Schon der Titel kommt mir entweder anmaßend, oder sehr antiquiert vor. "Das machen wir doch mit links" suggeriert, als hätten der Autor und seine linke Freunde die Wahrheit gepachtet und wüssten genau, wie eine Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung und der Krise der Finanzmärkte zu steuern, ja sogar umzugestalten wäre.
Das neue Buch von Robert Misik ist eine zugegeben sprachlich fulminante Abrechnung mit dem Neoliberalismus. Es schlägt eine engagierte Schneise für die Bedürfnisse der kleinen und arbeitenden Menschen, vor allem aber für die, die nicht arbeiten (können) und vom Sozialstaat abhängig sind. Misik plädiert für eine Neuerfindung der Linken und schreibt ihnen ins Stammbuch, sie müssten endlich einmal lernen über ihre Werte zu sprechen und nicht nur moralinsaure Predigten zu halten. So weit so gut.
Doch ich füge hinzu: da alle linke Projekte bisher gescheitert sind, auch die von der europäischen und deutschen links-alternativen Bewegung so hochgelobten Versuche von Hugo Chavez et.al. im Chaos von Korruption und machtbesessener Selbstüberschätzung landeten, müsste eine neue Linke erst einmal so etwas wie Vertrauen sich verdienen. Alle Personen jedenfalls, die im deutschsprachigen Raum in der Politik für linke Positionen einstehen, bzw. das behaupten, haben mein Vertrauen nie gehabt bzw. es durch überhebliche, inkompetente oder populistische Positionen schon lange verspielt.
Ja, lieber Robert Misik, die Linke braucht neue Ideen, eine neue Sprache und einen neuen Elan. Aber gleich, bevor noch nicht ein Funke von Vertrauen geschaffen ist, schon wieder ein Programm zur Weltverbesserung vorzulegen, wo doch die letzten immer wieder und zum Teil blutig und desaströs gescheitert sind, ist mit Verlaub anmaßend und zeugt davon, dass sich die Linken eben immer noch für die besseren Menschen halten.
Von dieser hybriden Haltung haben wir nun wirklich genug gehabt im 20. Jahrhundert.