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Vom Verfasser 1950 im amerikanischen Krankenhaus von Paris in die Maschine diktiert, da ihm sämtliche Finger beim Abstieg erfroren, wurde es dank seines unprätentiösen Stils millionenfach konsumiert und trug erheblich zu Herzogs Status als einem Volkhelden bei, der unter de Gaulle Sportminister wurde.
Das Foto seiner verfaulenden Hände mit ihren herunterhängenden Hautfetzen ist ebenso Teil der Annapurna-Legende wie seine packende Beschreibung der monatelangen Suche nach einem Berg, der auf keiner Karte korrekt verzeichnet war, oder des nur mit Glück überlebten Abstiegs, der den mittlerweile gehunfähigen Expeditionsleiter bis nach Kathmandu zum nepalesischen König brachte
Reinhold Messner dokumentiert die Herzog-Expedition ebenso wie spätere Besteigungen einschließlich der eigenen über die vormals unbegangene Norwestwand. Daß er, der 1985 nur noch vier Jahre davon entfernt war, sämtliche vierzehn Achttausender "einzusammeln", sich ausgerechnet an der selten bestiegenen Annapurna für eine derart schwierige Route entschied, widerspricht der häufig geäußerten Kritik, er habe im Spätstadium seiner Bergsteigerkarriere rasch alle Gipfel "abkaken" wollen - vorzugsweise über bekannte, ausgetretene Normalrouten-Trampelpfade.
Diese Kritik bezieht sich insbesondere auf Messners Verhalten am K2 (1986), als er von der selbst konzipierten "magischen Linie" an der Südwestwand auf den bekannten Abruzzengrat wechselte. Wie zuvor am Cho Oyu und am Dhaulagiri sowie danach am Makalu und am Lhotse, scheiterte er am Versuch einer neuen Route und betrat alte Wege hinauf und hinunter. Dennoch muß man ihm zugute halten, daß er zum Teil mehrmals neue Routen am selben Berg ausprobierte und nur abbrach, wenn die Vernunft keine andere Möglichkeit zuließ (etwa an den Dhaulagiri- und Lhotse-Südwänden). Nicht jeder Berg erlaubte dieselbe waghalsige, in Konzeption und Durchführung überzeugende Demonstration seiner Klasse als Ausnahmekletterer.
Messner, der nach den menschlichen Enttäuschungen am Nanga Parbat (1970) und Manaslu (1972) gemeinsam mit Habeler den alpinen Stil im Himalaya einführte (Gasherbrum I, 1975), die erste Alleinbegehung eines Achttausenders absolvierte (Nanga Parbat, 1978), mit Habeler als erster ohne Sauerstoff auf den Everest kletterte (1978) und zwei Jahre später wieder als erster völlig allein auf den höchsten Berg der Welt marschierte - im Winter und während des Monsuns - hat zweifellos Maßstäbe gesetzt, blieb jedoch immer umstritten.
Die Annapurna ging Messner gemeinsam mit Hans Kammerlander an. Form und Darstellung der Besteigung ähneln anderen Beschreibungen desselben Autors, vom Bezug auf Vorgänger über die Begründung der eigenen Route bis hin zu Auslassungen über spirituell bereichernde Erlebnisse in der Todeszone über 7000m.
Messner und Kammerlander waren ein außergewöhnliches Paar, das insgesamt sieben Achttausender bestieg. Ihre Überschreitung zweier Achttausender in einem Rutsch (Gasherbrum I & II, 1984) war ebenso spektakulär wie ihr gescheiterter Versuch, im Winter durch die Lawinenkanonade der Cho Oyu-Südwand zu krabbeln (1982). Begünstigt durch Messners Zerwürfnis mit Habeler, erreichten die beiden 1985 die einander gegenüberliegenden Dhaulagiri- und Annapurna-Gipfel. Während sie am Dhaulagiri nichts Außergewöhnliches unternahmen, durchstiegen sie an der Annapurna die völlig unbekannte Nordwestwand im Eilverfahren.
Neben der ausführlichen Darstellung ihrer Schwierigkeiten auf dem letzten Stück, als sie am Nordwestgrat vom Sturm fast aus der Wand gefegt wurden, bevor sie im Nebel auf einem eiskalten Gipfel ohne Aussicht landeten, schildert das Buch einige der faszinierenden Besteigungen, die gerade das Annapurna-Massiv erlebt hat.
Leider geht Messner dabei nur auf deren zwei detailliert ein: die britische Expedition von 1970 und Herzogs Erstbesteigung. Der Leser erfährt somit nichts über die außergwöhnliche Frauenexpedition unter Arlene Blum von 1978, die eine Alternativroute durch Herzogs Nordwand wählte und unterwegs zwei Tote zurückließ. Immerhin kurz erwähnt wird Erhard Loretans Himmelfahrtskommando von 1984, als er gemeinsam mit Norbert Joos durch die Südwand auf den Ostgipfel kletterte, um danach den gesamten Ostgrat entlang über den Mittelgipfel zum Hauptgipfel zu gelangen und schließlich über die Nordwand abzusteigen - mit Sicherheit eines der verrücktesten Unternehmen in der Geschichte der Himalaya-Expeditionen.
Insgesamt ein durchaus bemerkenswertes Buch, das den umstrittenen Autor von seiner besten Seite zeigt und die vielen Kontroversen um seine Person für einen Moment vergessen läßt.
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