Nachdem ich nur die ganz alten CDs aus den 80ern kannte, konnte ich Anne Clark vor kurzem beim Nürnberger Bardentreffen live erleben und ich muß sagen, ich war total begeistert. Zum einen ist Anne Clark live noch um ein vielfaches besser als auf CD, was man leider nicht von vielen Musikern sagen kann, zum anderen hat diese Frau sich unheimlich weiterentwickelt. Natürlich ist sie ihrem bekannten "Sprechgesang" treugeblieben und streichelt die Seele ihrer treuen Hörerschaft indem sie auch ihre alten bekannten Songs spielt. Doch am Meisten hat mich die unheimliche Vielfallt der Songs begeistert. Vom relativ düsteren "New Wave bzw. EBM" der 80er sind nur noch in den "stillen" Songs Anklänge zu finden. Die ruhigeren Melodien (Know, Psalm, Waiting usw.) werden von geschickten Musikern (Cello, Akordeon, Akustischer und E-Gitare, Piano bzw. Keyboard und Drums...) sehr dezent unterstützt und wirken dadurch umso eindrucksvoller.
Doch es gibt auf dieser Live-DVD die gesamte Palette moderner Musik zu spüren. Teilweise klingt die E-Gitarre fast rockig (oder doch schon Metal?) und man merkt Jeff Aug an, das er eine riesen Bandbreite spielen kann, da er kurz vorher die Akustische Gitarre nur so gestreichelt hat.
Überhaupt hat man bei Anne Clark den Eindruck das sich ihre Top-Musiker nicht nur in Solo-Exzessen präsentieren können (wie das bei anderen Bands der Fall ist) sondern das sie ihnen die Möglichkeit läßt ihr Können auch auf ihre bestehenden Songs anzuwenden. Das zeigt sich ganz deutlich in den bekannten Songs "Sleeper in Metropolis" und "Our Darkness" die wesentlich reicher an Instrumenten geworden sind und teilweise schon fast Techno Anzüge aufweisen. Aber sie integriert auch die orientalisch anmutende Stimme ihres Pianospielers (Murat Parlak).
Mir persönlich gefallen vor allem die etwas groovigeren Songs: "Nightship", "Wallies" aber vor allem "Counter Act" - mein absoluter Favorit.
Enorm begeistert war ich von den "Stimmeinlagen" (oder wie auch immer man das nennt :) )von Rainer van Vielen. Schade das er die Gruppe nach der Tour verlassen will. Einfach genial was dieser Mann an pulsierender Akustik aus seiner Kehler ins Mikro fliesen läßt. Sein elektronisches Können ist aber ebenfalls deutlich in dieser Besetzung zu spüren. Niko Lai hat für einen hervorragenden Drum-Beat gesorgt und Jann Michael Engel war wirklich wunderbar anzuhören am Cello.
Ich freue mich auf die nächste Tour und bin wirklich vom Gelegenheitshörer zum Fan gereift - hätte ich nicht gedacht!