Daß Magersucht ein ernstzunehmendes Problem ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Annemarie Rettenwander untersucht dieses Problem aus einer Perspektive, die bisher kaum beachtet wurde: Ihr Thema sind die subjektiven Krankheitstheorien von magersüchtigen Frauen, also das, was diese Frauen selbst über die Ursachen ihrer Krankheit denken.
Zwar ist die Arbeit eine wissenschaftliche Studie und vor allem die Kapitel über Methodik und die Ergebnisse verschiedener psychologischer Testverfahren sind vermutlich nur für Fachleute interessant. Diese Teile können aber von der LeserIn problemlos übersprungen werden. Dafür liefern die Kapitel über Anorexia nervosa und über subjektive Krankheitstheorien einen sehr guten Überblick zum medizinischen Erkenntnisstand und den psychologischen Theorien über die Ursachen dieser Erkrankung.
Kern der Arbeit sind aber die subjektiven Krankheitstheorien, die die Autorin aus ihren ausführlichen Interviews mit ehemals magersüchtigen Frauen rekonstruiert und mit zahlreichen Zitaten illustriert. Dadurch wird sehr anschaulich, was diese Frauen über ihre eigene Magersucht denken, worin sie die Ursachen sehen und wie, nach ihrer Erfahrung, mögliche Wege aus der Krankheit aussehen können.
Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch - nicht nur für Fachleute, sonder auch für Betroffene und deren Angehörige.