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Annas kosmischer Kalender
 
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Annas kosmischer Kalender [Gebundene Ausgabe]

Jenny Offill
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100540050
  • ISBN-13: 978-3100540058
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.019.576 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Grace Davitt wohnt mit ihren Eltern im nördlichen Vermont. Ein Haus mit Garten, eine unheimliche Hundehütte, in der Nähe dunkle Wälder und Seen. Das ist ihre Welt. Anna, von Beruf Ornithologin, die sich selbst gern auf Wunderbares und Unerklärliches einlässt, weiß die schönsten Spiele, die unglaublichsten Geschichten für ihre achtjährige Tochter. Sie zeigt ihr, wie man in Zeitungen Wörter einkreist und geheime Botschaften auf Parkbänken hinterlässt. Sie hat das Ungeheuer im See gesehen und für Grace in einem Zimmer mit lauter schwarzen Wänden einen kosmischen Kalender aufgezeichnet. "Alles, was seit Beginn der Zeit geschehen ist, verkürzt zu einem einzigen Jahr."

Graces Welt ist voller Lachen und Staunen. Alles scheint gut. Doch der Schein trügt. Je stärker sich die unkonventionelle Mutter ihrer Tochter nähert, desto weiter entfernt sie sich vom Ehemann. Als dieser aufgrund eines Berufswechsels nach New York zieht, zerbricht die Beziehung. Grace wird immer stärker in Annas zunehmend abstrusere Vorstellungswelt hineingezogen. Ein gemeinsames nächtliches Schwimmen im See verläuft fast tödlich für das Mädchen. Doch dieses nimmt die Eskapaden der Mutter als selbstverständlich hin, selbst als beide quer durch Amerika treiben, auf der Suche nach einem toten Freund und nach dem Grab von Annas totem Vater. Immer auf der Suche, ohne je zu finden...

Ein Roman für Erwachsene, aus der Sicht eines Kindes geschrieben, verlangt Stilsicherheit und Erzählkonsequenz. Jenny Offill hat beides. Ihr ist mit Annas kosmischer Kalender ein beachtenswertes Romandebüt gelungen, das in jedem Absatz neue Überraschungen bereit hält. Offill kreiert eine merkwürdig ambivalente Welt, in der sich Geborgenheit und Gefahr zu einem undurchdringlichen Gespinst verflechten. Diese Geschichte einer unheilvollen, zerbrechlichen Beziehung zwischen Mutter und Tochter -- anrührend und beklemmend zugleich -- ist packend bis zum letzten Wort. --Anne Hauschild

Neue Zürcher Zeitung

Das schwebende Bild der Welt

Zwei Romane aus kindlicher Sicht

Was versteht ein Kind von dem, was sich unter Erwachsenen tut? Und wer kann diese Frage beantworten? Dem Kind ist das, was es sieht, das Ganze. Den Erwachsenen dagegen fehlt die Fähigkeit, abzusehen von ihrer eigenen Sicht: von dem urteilenden Blick, der – nicht immer im Sinn einer Einsicht – die Dinge in den Rahmen konventioneller Gegebenheiten stellt: im Einverständnis mit ihnen oder im Konflikt. Eine Möglichkeit, die Sicht des Kindes mit der der Erwachsenen zu verbinden, gibt die Literatur. Nicht nur die Stimme des Kindes kommt im literarischen Sprechen von neuem zum Zug, sondern auch sein Blick; in dem Mass, als er unbefangen wahrnimmt, was ist: dass des Kaisers neue Kleider eigentlich keine sind. Oder dass ein «Stillleben mit Vögeln» eher als ein «-leben» ein «Stilltod» sein müsste.

Das klassische Beispiel für ein solches Zusammenspiel von unverstellter Wahrnehmung und einem weltklug den gegebenen Umständen sich anpassenden Blick gibt Henry James' «What Maisie knew». Was Maisie mitbekommt von dem in ständig wechselnden Zumutungen als Quartett komponierten Ehe- und Liebesleben ihrer Eltern, lässt sich nicht in die Form einer Mitteilung fassen, sondern nur vorführen in der Wirkung dieses fortlaufend sich verfeinernden Wissens: wie es Schritt für Schritt die Korruption der Erwachsenen nicht nur blossstellt, sondern schliesslich hinfällig macht.

