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Produktinformation
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Überzeugend ist die "Doppelte Buchführung". Ein Arzt erinnert sich beim Ringen um das Leben eines zwölfjährigen Jungen an seine eigene Kindheit, vor allem an das Verhältnis zum Vater. Das ist gut beobachtet, eloquent geschrieben und mit dem Blick auf den Klinikalltag realistisch, kritisch, ironisch. Eine andere Geschichte, ein anderes Thema: Berichtet wird von einem Mann, der sich und die Frauen um den Verstand bringt. Per Telefon, Handy und E-Mail will er die totale Kontrolle über die Freundinnen, die er vorgibt zu lieben. Und das, da er schlecht schläft, über 24 Stunden und sieben Tage in der Woche. Diese Erzählung mit der schönen Überschrift: "Es rührt sich nichts" endet mit dem Scheitern des Kontrolleurs. Er hat nichts begriffen. Und der Leser ist erschöpft nach dieser Flut an Daten und Zeiten.
Mann und Frau, das alte, ewig neue Thema treibt den Erzähler Geiger an. Auch seine Varianten, warum sie nicht zueinander finden, sind ein Abbild der Wirklichkeit. Zuneigung und Liebe gibt es da, etwas Glück, aber Traurigkeit und Katastrophen sind nie fern. Manches ist gut zu lesen, mit gewissermaßen leichter Hand geschrieben. So testet in der Titel-Erzählung eine junge, attraktive Mutter im Auftrag von Ehefrauen die Treue der Männer, hat aber ihre liebe Not mit sich selbst und der eigenen Tochter. "Anna nicht vergessen", so mahnen daher die Merkzettel am Kühlschrank und im Bad. Zu den überzeugenden Stücken gehört auch der "Abschied aus Berlin". Ein in Beruf und Beziehungen erfolgloser Österreicher verlässt die Hauptstadt. Die letzte Nacht verbringt er allein auf der Gästecouch einer Kellnerin, die ihn aus Mitleid mitgenommen hat. Lukas, so heißt der Held, hat seine große Stunde, als er dem Klempner, der am nächsten Morgen den Abfluss repariert, detailliert berichtet, wie schön und erfüllt die Liebe mit der Frau sei, die noch todmüde im Bett liegt. Lukas erzählt seine Träume und trifft endlich einen Menschen, der ihm zuhört.
Den Leser erwarten aber auch Enttäuschungen. Ohne Ideenreichtum und Leichtigkeit etwa ist der Ferndialog per Tonband einer Frau zu einem abgetauchten Liebhaber, es sind die banalen "Neuigkeiten aus Hokkaido". Auf 16 Seiten wird das Inventarverzeichnis nach einem Hausbrand abgedruckt. Schade, hier hat der erwartungsvolle Leser gerade nach "Es geht uns gut" mehr erwartet. -- Carsten Hansen, Literaturtest
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Verlust des Verstandes in der Liebe,
Von Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Anna nicht vergessen (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Erfolg von "Es geht uns gut" aus dem Jahre 2005 (u.a. "Deutscher Buchpreis") waren die Erwartungen von Kritik und Lesern hoch: Schreibt Arnold Geiger auf diesem Niveau weiter? Wird sein nächstes Buch wieder ein Erfolg?Nun, der österreichische Autor enttäuscht seine Leser nicht, obwohl er es sich selbst (und den Lesern) nicht leicht gemacht hat - ist sein neues Buch doch nicht mehr und nicht weniger als eine Sammlung von 12 Erzählungen unter den Mottos "Tage", "Jahre" und "Leben". Natürlich ist die Qualität (wie die Länge) der einzelnen Erzählungen unterschiedlich. Im Gedächtnis bleiben dem Leser sicher einige: In "Anna nicht vergessen" arbeitet unsere Heldin Ella bei einer Agentur und stellt im Auftrag von Ehefrauen deren Männer auf die Probe, ob diese für amouröse Abenteuer zu haben sind. Gleichzeitig ist Ellas sechsjährige Tochter Anna ein mehr als schwieriges Kind... In "Also, das war's so ziemlich" bespricht eine Frau für ihren Erich Tonbänder (wir befinden uns im Jahre 1973), die sie ihm, der sich inzwischen nach Australien abgesetzt hat, schickt. Erich wird immer schweigsamer und antwortet nicht mehr; irgendwann