Das Römische Reich wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. von Kaisern beherrscht, die sich mit ihrem Lebenswandel und ihren Untaten einen zweifelhaften Ruhm erwarben, der die Zeiten überdauert. Augustus begründete die Kaiserherrschaft: Unter Beibehaltung der republikanischen Institutionen wurde die tatsächliche Staatsgewalt seitdem von nur einer Person ausgeübt. Dabei herrschte, abgesehen von gelegentlichen kriegerischen Konflikten in entfernten Provinzen, Friede im Römischen Reich - umso besser konnte sich die feine römische Gesellschaft ihren internen Zwistigkeiten widmen. Die Adligen lebten gefährlich: Ungerechtfertigte Verfolgung und Mord waren als Instrumente zur Gewinnung und Sicherung der Herrschaft an der Tagesordnung. Tacitus schildert detailreich diese Entwicklung Roms zu einer zunehmend korrupten und lasterhaften Gesellschaft und den Weg zum antiken Überwachungsstaat. Den Fokus auf die Personen der Kaiser gerichtet, lässt er dabei oft mit bitterer Ironie sein Bedauern über den Verlust der alten republikanischen Werte durchschimmern. Bisweilen ist die Aufzählung von Ämterwechseln und Gerichtsprozessen etwas ermüdend, doch für die gelegentlichen Längen entschädigt die große literarische Qualität.