Joan Sutherland, die Hauptprotargonistin dieser Einspielung, hatte jehrelang mit dieser Rolle gewartet. Immer war sie der Meinung, dass eine Sängerin erst in der Lage wäre diese Partie stilgerecht zu gestalten, wenn sie ein gewisses Alter und einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt hat. Eine weise Entscheidung! Man muss damit leben, dass die Spitzentöne an einstigem Glanz verloren haben und das die großen Arien der Anna in transponierten Fassungen vorgetragen werden, dennoch erlebt Joan Sutherland eloquent und dramatisch wie niemals zuvor. Ähnlich wie die Callas beginnt sie damit, stimmliche Schwächen durch die Darstellung und der profunden identifizierung der Rolle auszugleichen. Nun ja, es gelingt! Sie kann stimmlich nicht an ältere Aufnahmen anknüpfen, da der Zahn der Zeit an ihrer Kehle genagt hat.Ich schätze diese Aufnahme sehr, obgleich tatsächlich einige Abstriche gemacht werden müssen. Um Joan Sutherland erstmalig kennen zu lernen, sollte man zu einer anderen Aufnahme greifen. Die anderen Rollen sind hervorragend besetzt und alle können neben der Grand Dame der Oper bestehen. Allen voran sei Susanne Mentzer erwähnt, die mit ihrem kühlen Sopran ideal besetzt ist. Bonynge bietet ein hitziges und dynamisches Dirigat. Andere Aufnahmen der Oper, wie zum Beispiel die mit Edita Gruberova, hinterlassen einen bleibenden Eindruck und faszinieren. Diese Aufnahme aber hinterlässt wahrhaftigkeit und es bleibt ein bestürzter Hörer zurück.
Empfehlenswert!