Anna hat ihr ganzes Leben lang schon Geschichten geschrieben, zumindest von dem Moment an, an dem sie das Schreiben gelernt hatte. Ihre Familie glaubt, man habe sie nach der Geburt vertauscht. Das ist schon möglich, denn außer ihr schreibt niemand so viel Zeugs, außer ihrer Cousine, aber die ist wahrscheinlich auch vertauscht worden. Als Anna schon richtig gut schreiben konnte, dachte sie, man könnte ja mal Abitur machen, und weil das ganz gut ging, dachte sie, man könnte hinterher doch gleich noch Medizin studieren. Das hat sie dann auch gemacht, denn sie befürchtete, dass ihre Mitmenschen ihr Genie möglicherweise nicht erkennen könnten, und dass die Schreiberei ihr dann vielleicht nicht das fürs Leben nötige Kleingeld einbringen würde. Das war auch sehr weise, fand ihre Familie, deshalb verdient Anna jetzt ihr Geld als Assistenzärztin in der Anästhesiologie und das macht ihr sogar Spaß. Damit die Welt doch noch Gelegenheit hat, ihr vermeintlich geniales schriftstellerisches Wesen zu erkennen, schreibt sie auf ihrem Blog fiktive Geschichten aus dem OP und dem Notarztdienst. Wenn sie nicht schreibt oder ihre Zeit in der Klinik verbringt, macht sie Yoga. Deshalb ist sie immer unglaublich ausgeglichen und kann sich eigentlich nie über irgendwas so richtig aufregen. Daher schreibt sie auch selten mal was Sozialkritisches, sondern lieber was völlig Absurdes, was die Welt vielleicht ein bisschen bunter macht. Zumindest ihre eigene. Nachzulesen ist das auf www.kinomaniac.de.