Leider eine letztlich doch sehr einseitige pseudodokumentarische Inszenierung über die wahrscheinlich bekannteste Fotografin der Welt. Ohne Frage, die Fotos sind bekannt und berühmt, gerade auch weil Annie Leibovitz Marketing, Kunst, Medien und die jeweiligen funktionalen Grenzen dieser Bereiche gut ausgelotet, aber gleichzeitig auch verwischt hat und sich nicht scheute ihren Blick auf die Stars und Sternchen, der vor allem amerikanischen Society zu richten, die sich dann auch nicht zu schade sind ihr es zahlreich im Film zu danken.
In ihrem Werk selbst findet sich demgemäß immer auch die Gratwanderung zwischen obszöner, verschwenderischer Opulenz und die Nähe zu den Mächtigen in Politik und Gesellschaft und dem Ausloten und Überschreiten von durch die Mehrheit der Gesellschaft akzeptierten moralischen Grenzthemen wie Tod, Krankheit, Krieg. Die Bandbreite fasziniert und beeindruckt, zeigt aber auch, dass die Boulevardisierung von Visualität am teuersten Fotoset beginnt und sich bis zur Fotografie von Leichen weiterziehen kann und es am Schluss kaum mehr möglich ist zu bestimmen, ob es sich letztendlich um Kunst oder Kommerz, Wahrheit oder Schein handelt.
Genau diese ambivalente Position besetzt der Film selbst, indem er dem Beobachter zweiter Ordnung (denn das ist der Fotograf in gewisser Weise) zum Sujet und Star par excellence macht. Es ist nicht mehr ganz so entscheidend was fotografiert wird, sondern vor allem wer fotografiert. Der Inhalt tritt zurück zugunsten eines Fetischs, einer Marke und im Inhalt der Fotos selbst tauchen auch ständig irgendwelche Marken, Sterne, Stars usw auf. Leider mein sehr subjektiver Eindruck, auch wenn mich die Fotografien beeindrucken und ich sie gerne anschaue.
Der Film hat wenig substantielle Kritik, wenig Differenzierung und kaum Abstand zum Thema. Kein Wunder, meint man, da die Schwester der Leibovitz sich für Regie, Schnitt und Inhalt des Films verantwortlich zeigt. Da taucht das Dilemma der modernen Kunst de facto durch die Hintertür wieder auf. Sie muss sich legitimieren, weil sie nicht einfach so als Kunst anerkannt werden kann. Sie muss proklamiert werden und genau mit dieser doppelten Strategie beladen, spult sich der Film einerseits als Werbeveranstaltung und andererseits als scheinbar dokumentarische Biographie ab.
Opulenter, breiter und abgefahrener. Es wird überzuckert, was man visuell überzuckern kann. Genau das macht den Film auch sehr betörend, weil man sich an soviel Verschwendung kaum satt sehen kann. Nach dem Rausch kommt immer der Kater, wie man an den wirtschaftlichen Problemen der Leibovitz sehen kann. Das ist eben auch Realität und zu der fehlt der Dokumentarfilm leider.
Trotz dieser Kritikpunkte gebe ich dem Bilderrausch meine volle Empfehlung, weil er einfach genauso unterhaltsam ist, wie die erste Seite der Bild-Zeitung.