Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Autor durfte in Reihe 17 das Wunder höchstpersönlich miterleben. 27. Juli 2002, Premierenabend des
Don Giovanni im Salzburger Festspielhaus: Meterhoch plakatiert, der neue Shootingstar der Saison, die blonde Tschechin Magdalena Koená in der Rolle der Bauernmagd Zerlina. Doch vor ihrem Auftritt, der erst spät im Stück erfolgt, hatte eine andere das Publikum bereits gründlich verzaubert. Anna Netrebko als Donna Anna. Dirigent Harnoncourt hatte den richtigen Riecher gehabt. Angesichts der Sangesleistung und Schönheit der russischen Sopranistin fielen an diesem legendären Premierenabend in der Mozartstadt die Nockerl gleich reihenweise zu Boden. Ein neuer Opernstar war vom Himmel gefallen!
Du singst wunderschön. Aber solltest du noch einmal tanzen, schmeißen wir dich raus! Eine harte Schule erwartet die junge Frau aus dem südrussischen Krasnodar im Petersburger Konservatorium. Bald hält Anna Netrebko den ersten wichtigen Preis in Händen. Das legendäre Mariinskij-Theater lockt. Dort thront Valery Gergiev, Chefdirigent und gewiefter Zampano, der in seinem Haus gleich reihenweise Gesangsstars für den westlichen Markt produziert. Er wird zum Drahtzieher einer fast generalstabsmäßigen Planung. Das Produkt Anna Netrebko betritt die Weltbühne.
Äußerst sympathisch, nicht übermäßig intelligent, dafür aber klug, fast gerissen. Nach erhellenden Ausflügen ins Opern- und Gesangsfach widmet sich FOCUS-Musikjournalist Dolak dem Weltstar und Partygirl Anna Netrebko. Neben manch boulevardeskem Leerlauf aus der Busserl-Society werden auch kritische Töne laut. Die wenig charmante Einschätzung eines italienischen Sangeskollegen kann der Leser in den eingeschobenen Netrebko-Interviewpassagen nachprüfen. Wir erleben ein Kind der MTV-Generation, das die Macht der Bilder und seinen (erotischen) Marketingwert genauestens kennt. Regelmäßige Flirts, Wodka- und Partygelage werden von der Regenbogenpresse dankend angenommen. Der Dauerspagat zwischen Disneyworld und La Traviata gelingt. Auch Netrebkos Opernverständnis changiert zwischen tiefem Empfinden und grellbunter Videoclip-Ästhetik.
Ob man es mag oder nicht. Vorbei sind die saumseligen Zeiten, in denen 100-Kilo-Matronen die Rolle der zierlichen 16-jährigen Donna Anna stemmen mussten, wie Harnoncourt sarkastisch feststellt. Heute sehen Opernstars wie Anna Netrebko aus! Es gibt Schlimmeres. --Ravi Unger
Kurzbeschreibung
Auf der Bühne triumphiert sie als Donna Anna in "Don Giovanni" und als Violetta in "La Traviata". Privat steht sie auf Shopping, Wodka und wilde Partys: Die neue Operndiva Anna Netrebko ist die schillernde Repräsentantin einer neuen Sänger-Generation, der es gelingt, die klassische Musik aus dem Elfenbeinturm zu befreien. Gregor Dolak, Musik-Journalist beim Nachrichtenmagazin FOCUS, zeichnet ein vielschichtiges Porträt der schönen Russin mit der atemberaubenden Stimme und gibt Einblick hinter die Kulissen der Star-Maschinerie Oper.