Es ist selten, dass man eine Platte wirklich herbeisehnt, wo man die Tage bis zur Veröffentlichung zählt und es kaum erwarten kann, das Werk schließlich in Händen zu halten. Wenn man sie dann endlich hat bekommt man fast ein wenig Angst davor, sie zu hören, denn die Erwartungen sind inzwischen riesig. Genauso verhielt es sich bei mir mit der neuen Riverside. Wie würde das erste Album nach der Reality-Dream-Trilogie klingen?
"We have no time for your mistakes...", singt Mariusz Duda im Operner Hyperactive. Es klingt wie eine Ankündigung für das, was in den nächsten vierzig Minuten folgen soll. Die vier Polen haben definitiv keine Zeit zu vertrödeln. Sie preschen mit einer Spiellaune und Kreativität vorwärts, die teilweise atemberaubend ist und in dieser Kompaktheit auch noch nie von ihnen zu hören war: Ruhephasen - selten, Balladen - Fehlanzeige, Melancholie weicht Aggressivität, der sonst eher etwas schwermütig wirkende Duda gibt sich stellenweise ungewohnt laut und kämpferisch - eine weitere Facette im Repertoire des ohnehin schon exzellenten Sängers.
Ein solcher Vorwärtsdrang kann leicht gehetzt oder getrieben wirken, doch nicht bei Riverside. Sie schaffen es, einen kraftvollen, unglaublich rasanten Spannungsbogen aufzubauen, der schließlich in dem finalen Hybrid Times gipfelt - die thematisierte Hyperactive Time findet ihren dramatischen Höhepunkt. Mit diesem Zwölfminüter hat die Band meiner Meinung nach ihr Meisterstück abgeliefert. Der Song ist von einer geradezu atemlos machenden Intensität, neu und anders klingend und doch in jeder Sekunde ganz und gar Riverside. Hybrid Times ist die vertone Quintessenz von acht Jahren Bandgeschichte und gleichzeitig ein Fingerzeig in die Richtung, in die es für die Jungs in Zukunft noch gehen könnte, wenn sie das "Fehlermachen" auch weiterhin anderen überlassen. Späterer Legendenstatus nicht ausgeschlossen...
Also, liebe Fans, bloß keine Angst vor der Platte - sie ist großartig!
Einzig die für September angekündigte neue Porcupine Tree könnte ADHD unter Umständen den Titel 'Album des Jahres' streitig machen. Um das Kunststück fertig zu bringen müssten Wilson & Co. allerdings mit etwas wirklich Spektakulärem um die Ecke kommen...