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Anonyme Untote: Eine Zombie-Liebesgeschichte
 
 
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Anonyme Untote: Eine Zombie-Liebesgeschichte [Taschenbuch]

S.G. Browne , Frank Dabrock
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Eine Zombie-Komödie mit Hirn.« (Kirkus )

Kurzbeschreibung

Wer wäre besser geeignet, um über den Zombiealltag zu sprechen, als Andy, der sich selbst in einen dieser vermeintlichen Widerlinge verwandelt hat? Seine Eltern verbannen ihn in den Keller, die Öffentlichkeit meidet ihn. Nur gut, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt. Und nicht zu vergessen die – ehemals – attraktive Rita, die ein Auge auf ihn geworfen zu haben scheint. Eine durchgeknallte Satire – zum (Un)totlachen.

Klappentext

»Brownes Buch verbindet Humor, Gewalt, eine überraschend gefühlvolle Liebesgeschichte und eine großartige Erzählerstimme zu einer intelligenten Gesellschaftssatire.« Publishers Weekly

»Definiert auf brillante Weise die Zombiekultur des 21. Jahrhunderts.« Publishers Weekly

Über den Autor

S.G. Browne studierte zunächst Betriebswirtschaft, schlief jedoch in den Vorlesungen regelmäßig ein. Erst durch sein Engagement für das Studententheater entdeckte er seine Leidenschaft fürs Schreiben. Die nächsten Jahre arbeitete Browne in Hollywood, bevor er schweren Herzens seinem glamourösen Lebenswandel den Rücken kehrte, um sich ganz seinen Romanen zu widmen.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Es ist dunkel, als ich auf dem Boden langsam wieder zu mir komme.
Durch ein Fenster dringt schwaches Kunstlicht, was eigentlich nicht sein kann, denn im Weinkeller gibt es gar keine Fenster. Mit dieser Frage werde ich mich allerdings erst beschäftigen, wenn ich herausgefunden habe, warum ich auf dem Rücken in einer Lache liege, die meine Klamotten durchweicht.
Außerdem höre ich irgendwo Sammy Davis Jr. »Jingle Bells« singen.
Als ich mich aufsetze, kullert etwas von mir herunter und landet mit einem lauten, dumpfen Knall neben mir. Eine Flasche. Im schwachen Licht, das durch das Fenster fällt, kann ich erkennen, wie sie über den Boden davon- rollt, bis sie klirrend an die Wand stößt. Eine leere Weinflasche. Und die Wand ist gar keine Wand, sondern der Sockel des Backofens.
Ich befinde mich in der Küche.
Auf der Digitalanzeige im oberen Bereich des Herdes springt die Uhr von 12:47 auf 12:48.
Mir dröhnt der Schädel. Ich weiß zwar nicht, wie viele Flaschen Wein ich getrunken habe, aber ich kann mich noch erinnern, dass ich vor dem Mittagessen damit angefangen habe. Den Grund für mein Saufgelage habe ich so deutlich vor Augen wie die digitalen Ziffern der Herduhr, aber keine Ahnung, wo die letzten zwölf Stunden abgeblieben sind.
Oder wie ich in der Küche gelandet bin.
Oder in was für einer Flüssigkeit ich hier hocke.
Einerseits will ich es gar nicht wissen, andererseits möchte ich einfach glauben, dass es sich lediglich um vergorene Trauben handelt. Dass ich es irgendwie aus dem Weinkeller in die Küche geschafft habe, ohnmächtig geworden bin und dabei den Wein ausgekippt habe. Allerdings sind meine Klamotten vorne kein bisschen feucht, sondern nur auf der Rückseite, und da die Flasche auf meiner Brust lag, als ich zu mir kam, kann ich den Wein nicht auf den Boden geschüttet haben, ohne mein Hemd zu bespritzen.
Ich greife mit der Hand in die Lache, eine geronnene, klebrige Flüssigkeit, und halte sie mir unter die Nase. Ein süßer Geruch. Zunächst glaube ich, dass es sich um Joghurt oder Erdbeermarmelade handelt, bis ich den Finger in den Mund stecke.
Erdbeer-Sahne-Eis von Baskin-Robbins. Das Lieblingseis meines Vaters. Er hat stets mindestens zwei Ein-Liter- Packungen davon im Gefrierschrank. Ich kapiere nur nicht, was es auf dem Küchenboden verloren hat. Doch als ich mich umdrehe und wankend aufrapple, verstehe ich, warum.
Dort liegen drei aufgeplatzte Packungen Eis, deren geschmolzener Inhalt über den Boden gelaufen ist. Umgeben von Schachteln Tiefkühlgemüse, Gefrierfleischpackungen, Tüten mit gefrorenem Saftkonzentrat und einem halben Dutzend Eiswürfelschalen; die Würfel sind aufgetaut und haben sich mit der Eiscreme zu der Pfütze vermischt.
Scheiße, denke ich. Was hab ich bloß angerichtet?
Nicht, dass das jetzt wirklich wichtig wäre. Denn meine Eltern werden mich in den Zoo geben, sobald sie aus Palm Springs zurückkehren. Falls mein Vater morgen nach dem Aufstehen über das, was ich angerichtet habe, nicht ohnehin so aufgebracht ist, dass er die Reise abbläst und mich aus reiner Bosheit in eine Forschungseinrichtung bringen lässt.
