Ich habe mir dieses Buch auf der Burg Hülshoff bei Münster gekauft, nachdem ich mir vorher den Geburtsort der Droste und das unweit gelegene berühmte Rüschhaus - ihr "Schneckenhaus" - angesehen habe. Es gibt selten Biographien, die so schnörkellos, komprimiert und trotzdem detailreich über das Leben einer Frau berichten, welche ich vorher nur von den alten 20,00 Mark-Scheinen her kannte und als romatische Dichterin aus Westfalen für nicht unbedingt so spannend hielt. Ich habe mich inzwischen, nicht zuletzt nachdem ich dieses Buch gelesen habe, eines besseren belehren lassen. Reich bebildert, mit einer stimmigen Gesamtoptik und klaren Gliederung sowie kleinen Leseproben, verschafft sich der Leser einen ersten, guten Überblick über Leben und Werk dieser bemerkenswerten Frau. Der Autor geht knapp, aber verständlich auf die Intentionen für ihre trotz ihres eher kurzen Lebens umfangreiche Dichtung ein. Er skizziert das Dasein einer ent- und getäuschten, warmherzigen, mitunter verbitterten, dann auf ihren Reisen wieder auflebenden Landadeligen, die als Frau und Dichterin ernst genommen werden wollte und sich sogar in der eigenen Familie gegen Unverständnis, Vorurteile und Herablassung wehren mußte. Winfried Freund zeigt das teilweise äußerst bornierte und provinzielle Umfeld der Droste und vermag auf psychologisch feinfühlige Weise Erklärungen zu bieten für die häufigen Krankheiten und Beschwerden der sich oft vereinsamt und vernachlässigt fühlenden Dichterin. Er ist dabei durchaus kritisch und teilt nicht immer das zuweilen etwas hochnäsige Urteil der Droste über ihre Mitmenschen - auch wenn klar gemacht wird, warum sie so reagiert. Indem Winfried Freund die Dichterin auch in das gesellschaftliche Umfeld, in politische und wirtschaftliche Entwicklungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einbindet, macht er verständlich, wie mutig und selbstbewußt diese Frau in einer so durch und durch patriarchalischen Welt überhaupt war, auch wenn sie natürlich keine Frauenrechtlerin war oder sich überhaupt in irgendeiner Weise politisch zu betätigen gedachte.
Mir ist die Droste durch Freund näher gebracht worden, ich habe mir jetzt auch eine Ausgabe der "Judenbuche" besorgt und bin überhaupt auf ihr Werk gespannt. Sie wird vermutlich nicht unbedingt zu meiner Lieblingsautorin werden, aber eine Ahnung von ihrer Größe habe ich erhalten. und bin Ich bin besonders dankbar dafür, daß dies auf eine so einfühlsame, profunde und nicht zu lästigen Romantizismen neigende Weise geschieht. An einem Tag war ich durch mit dem Buch und habe meinen Horizont auf unterhaltsame Weise erweitert.