Weder Nicholson Bakers «Norys Storys» noch Jenny Offills Erstling «Annas kosmischer Kalender» sind in ihrem Einsatz der kindlichen Sicht derart radikal auf Entlarvung aus. Dennoch steht im Zentrum des einen wie des andern Romans das Kind, das seine Welt in der der Erwachsenen und manchmal im Widerspruch zu ihr zur Geltung bringt: im Rahmen eines erfreulichen Familienlebens bei Baker und in einem allmählich vom Märchenhaften in den Wahnsinn hinübergleitenden Missstand bei Offill. Während bei Baker die neunjährige Nory in der dritten Person ins Leben gesprochen wird von einem Erzähler, der sich behutsam der kindlichen Sprache ebenso wie der kindlichen Sicht bedient, ohne sie sich zu eigen zu machen, spricht bei Offill die achtjährige Grace in der ersten Person, wenn auch im Bann ihrer phantastischen Mutter nicht immer im eigenen Namen. In ihrer je eigenen Perspektive setzt sich die eine wie die andere Erzählung ihr Mass.

Im Kernhaus der Erfahrung

Norys Geschichten handeln von der Übersiedlung der Familie von Kalifornien nach England und dann – rückblickend von einer Gelegenheit zu andern im Vergleich – von der Schule, von den Kindern, von der Sprache und den Sitten einer Welt, in der alles ein klein wenig anders ist als vorher; gewöhnlich und unvermutet zugleich. Bald gewöhnlich, bald unvermutet zeigt sich auch alles, was Nory in ihrer näheren Umgebung ins Auge fasst: der Vater, der – als wäre es ein Drache – furchtlos eine Spinne erlegt und dann ins Klosett wirft, und die Mutter, die mit den schönsten, den sanftesten, den tiefsten Augen, die je eine Mutter hatte, in ihrem Gedärm die Geräusche hervorbringt, die – so meint Nory – ihres kleinen Bruders Littelguy Geschichten von seiner Zeit im Mutterleib angeregt haben: nämlich, dass es dort Dampfzüge gab – den City of Truro, den Lord of the Isles und den Mallard.

Das bringt uns zum Lachen. Nory dagegen nimmt das Gefälle zwischen den schönsten Augen und der Verdauung, zwischen Fabeltieren und sanitären Einrichtungen nicht wahr. Die Gleichwertigkeit, in der sich dem Kind die Dinge darstellen, ist ein poetisches Prinzip. Bald denkt es eine Kathedrale, bald einen Blumenkohl und macht damit die eine wie den andern zum Wunder. Und dann liegt das Wunder auf dem Teller, oder man muss drin stillsitzen, und es ist keins mehr. Was Nory erlebt, oszilliert wie die Wörter, die sie – schwach in der Orthographie – bald so, bald anders schreibt: nach dem Hörensagen eher als nach dem Augenschein. Auch in der Entwicklung des Schulkindes geht die Epoche der Mythen der der Wissenschaft voran. Die Wahrheit, der Nory auf ihrer Suche nach dem, worauf es eigentlich ankommt, begegnet, gilt sowohl im einen wie im andern Bereich. Das Wesentliche ist, wie es im Kapitel «Der Kern der Freundschaft» heisst, «the core», das «Kernhaus» des Apfels; das Allerinnerste auch noch der einfachsten Dinge, zu dem sich alles andere als sein Anschein verhält. Aus diesem Innersten kommt auch die Sprache, die «Norys Storys» als die Erfahrung eines Kindes in der Wahrnehmung eines Erwachsenen zum Ereignis bringt. Sie bewährt sich in Bakers unauffällig präziser Diktion sowohl im wirklichen Leben wie als kindliche Poesie. Wenn eine Übersetzung diesen hohen Grad von Einfachheit erreichen wollte, müsste sie – eine Unmöglichkeit im wirklichen Leben – ebenso behutsam sich entfalten dürfen wie das Original.

Ernüchterter Zauber

Während Nicholas Baker sein Buch «seiner lieben Tochter Alice, der Informantin», widmet, bezieht sich Jenny Offill schon im Titel – im Original «The Last Things» – auf eine literarische Tradition, die über Paul Austers «In the Country of Last Things» zu Kurt Schwitters «Anna Blume» und von dort zu den Märchen führt: Blut im Schuh des Vaters; Schneewittchen, wenn auch in Disneyland; eine Fledermaus, die die Finsternis in einen Korb packt, entwischen lässt und nie wieder einfangen kann. Im Zwielicht dieses ernüchterten Zaubers zeigt sich auch das, was zum Alltag gehört: Kanada, das vom Elternhaus in Vermont aus am andern Ende des Sees eben noch sichtbar ist und manchmal bei Sonnenuntergang brennt. Eine Polaroidfoto, auf der das Bild zuerst orangerot, dann vielfarbig aus der Schwärze auftaucht; die Hände der Mutter, die sich im Schattenriss in Vögel verwandeln, oder die Schuppen, die von ihrem Partykleid abfallen. Das alles ist schön wie ein Gewitter. Verlässlich ist es nicht.

