Ludwig bezeichnet seinen Comic als Seminarkabarett-Comic - und das ganze ist sicher die originellste Therapieform aus Wien seit Sigmund Freud: Ein Comic in 12 Kapiteln, der zugleich aber eine Art Therapie beinhaltet.
Leser bzw. Leserin werden mit den Mitteln eines Comics therapiert - und erstaunlicherweise klappt das auch noch. Das ist das eigentlich Überraschende dieses Bandes, für den man dem Wiener Professor Ludwig eigentlich einen Freud-Preis für Verdienste um die Paartherapie verleihen sollte.
Ludwig entwickelt eine Formel Erwartung durch Erreichtes und leitet daraus die sexuelle Frustration ab. Das mag arg einfach klingen, aber das ganze geht natürlich noch weiter.
Ludwig stellt uns u.a. das Konzept des sexuellen Fingerabdrucks vor, d.h. des individuellen sexuellen Empfindens jeder Person, welches von vergangenen Erlebnissen und Erziehung bestimmt wird und bei Männern und Frauen verschieden ist.
Daraus resultiert seiner Auffassung nach, dass nach einiger Zeit Paare in ihrem sexuellen Verhalten sich ausschließlich auf die kleine Schnittmenge der Überschneidung ihrer "Fingerabdrücke" begrenzen, welche für beide akzeptabel ist. Das ist für sich genommen ja fast schon eine Theorie der Paarsexualität, die weit über den Stellungsmarathon mancher Sexualratgeber hinausgeht.
Ludwig stellt darüber hinaus die "Quickie"-Träume des Mannes der romantischen "Wein-und-Kerzen"-Vision der Frau gegenüber und er zeigt auf, dass bei Beharren auf der jeweiligen Position die Sexualität in langen Paarbeziehungen zum Erliegen zu kommen droht. Das ganze ist aber weit humorvoller dargestellt, als es hier klingt.
Der fast revolutionärer Ansatz Ludwigs geht aber noch weiter: Er koppelt die Lust vom Sexualleben ab
("Pfeifen Sie darauf, ob Sie Lust haben oder nicht. ... Muss man denn schon vorher Lust auf Sex haben?"), er führt die Annahme ad absurdum, dass Selbstbefriedigung in einer funktionierenden sexuellen Beziehung keinen Platz habe und er schlägt sogar vor, Sex zur Verhandlungssache zu machen (Sex gegen Aufräumen). Natürlich wird auch die Orgasmusproblematik in einem eigenen Kapitel gewürdigt, wobei er ausgerechnet auf die Ideen des amerikanischen Marsexperten John Gray zurück greift.
Fazit: Dieses Buch dürfte selbst dem erfahrenen Beratungslektüreexperten in Bezug auf Paarsexualität einiges Neues mitzuteilen haben. Ludwig ist ein gewiefter Experte der menschlichen Sexualität, aus dem langer Erfahrungshintergrund der Therapie spricht. In Kombination mit dem lockeren, ebenso witzigen wie selbstironischen Stil ist das ein ganz großer Wurf, dem es in keiner Weise schadet, dass er auf allen Kanälen vermarktet wird. Es ist nämlich fast sicher, dass viele Paare von diesem Konzept profitieren würden, gleich auf welchem Weg sie es kennen lernen.