Allein schon die Idee, alte native-american Songs auszugraben die hunderte von Jahren alt sind ist Gold wert.
Und die Umsetzung ist mehr als perfekt gelungen, gerade weil Tomahawk sie in ein zeitgemässes Gewand packen mit viel tribal Percussion, indianischem Gesang (teils Englisch, teils original), mitunter komplex-progressiver Rhythmik auf der einen Seite - aber auch Zugaben aus alternative Metal (Faith No More lässt grüßen), Industrial und ein paar Electronics.
Genau das macht absolut den Reiz aus und der original mystische Charakter der alten indianischen Weisen, Tänze und Rhythmen geht keineswegs verloren, sondern wird sogar noch gefördert.
Ein wunderbares Album. Von Füllern wie in anderen Rezensionen erwähnt kann ich nichts entdecken.
MAn muss sich in diese progressive Musik "reinhören", aber einige Songs wie "Crow Dance", "Mescal Rite" oder "Ghost Dance" haben sogar absoluten Ohrwurmfaktor.
Gebe zu, ich konnte mir anfangs ein Lachen nicht verkneifen, da es komisch wirken kann, wenn man die Clichees aus alten Indianerfilmen a la Karl May noch im Kopf hat und vor seinem geistigen Auge Indianer zu diesen Stücken um den Marterpfahl tanzen sieht.
Aber davon muss man sich befreien, denn es handelt sich hier um ein schätzenswertes musikalisches Kulturerbe. Diese Musik ist über hunderte von Jahren überliefert, praktisch die "Klassik" des amerikanischen Kontinents - wenn man so will.
Man merkt auch, dass Tomahawk mit einem Höchstmaß an Ernst Respekt diese Musik "behandelt" haben. Gerade die Komplexität und Detailverliebtheit einiger Stücke zeigt das handwerkliche Können der Musiker und deren Liebe zu dieser Musik.
Als Hörer muss man nur offen genug sein für andere (alte) musikalische Kulturen und für Musik im allgemeinen.
Klar, für reine Radio- und Chartsmusik-Hörer ist das sicher nichts, denn die werden die Genialität und (im wahrsten Sinne) "Originalität" einer solche Platte nie schätzen können. Also wer lieber Madonna oder Britney hört, lieber woanders weiterstöbern.