und - was für einen Musiker wohl am schlimmsten sein muss - er konnte einfach keine Musik mehr hören, keine Songs mehr schreiben. So war er lange Zeit damit beschäftigt, sich selbst zu finden, was ihm irgendwann auch gelang. Er begann, wieder Songs zu schreiben und fand wieder gefallen an der Musik und der Szene.
Doch auch die Produktion des Albums fiel ihm keineswegs leicht. Von Jamaika nach Europa und wieder zurück - viel musste er reisen, auch, um seine Familienleben nicht komplett aufzugeben. Eine Reihe von technischen Pannen bei den Aufnahmen kam noch hinzu, um es zu einem Horrorerlebnis für Otto zu machen ("So will ich nie wieder ein Album aufnehmen")
Die Scheibe selbst klingt etwas melancholischer und trauriger als Confidence oder Journey to Jah, positive Hymnen aufs Leben wie "Different Places" bleiben die Ausnahme. Bei vielen Texten erkennt man, wie Gentleman auf sich selbst Bezug nimmt und seine jüngste Vergangenheit verarbeitet. Viel Akustikgitarre und, für Gentlemanverhältnisse, relativ wenig Roots - das Album klingt anders als der Megaerfolg Confidence.
Und das zu schaffen, ohne an Qualtität einzubüßen, war die wohl schwierigste Aufgabe für Gentleman. Danke dafür, dass er sie gemeistert hat.