Aus der Amazon.de-Redaktion
Einen Monat zuvor hatte die berühmte Verlegerin Maggie Peterson den talentierten, aber erfolglosen Autor Carl Granville beauftragt, aus den mysteriösen Tagebuchaufzeichnungen einer anonymen Schreiberin einen Bestseller anzufertigen. Granville, dem das Manuskript mit dem Titel "Gideon" portionsweise von einem unheimlichen Fremden überbracht wird, wittert die Chance seines Lebens. Was er nicht weiß -- die Hinterlassenschaft, an der er unter absoluter Geheimhaltung arbeitet, sollte die gesamte Welt bis ins Mark erschüttern!
Hinter dem Pseudonym Russell Andrews verbirgt sich ein mit diversen Literaturpreisen ausgezeichneter Drehbuchschreiber. Dies bestätigt die Versiertheit, mit der er den Leser allein durch die im Prolog angelegten Handlungsstränge in unruhigste Erwartungshaltung versetzt. Was dann folgt, ist ein aberwitziger, zum Bersten spannender Plot, der es einem schlicht unmöglich macht, seine Nachtruhe zu finden, bevor man nicht die Lösung in Händen hält.
Granville geht es ähnlich. Wer ist diese unbekannte Tagebuchschreiberin, die mit ihrem Sohn in den 50er-Jahren in ärmlichen Verhältnissen lebte? Was wurde aus dem hochintelligenten Jungen, der seinen einjährigen Bruder in einem Eifersuchtsanfall mit einem Kissen erstickte, nur um mit seiner Mutter ungestört weiterleben zu können? Und wer ist Gideon? Die Brisanz dieser Aufzeichnungen wird Granville spätestens klar, als Maggie Peterson brutal ermordet aufgefunden wird -- und man ihn für den Mörder hält. Granvilles Flucht und seine Recherchen führen in den tiefen Süden der USA, in vergangene, düsterste Schuldverstrickungen -- und dann wieder in Schwindel erregende Höhen. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Als in Granvilles Umgebung ein Mord nach dem anderen geschieht, weiß er, dass er selbst in höchster Gefahr ist.
Über den Autor
Auszug aus Anonymus von Russell Andrews, Uwe Anton, Michael Kubiak. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Übertreiben Sie da nicht ein wenig", erwiderte Carl skeptisch. "Ich meine es völlig ernst. Dieses Buch wird den Lauf der Geschichte verändern." "Wer ist die Insider-Quelle?" "Ein Anonymus. Jemand, der aus persönlichen Gründen nur als Gideon bekannt werden möchte."
"Ein Anonymus", wiederholte Carl. "Na schön ... aber wer steckt wirklich dahinter?" Maggie leerte ihr Glas, sie beugte sich vor und betrachtete ihn aus zusammengekniffenen Augen. "Zuerst einmal müssen Sie über diesen Anonymus wissen, daß Sie nicht die geringsten Antworten über ihn bekommen werden. Und das ist auch schon alles, was Sie über ihn wissen müssen. Sie werden ihn niemals kennenlernen, Sie werden nie mit ihm sprechen, Sie werden keinen Kontakt mit ihm haben. Also sparen Sie sich die Mühe, Fragen über ihn zu stellen. Gideon befindet sich in einer äußerst empfindlichen Position. Und hat schreckliche Angst davor, entlarvt zu werden. Er wird es nur mit mir zu tun haben. Verstanden?" "Nein", sagte Carl langsam und runzelte die Stirn. "Dann halten Sie den Mund und hören Sie zu." Die Worte kamen über ihre Lippen wie Salven aus einem Maschinengewehr, schnell, brutal und leidenschaftslos. "Ich brauche einen Ghostwriter. Jemanden, der schreiben kann, denn mein Anonymus kann es nicht. Zumindest nicht gut genug für ein Buch. Überdies brauche ich jemanden, der das als Roman hinbekommt - einen spannenden, handwerklich einwandfreien Roman. Denn sollte Apex versuchen, den Stoff als Sachbuch zu veröffentlichen, werden sie uns auf ein paar Milliarden Dollar Schadenersatz verklagen." "Wer?" "Ich wiederhole mich wirklich nicht gern", erwiderte sie gereizt. "Sie werden über den Anonymus von mir keine Antworten bekommen." "Hören Sie, ich bin vielleicht ziemlich schwer von Begriff", sagte Carl, "aber wie soll ich ein Buch schreiben, wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, um wen oder was es sich handelt?" "Ich spreche von einem Schnellschuß", fauchte Maggie, als würde das seine Frage beantworten. "Ich werde Sie mit Informationen versorgen, mit höchst vertraulichen Informationen, die direkt an Sie weitergegeben und aus denen sie einen erzählenden Text machen werden. Sie werden mir Ihren Text Kapitel für Kapitel aushändigen, und ich werde ihn redigieren, während sie weiterschreiben. Das Timing ist von ausschlaggebender Bedeutung. Das Buch muß in sechs Wochen auf den Markt kommen. Verstehen Sie?"