hört sich die Frau nur mehr die alten Bänder an, da keine neuen mehr kommen... Fast immer stehen die "Helden" der Geschichten auf der Verliererseite des Lebens; ihre Suche nach Liebe und Geborgenheit nimmt manchmal sogar krankhafte Züge an ("Es rührt sich nichts"). Selbst die Familie bietet keinen Schutz mehr ("Das Familienleben...steckt voller Gefahren"; "Es ist leichter, ein Leben zu erfinden, als es zu meistern"). Daneben gelingen Arnold Geiger unheimlich poetische Sätze - etwa dieser: "Die Tage kamen und behielten den Hut auf, sie gingen vorbei..." Ein wahrhaft schönes Buch, das man nicht so schnell vergisst! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Lakonische Gegenwartsskizzen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Anna nicht vergessen (Gebundene Ausgabe)
In drei mal vier kurzen Geschichten schildert Arno Geiger, einem breiteren Publikum seit "Es geht uns gut" als wortgewandter Schilderer von Emotionen und verfahrenen Situationen bekannt, unterschiedliche Menschen, die an den Erfordernissen des Alltags zu scheitern drohen.Da ist Ella, die ihre Tochter Anna allein aufzieht und damit an ihre Grenzen zu stossen droht. Da ist der junge Mann, der es nur vor dem Handwerker schafft, sich für einen kurzen Moment als ganzen Kerl darzustellen. Da ist die Familie, die nach einem Wohnungsbrand feststellt, dass von einem sich zu Ende neigenden Leben nur Krempel übriggeblieben ist - und selbst der ist nun nur noch Asche. Und da ist der Mann, der mit seinem Streben nach totaler Kontrolle jede Liebe in seiner Freundin erstickt. Allen Geschichten, so unterschiedlich si auch sein mögen, gemein aber ist ein Grundton von Lakonie und Traurigkeit, der nur selten einen Hoffnungsschimmer zuläßt. Dieses Buch ist ein bisschen wie das Leben selbst: Nicht alles ist gelungen, manches belanglos. Aber manches ist einfach wirklich gut. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großartig !,
Von Roland Freisitzer "freisitzer" (Vienna, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Anna nicht vergessen (Gebundene Ausgabe)
"Anna nicht vergessen", eine Sammlung mit 12 Erzählungen von Arno Geiger ist ein wunderbares Buch. Einige der Erzählungen sind wirklich grandios, dass da nicht alle Erzählungen auf dem selben Niveau sind, ist nicht überraschend und auch keine Trübung der Qualität der Sammlung. Die stärksten Momente hat Arno Geiger in den Erzählungen, die einen eher herkömmlichen Erzählstil haben, da stimmt dann einfach alles: Form, Dichte, Ziel und Aussage. Schon die erste Erzählung, "Anna nicht vergessen" ist, so knapp und präzise erzählt, beklemmend in ihrer Art des emotionellen Understatements, dass man erst mal tief durchatmen muss, verdauen muss; um sie dann gleich noch einmal zu lesen. Die (3) eher experimentellen Erzählungen (wie die, in der eine Frau Tonbänder bespricht, um sie einem Mann zu schicken, der in Australien ist und scheinbar froh ist, nicht in Wien zu sein...oder die, in der Udo Proksch u.a. auf Bücher ballert) sind sehr interessant, jedoch trafen sie mich nicht so, wie die anderen. Einzig die Erzählung, in der die Geschichte eines (abgebrannten) Hauses (bzw. die Geschichte der Inhaber dieses Hauses) in Form der Auflistung der verbrannten Gegenstände erzählt wird, ist meiner Meinung nach ein misslungenes (originelles) Experiment, das jedoch zwischen so großartigen Erzählungen keine, oder nur wenig Chancen hat.Arno Geigers Protagonisten sind Menschen unserer Zeit, die mit Problemen der Nähe zu anderen Menschen (bzw. dem Fehlen dieser Nähe) zu kämpfen haben, viele Fragen werden gestellt; zu Liebe, Treue, Eifersucht, Verlust- die großen Themen der Literatur und des Lebens. Fazit: ein wirklich großes Buch der kleinen Formen, großartig ! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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