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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein ausgezeichnetes Buch, eine hervorragende Verfilmung!, 4. August 2001
Zur Feier des 1. August 2001 strahlte 3Sat die hervorragende Verfilmung des Romans von Eveline Hasler "Anna Göldin - Letzte Hexe" aus (Buch und Regie: Gertrud Pinkus). Zur Zeit, als man in Frankreich schon für Freiheit und Brüderlichkeit kämpfte und auf dem besten Wege war, der Aristokratie den Garaus zu machen, herrschte im Kanton Glarus und wohl auch anderswo in den Kantonen noch ein ausgeprägtes Standesbewusstsein. Anna Göldin, eine selbstbewusste, intelligente junge Frau aus ärmsten Verhältnissen, fällt diesem Dünkel zum Opfer. Aus Neid, Eifersucht und weil man ihr vorwirft, nicht die Demut an den Tag zu legen, die einer Magd wohl ansteht - und auch weil sie den bigotten Mannsbildern den Kopf verdreht, vor allem dem Arzt und Richter Tschudi, in dessen Haus sie dient - verurteilen sie die rechtschaffenen Bürger von Glarus zum Tod. Sie habe das zweite Töchterchen der Tschudis verhext, ihm "Gufen" in die Milch getan. Dieses wunderbar geschilderte Schicksal einer jungen, "modernen" Frau zu Ende des 18. Jhs. zeigt einmal mehr, wie sehr die Schweiz - die Wiege der Demokratie - noch in mittelalterlichen Vorstellungen von Herren und Leibeigenen verwurzelt war und wie sehr sich hier Religion, Tradition und Standesbewusstsein gegen die Gedanken der Aufklärung und der Demokratie sperrten. Ich kann das Buch allen jungen Frauen von heute wärmstens empfehlen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit ist sehr eindrücklich nachempfunden, auch sprachlich, und man liest das Buch mit Spannung. Und Gertrud Pinkus Film gelungen, wie man ihn sich besser nicht wünschen könnte, mit ausgezeichneten Darstellern. ISBN: 3423104570
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anna Göldin war bestimmt nicht die letzte Hexe!, 8. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Anna Göldin - Letzte Hexe (Gebundene Ausgabe)
Man schreibt das Jahr 1780. Die Magd Anna Göldin ist schön, intelligent und selbstbewusst. Und jedenfalls nicht so demütig, wie man das im großbürgerlichen Haushalt des Arztes und Richters Tschudi erwartet, bei dem sie sich verdingt. Anna ist gradheraus, hat einen klaren, menschlichen Blick und lässt sich von den Standesdünkeln der "Herrschaft" nicht beeindrucken. Neid, Missgunst und Eifersucht auf diese innere Unabhängigkeit werden ihr zum Verhängnis: Die ehrenwerte Gesellschaft wird sich darüber einig, dass Anna Göldin eine Hexe sei und verurteilt sie zum Tode. Eveline Hasler erzählt eine spannende, ergreifende Geschichte über das Leben einer außergewöhnlichen, innerlich emanzipierten Frau. Dass die Autorin vielfach eine altertümliche Sprache verwendet, trägt dazu bei, die damalige Zeit in ihren maßgeblichen Facetten vor dem inneren Auge ganz plastisch erstehen zu lassen. Die Geschichte stimmt nachdenklich: Ist es nicht ein immer noch aktuelles Faktum, dass Außenseitertum bestraft wird? Innere Unabhängigkeit von gängigen Sichtweisen - ist das nicht auch heutzutage irgendwie verdächtig? Wer sich von Stand, Geld, Macht oder Position nicht beeindrucken lässt - stellt sich der nicht auch jetzt irgendwie außerhalb der Gesellschaft? Die Art der Verurteilungen hat sich geändert, aber Anna Göldin war bestimmt nicht die letzte Hexe...
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Engagierter Roman über eine tragische Frauengestalt, 22. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Anna Göldin - Letzte Hexe (Gebundene Ausgabe)
Im Jahr 1782 - in Frankreich braut sich die aufkommende Revolution zusammen, in Deutschland feiert Goethe schriftstellerische Erfolge - fällt ein Teil der Schweiz ins Mittelalter zurück. In diesem Jahr findet in Glarus in der Nähe des Zürichsees der letzte Hexenprozess in Europa statt. Die Magd Anna Göldin gesteht unter der Folter, der zweitältesten Tochter ihrer früheren Herrschaft ein Brot zu essen gegeben zu haben, das Nadelsamen enthielt. Das Brot habe sie vom Teufel bekommen. Später erklärt sie, ein ihr bekannter Heiler habe ihr denn Samen gegeben. Das Kind, die achtjährige Anna-Maria Tschudi, hatte danach begonnen, Nadeln, Nägel und Draht zu erbrechen. Anna Göldin, vorbestraft wegen angeblichen Kindsmords, wird zum Tod durchs Schwert verurteilt, nachdem sie das Kind "geheilt" hat. Der Protest aufgeklärter Kreise nützt nichts, auch nicht die Tatsache, dass sie ein Kind von ihrem früheren Herrn erwartet... Es ist ein dankbares Thema, dem sich Eveline Hasler meisterhaft widmet. Immer wieder blendet sie zurück, um über die Kindheit und Jugend der zukünftigen Magd in einer verarmten Familie zu berichten, über die Nachstellungen der Männer, denen die unerfahrene junge Frau hilflos ausgeliefert ist, über die Schwangerschaften und über die ständigen Wechsel der Stellungen. Sie ist vom Pech verfolgt, und so fällt sie am Ende einem boshaften Kind und den Intrigen einer korrupten reichen Obrigkeit zum Opfer, die alles dafür tut, um die Haut eines ihrer Mitglieder zu retten. In die Erzählung baut die Autorin auch immer wieder Auszüge aus Akten ein, die die Handlung sogar noch gespenstischer machen. Denn in diesen Akten kann man den Versuch der nachträglichen Rechtfertigung dieses Justizmordes - nichts anderes war es - nachlesen. Ein sehr engagiertes Buch über ein tragisches Frauenschicksal.
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