Wie hier bereits geschriben wurde: wer detailierte Setup- und Technikinformationen sucht, der ist hier fehl am Platz: Dieses Buch erzählt die Geschichten, die sich hinter den Bildern abgespielt haben, wie es zu den Bildern kam, aber nicht, wie diese technisch ausgeführt wurden. Ganz darauf verzichtet wurde natürlich nicht, dafür sind viele Fotografen einfach zu große Equipment-Freaks - hinten im Buch gibt es zu jedem Bild die Information mit welcher Kamera und Film es gemacht wurde, sowie ein kurzes Kapitel über verwendete Technik im Allgemeinen.
Besonders hervorheben möchte ich hier zwei Kapitel, das eine über Leibovitz' Schaffen als Tourfotograf der Rolling Stones, das andere über Yoko Ono und John Lennon.
Zunächst das Kapitel über die Stones: Leibovitz beschreibt, wie sie dazu gekommen ist, Tourfotografin zu werden und schildert eindrücklich das, was sie hinter den Kullissen erlebt hat (Für Rolling Stones Fans: Der nie offiziell in Verkehr gebrachte Film "Cocksucker Blues" kommt auch vor): "... I found concert work difficult. You could never take an eye from the camera and you were at the mercy of the lighting people, who were usually on drugs". Als besonderes Bild kann man hier das Bild von Mick Jagger, klitsch-nass, im Bademantel und mit Handtuchturban im Fahrstuhl nennen, zu dem es kam, als die Band sich nach den (geplanten) Zugaben ins Hotel zurückzog und Jagger sich während des Konzerts mehrere Eimer Wasser über den Kopf gegossen hatte... Insgesamt ein lohnender Blick hinter die Kulissen der Rolling Stones; auch wenn hier sicher eine Menge an Drogen konsumiert wurden, Leibovitz zeigt die Stones durchaus als ein professionelles "Unternehmen".
Zu John Lennon und Yoko Ono: Das Kapitel beschreibt die Entstehung des bekannten Rolling Stone (diesmal die Zeitschrift) Covers, auf dem Yoko Ono angezogen auf dem Boden liegt und John sich nackt in Fötusstellung an sie klammert. Das Bild wurde wenige Stunden vor der Ermordung Lennons gemacht.
Yoko Ono kommt dabei meines Erachtens nicht besonders gut weg, zumindest wird sie aber als stur dargestellt: bereits bei ihrem ersten Zusammentreffen mit Leibovitz heißt es über Ono und Lennon "they were impressed, that Jann [vom Rolling Stone]let someone like me photogrph people who were so famous". Auch hier gibt es einen tiefen Einblick in die Beziehung Lennon-Ono und viele Beatlesfans werden sich bestätigt fühlen.
Ich kann jedem, der des Englischen mächtig ist, nur empfehlen, diese (die englische) Ausgabe zu kaufen, das macht das ganze sicher etwas unverfälschter.
Ich habe dieses Buch in drei Tagen förmlich verschlungen und obwohl es praktisch keine technischen Hinweise gibt, eine Menge gelernt. Auf das Buch gekommen bin ich über eine Empfehlung auf Strobist (by the way, thanks David, that was a great recommendation). Ich kann es nur weiterempfehlen.
Der Grund, warum es nur vier Sterne gibt, ist die Verarbeitung. Bereits nach einem Tag Lesen hat sich auf der Vorderseite das Z von "Leibovitz" von dem Buchleinen abgelöst. Das muss nicht sein. Ansonsten ist das Buch aber qualitativ gut verarbeitet, das Papier hat eine hohe Qualität und die Bindung ist stabil, wenn auch etwas widerspenstig.