"Schöne Stimmen": eine wohlfeile Kleinserie aus dem Hause Decca/Deutsche Grammophon. Anne Sofie von Otter gehört dazu. Und das natürlich völlig zu Recht. Die vorliegende Sammlung, ein gelungener Querschnitt durch von Otters zahlreiche Händel-Interpretationen, zeigt die Diplomatentochter wieder einmal in Höchstform. Die schöne Schwedin ist - horribile dictu - seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Wiedergabe barocker Vokalkompositionen. Sie verfügt über einen reifen, warm timbrierten und vibratofreien, eleganten Mezzosopran, der für Händels Opernarien geradezu wie geschaffen ist. Klug, mit schönem Legato, unangestrengt, sinnlich und mit einer der stoischen Affektenlehre des Barockzeitalters perfekt entsprechenden Emotionalität gestaltet von Otter die Zerbrechlichkeit, Verzweiflung und Verstörung ihrer Opernrollen. Das gilt für die vorwiegend englischsprachigen Partien auf dem vorliegenden Album nahezu durchgehend. Die vier unterschiedlichen Orchester begleiten akkurat, musikalisch sensibel und präzise. Müsste man ein Ensemble hervorheben, so wären das die ungeheuer spielfreudig und auf den Punkt musizierenden Barockexperten aus Paris unter Marc Minkowski. Anne Sofie von Otter kann noch so viel mehr - man denke an die Lieder von Mahler -, aber diese Sammlung bringt uns ihr Talent auf eine sehr schöne Art und Weise nah. (Die Ausstattung der CD ist recht spartanisch, der Text im Beiheft ist aber kompetent und launig geschrieben.)