Die Finsternis macht dem Kind Angst. Die Erzählungen der Mutter bringen kein Tageslicht in den unabsehbaren Raum, sondern allenfalls die unsichere Beleuchtung der Träume: Wenn sie von einem Afrika berichtet, in dem nicht nur Löwen, sondern auch Hyänenmänner mit zwei Gesichtern wohnen, oder wenn sie ihrer Tochter mit dem nicht nur auf den Zeitraum eines Jahres, sondern auch konkret in die Landschaft projizierten kosmischen Kalender vorführt, wie riesig das Weltall ist, wie unvorstellbar lange seine Geschichte und wie winzig darin die Eintagsfliege Mensch, wird der Sog des Nichts spürbar, dem die Mutter mehr und mehr verfällt. Das Kind verfällt nicht dem Nichts, sondern der Magie. Statt dass es aber Wunderheilungen verbringt, gerät es in Schuld. Die sieht aber nur zwischen den Zeilen der Leser. Dem Kind, das nicht mehr weiss, was wahr ist und was nicht, ist sie ein missglückter Versuch.

Aus dem Gespinst dieser Wunder und Wunderlichkeiten hebt sich immer deutlicher lesbar der Verlauf einer Krise heraus, die – und auch das wird nur zu verstehen gegeben – darauf hinausläuft, dass die Mutter mit Steinen in der Jackentasche ins Wasser geht. Wie eine, die Bücher schrieb. Nicht ohne dass sie sich vorher vergewissert hat, dass das Kind weiss, wie man die Geschirrwaschmaschine bedient. Wenn das Kind diesen Schrecken überlebt, überlebt es als ein Amphibium, das die Beine vom bodenständigen Vater und die Flossen von der nixenhaften Mutter hat. Ein Amphibium ist auch Jenny Offill, wenn sie, eingetaucht in die im Motto beschworene surrealistische Strömung eines unerschöpflichen Raunens, mit einem scharfen Blick auf die Gegenwart zugleich als Kind und als Erwachsene spricht.

Eleonore Frey


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Absolut lesenswert 23. November 2001
Von Ein Kunde
....ein sehr gefühlvolles Buch, mit feinen leisen Untertönen zwischen den Zeilen. Es wird ein großer Bogen gespannt aus Liebe und Leid und Lebenswille und Lebenslast. Für mich eines der schönsten "zarten" Bücher der letzten Zeit.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Annas kosmischer Kalender" ist ein Buch, das viel verspricht,aber wenig hält. Habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen, aber man muß ja eine Suppe auch nicht bis auf den letzten Tropfen auslöffeln, um festzustellen, daß sie versalzen ist. Zwar ist die Story gut- kleines Mädchen, das von seiner egozentrischen und flippigen Mutter in eigener Regie unterrichtet wird und dabei übersieht, daß ihre Mutter sich von anderen Mütter unterscheidet, entweder weil sie psychisch krank ist oder ganz einfach total durchgeknallt... wie dem auch sei, die ganze Handlung wirft nur Fragen auf- welches Verhältnis haben die Eltern des Kindes zueinander, ist die Mutter psychisch krank, merkt das Kind, daß sie Mutter nicht "normal" ist, leidet das Kind darunter etc- aber keine dieser Fragen wird beantwortet( vielleicht am Schluß, aber bis dahin hat man das Buch schon enttäuscht zur Seite gelegt) . Der kindliche Stil mag zwar passend sein, wirkt aber tatsächlich langweilig und ermüdend, man hat Mühe, vor lauter unwichtigen Détails, über die das Buch stolpert, den roten Faden nicht zu verlieren- wenn es denn einen gibt. Das Buch ist eine Aneinanderreihung von netten Sätzen und Informationen wie aus dem Lexikon - würde ich das wollen, würde ich ein Lexikon lesen. Den Erwartungen, die ich an das Buch hatte, wird es in keinster Weise gerecht. Für die Informationen über die Weltgeschichte und die netten Sätze zwei Sterne- mehr sind nicht drin!
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