Ich habe keine Ahnung, was ich damit bezwecken wollte, als ich den kompletten Inhalt des Gefrierteils auf den Küchenboden geworfen habe, aber es wäre wohl keine dumme Idee, möglichst viel davon wieder zurückzustopfen und den Rest zu entsorgen, bevor meine Eltern aufwachen. Doch als ich das Gefrierfach öffne, muss ich feststellen, dass dort kein Platz mehr ist.
Es ist bereits von meinen Eltern belegt. Ich kann Hände, Beine und Füße erkennen und das Gesicht meines Vaters, das mich aus dem zweiten Fach anstarrt. Sein Kopf sowie die übrigen Körperteile meiner Eltern stecken in großen Gefrierbeuteln. Die meisten zumindest. Denn im Kühlschrank befinden sich ebenfalls einige Teile von ihnen.
Der ganze Wein, den ich getrunken habe, will plötzlich wieder zurück in die Flasche, und ich schaffe es gerade noch zur Spüle. Eigentlich ist es mehr wie rückwärts trinken. Lediglich Wein und etwas Magensäure. Glücklicherweise kein einziger Brocken von Mom oder Dad.
Unser Verhältnis war nicht immer so.
Sicher, wir hatten die üblichen Konflikte und Streitigkeiten, mit denen sich die meisten Eltern und Söhne herumschlagen müssen.
Hormone.
Das Ringen um Selbstständigkeit.
Verborgenes ödipales Verlangen.
Doch wenn der einzige Sohn von den Toten zurückkehrt, erzeugt das eine ganze neue Dynamik, auf die ein durchschnittliches Elternpaar einfach nicht vorbereitet ist.
Schließlich gibt es für den Umgang mit spontaner Wiederauferstehung kein Handbuch. So lautet der Fachbegriff für Zombies, den die Experten in Talkshows und Nachrichtensendungen verwenden, als ob sie wüssten, wie es sich anfühlt, als wiederbelebte Leiche herumzulaufen. Sie haben keine Vorstellung von den emotionalen Auswirkungen einer beschleunigten Verdauung. Oder davon, wie schwer es ist, das Gewebe davor zu bewahren, sich zu verflüssigen.
Mein Vater hielt sich für so was wie einen Experten. Und damit meine ich, dass er der Einzige war, der sich für einen Experten hielt. Auf jedem Gebiet.
Klempnerarbeiten.
Politik.
Körperpflege.
»Weißt du, Andrew, wenn du deine Mitesser loswerden willst, musst du sie mit Olivenöl und Essig beschmieren.«
Er hat das wirklich geglaubt. Zum Glück hat er wenigstens das Kochen Mom überlassen. Sonst wäre ich das einzige Kind in meiner Schule gewesen, das Rucola-Salat mit Birnenscheiben, Asiago-Käse und Akne-Gel hätte essen müssen.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Mein Dad war kein Idiot. Er glaubte lediglich, stets Recht zu haben, selbst wenn er keine Ahnung hatte, wovon er überhaupt redete. Er hätte einen großartigen Politiker abgegeben.
Jedenfalls muss ich mich bei meinem Vater für die Auswahl des Kühlschranks bedanken. Meine Mutter wollte ein doppeltüriges Modell von Whirlpool, doch mein Vater bestand auf einem Gerät von Amana, in dem sich das Gefrierabteil unten befindet. Er meinte, das sei energiesparender, weil es die kalte Luft nach unten anstatt nach oben befördert. Und er hat behauptet, dass es eine bessere Aufteilung der Fächer besitzt.
Während die Köpfe meiner Eltern und die meisten ihrer Gliedmaßen im Gefrierteil liegen, befinden sich ihre Körper, von der Hüfte bis zur Schulter, im Kühlschrank. Bei einem doppeltürigen Modell hätte ich ihre Torsi nie in die Fächer gekriegt. Danke, Dad.
Auf dem CD-Spieler im Wohnzimmer läuft Dean Martins »Auld Lang Syne«.
Während ich auf meine Eltern in der Kühlkombination starre, auf ihre zwischen die Mayonnaise und die Reste eines Thanksgiving-Truthahns gezwängten Oberkörper, ihre in Gefrierbeutel verpackten Köpfe, erfasst mich ein surreales Gefühl der Ungläubigkeit. Dem Gesichtsausdruck meines Vaters nach zu urteilen ist er genauso überrascht wie ich.
Vielleicht wäre all das nicht geschehen, wenn mein Vater sich die Zeit genommen hätte, zu verstehen, was ich durchmache, anstatt mich wie einen Aussätzigen zu behandeln.
Aber vielleicht rede ich mir das nur ein.
Vielleicht war alles, was zwischen dem Unfall und jetzt passiert ist, einfach unvermeidlich.
KAPITEL 2
Zwei Monate bevor ich im Kühlschrank auf meine Eltern stoße, hocke ich im Bürgerzentrum von Soquel in einem Halbkreis aus Stühlen einer zierlichen zweiundfünfzig Jahre alten Frau gegenüber, die wie meine Lehrerin aus der dritten Klasse aussieht. Nur dass meine Lehrerin nie auf der falschen Seite einer Pumpgun Kaliber 12 Mossberg gelandet ist.
Auf der Tafel hinter ihr steht in Druckbuchstaben der Spruch: DU BIST NICHT ALLEIN.
Groß- und Kleinschreibung hätte die Botschaft vielleicht etwas abgemildert, doch die zierliche Helen, Gesprächsleiterin der Gruppe und Opfer einer Schussverletzung, möchte einfach nur, dass es uns bessergeht.
»Rita, willst du heute...
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