Hallo,
Ich studiere molekulare Biotechnologie im ersten Semester und belege damit alle chemischen Grundlagenfächer eines Hauptfach-Chemiestudenten auch (AC, OC, PC). Auf den Hinweis meines Profs hin habe ich mir dieses Buch gekauft.
Beim ersten Durchblättern macht das Werk einen schönen Eindruck, doch der hält nicht lange vor...
Zunächst einmal jedoch zu den positiven Aspekten:
-Die Aufmachung ist sehr lesefreundlich ausgefallen. Der Text wird von vielen Bildern untermalt, die den Inhalt sehr verständlich darstellen.
-Zu den Berechnungen gibt es im Buch jede Menge Beispiele, die immer anhand von einer Aufgabe exemplarisch vorgerechnet werden. Dann gibt es einen Fragenblock, den man selbst beantworten kann, wobei sich der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben kontinuierlich steigert. Dadurch wird man behutsam an die Grundlegenden Prinzipien der anorganischen Rechnung herangeführt.
-Am Ende jedes Kapitels gibt es einen Frageblock über die im Kapitel abgehandelten Themen. Dieser eignet sich hervorragend zur Selbstkontrolle.
-Die Hauptgruppenelemente werden sehr ausführlich und anschaulich dargestellt.
Leider hat das Werk einige eklatante Mängel, die mich den Kauf mitterweile bereuen lassen. Grundlegende Prinzipien der Chemie wie z.B. der Verlauf von Titrationskurven, pH-Indikatoren und Rechnungen mit der Nernst'schen Gleichung fehlen in der vorliegenden Ausgabe (2., aktualisierte Auflage, 2006) völlig oder werden in ein paar Sätzen abgehandelt. Das ist sehr ärgerlich, da sie für den chemischen Adepten eine absolut essentielle Grundlage darstellen, die er/sie sich dann aus einem anderen Buch erarbeiten muss.
Auch die Basisversuche der allgemeinen Chemie (Rutherford'scher Streuversuch, Wasserstofflinienspektren, Stan-Gerlach-Versuch,...) werden nicht erwähnt. Ich weiß, dass das Buch kein Werk über die allgemeine Chemie, sondern über die Anorganik ist, aber die Grundlagen werden in beiden Bereichen benötigt und selbst mein Biochemie-Buch war hier in manchen Bereichen ausführlicher.
Die Themenbereiche, mit denen sich das Buch tatsächlich befasst, werden sehr ausführlich und verständlich dargestellt (insbesondere die Molekülorbitalmodelle), doch durch das Fehlen der Basiselemente wird der gute Eindruck gehörig verdorben.
Daher kann ich den Housecroft nicht empfehlen. Am besten, man kauft sich den Binnewies, da sich dieser als absolutes Standardwerk etabliert hat, eine breitere Palette abdeckt und nicht zuletzt für 10 Euro weniger über die Ladentheke wandert.
Viel Spaß im Studium :-)