Inhalt:
Annes Leben auf Green Gables geht turbulent weiter. Der mit Spannung erwartete erste Besuch eines Balls mit ihrer Busenfreundin Diana endet in einer Katstrophe. Dianas griesgrämige Tante Josephine ist nämlich überraschend zu Besuch gekommen und die beiden übermütigen Mädchen erregen versehentlich ihren Zorn. Wird es Anne auch diesmal gelingen, die Wogen zu glätten?
Story:
Titania Medien geht auch in dieser dritten von zwanzig Folgen die gewohnte Gangart weiter und liefert mit "Jede Menge Missgeschicke" eine weitere, durchaus interessante Episode aus Anne Shirleys Leben. Dieses Mal bekommt man es vorallem mit der Liebe zu tun, die Gilbert für Anne empfindet. Dabei werden seine (teilweise unglücklichen) Versuche, sie von sich zu überzeugen als humorvolle Ansätze genommen, um eine liebevolle Geschichte um die beiden herumzustricken. Bewundernswert ist, dass die Handlungsreihe trotz ihres immensen Alters von 100 Jahren, zu keinem Zeitpunkt wirklich unglaubwürdige Dialoge beziehungsweise Situationen bietet, die den Hörer an der Handlung zweifeln lassen. Besonders ist eben, dass man überaus authentisch herüberkommt, die Emotionalität in den Dialogen kommt klar heraus und auch mit eben solchen Geschichten wird der Markt gefüllt, in diesem Bereich hatte es vorher an bekannten Hörspielen gemangelt. Der Handlungsplot wird also um ein wichtiges Element erweitert, drei Viertel der Erzählzeit von Annes Erlebnissen auf Green Gables sind nun vergangen und man kann mit der Dialogkunst gut leben, alles ist übersichtlich dargestellt und man entspricht auch nicht dem Vorurteil von leichter Kost, die Gefühlsebene wird schon stark geschnitten an manchen Stellen.
Sprecher:
Wie bereits erwähnt spielt Gilbert Blythe eine tragende Rolle in diesem Hörspiel. Was die Sache dabei noch viel ansprechender macht, ist der Sprecher dieses Charakters, man hat nämlich Simon Jäger ausgesucht und ihm zuzuhören, ist über die gesamte Dauer ein Vergnügen, in meinen Augen sollte er öfters die Rolle des Liebenden besetzen, da diese vom Stimmklang her sehr zu ihm passt. Ansonsten überzeugt der Cast vorallem mit weniger bekannten Sprechern und der wieder einmal perfekt aufgelegten Marie Bierstedt, die für Anne Shirley eine unglaublich beherzte Leistung an den Tag legt und das auch schon von Beginn der Serie an. Lutz Mackensy ist als Erzähler sowieso gut an seinem Posten aufgehoben, Dagmar von Kurmin und Jochen Schröder können in ihren Rollen als "Adoptiveltern" auch überzeugen, weshalb wieder einmal ein überzeugendes Bild von den Sprechern übrig bleibt. Ihnen zuzuhören bereitet eine große Freude!
Musik und Effekte:
Bei der Musik bewegt man sich weiterhin auf dem sehr hohen Niveau der vorangegangenen Folgen, viel werden die Zuständigen wohl auch nicht mehr falsch machen, da sie mit einem großen Pool an stimmungsvollen und in die Serie passenden Musiken vorgesorgt haben und diese nur noch zu den gegebenen Stellen in das Masterband einfügen müssen. Klassische Instrumente kommen hauptsächlich zum Einsatz, besser kann diese für mich britisch anhauchende Stimmung auch gar nicht auf den Hörer übertragen werden, jeder Pianoton steht dort fast für ein Gefühl, das ist schon wirklich gut, was hier geliefert wird. Auf die Effekte ist man im Speziellen kaum angewiesen, doch die Naturumgebungen werden auch dieses Mal wieder harmonisch dargestellt, im Bereich der technischen Realisation weiß Titania Medien zu überzeugen.
Fazit:
Je mehr man in das Leben der Anne Shirley hineinwächst, desto besser gefallen mir auch die Handlungen. Da an Sprechern und Technik schon in den vorherigen Folgen nicht viel auszusetzen war, erreicht man hiermit die bislang beste der drei bisherigen Folgen. Die Hörspielserie "Anne" steht mit Sicherheit nicht für Action, Grusel, Mystery oder gar Horror, aber auch Fans dieser Genres dürften einmal ein Ohr bei dieser wirklich klasse produzierten Familienserie riskieren. Ob man sich in den folgenden Episoden wohl noch weiter steigern kann...?
Note 2+