"Nein. Ich verstehe nur Bahnhof." "Was müssen Sie sonst noch wissen?" fragte sie.
"Fangen wir mal damit an, warum Sie ausgerechnet auf mich gekommen sind."
"Weil ich einen Niemand brauche." "Vielen Dank, daß Sie das klargestellt haben."
"Tut mir leid, falls das rücksichtslos klingt", sagte sie. "Aber einen erfahrenen Journalisten kann ich auf keinen Fall an die Sache heranlassen - er würde versuchen, hinter die Identität von Gideon zu kommen. Und bei einem bekannten Romanautor bekäme ich es mit Ego-Problemen zu tun. Die würden alle wollen, daß ihr Name auf dem Buch steht."
"Was, wenn ich will, daß meiner daraufsteht?" "Ich brauche einen richtigen Ghostwriter, jemand, der nicht darauf besteht, genannt zu werden, und der Stillschweigen darüber bewahrt. Niemand darf wissen, daß Sie an dieser Sache arbeiten. Sie dürfen es keiner Menschenseele erzählen - nicht einmal Ihrer Freundin." "Zuerst einmal arbeite ich noch nicht an der Sache. Und zweitens ... Ich habe zur Zeit keine Freundin." "Natürlich, die Sache mit Amanda ist doch seit ... seit mittlerweile einem Jahr vorbei?" Er legte den Kopf schief und musterte Maggie aus zu sammengekniffenen Augen. "Sie machen Ihre Hausaufgaben, was?" Maggies Lippen dehnten sich leicht verkniffen aus. Er fragte sich, ob das ihr Lächeln war. "Sie haben keine Geschwister", sagte sie, "Ihre Mutter ist vor vier Jahren gestorben, und Sie und Ihr Vater sprechen kaum miteinander." "Was wissen Sie sonst noch über mich?" "Ich weiß alles über Sie, Carl." Er zögerte, fuhr mit dem Daumen über das Kinn. "Ich glaube selbst nicht, daß ich das sage, ich meine, daß ich das Ihnen sage, aber ich glaube, ich passe." Sie sah ihn schockiert an. Er fragte sich, ob noch nie zuvor jemand nein zu ihr gesagt hatte. "Ich lasse mich nicht gern drängen", erklärte er. "Besonders, wenn ich völlig im Dunkeln stehe. Ich neige dazu, überall anzustoßen und mich zu verletzen." Maggie seufzte müde und verdrehte die Augen, als sei er ein aufsässiges Kind. Dann griff sie hinüber und hob eine Aktentasche aus weichem Leder hoch, die auf dem Boden stand. Sie legte sie auf den funkelnden Couchtisch, öffnete sie und holte eine Hochglanzbroschüre heraus. Es war der Herbstkatalog von Apex. Wortlos schlug sie ihn in der Mitte auf. Die doppelseitige Anzeige besagte:
GIDEON
NEU IM AUGUST ... DIE EXPLOSIVSTE
ENTHÜLLUNGSGESCHICHTE ALLER ZEITEN!
SIE IST SO GEHEIM, SO KONTROVERS,
DASS WIR IHNEN NICHT EINMAL SAGEN KÖNNEN, WORUM ES GEHT - AUSSER,
DASS ES NOCH NIE EIN BUCH WIE DIESES
GEGEBEN HAT!
STARTAUFLAGE:
EINE MILLION EXEMPLARE