In einem Amphitheater am Rande einer italienischen Stadt lebt die kleine Momo. Sie hat dort ihre Freunde und ist mit ihrem Leben rundum zufrieden. Doch dann wird die Idylle durch die grauen Herren von der Zeitsparkasse jäh gestört. Diese überreden die Menschen, ihre Zeit zu sparen. Die „Herren" verbrauchen diese jedoch für sich selbst und machen die Welt dadurch kalt und grau. Erst mit Hilfe von Meister Hora, dem Verwalter der menschlichen Lebenszeit, kann Momo in dem 1985 nach einem Buch von Michael Ende gedrehten Märchenfilm dem Treiben der Zeitdiebe ein Ende bereiten und den Menschen ihre Muße wiedergeben.
In ihrem Buch „Anleitung zur Langsamkeit" ist Brigitte Röthlein offensichtlich in die Rolle der Momo geschlüpft. „Immer wieder gibt es Leute, die einem die Zeit stehlen, Zeitdiebe also. Die einen tun es ganz bewußt, kleine Kinder etwa, die eben unbedingt wollen, dass Mama oder Papa jetzt und genau jetzt mit ihnen spielen, die anderen handeln viel subtiler. Oft sind das Menschen mit ausgeprägtem Machtgefühl, die einen Bittsteller, Partner oder Mitarbeiter mit Absicht lange warten lassen, um zu demonstrieren, wie überlegen sie sind...", schreibt die Wissenschaftsjournalistin und Autorin mehrerer Sachbücher.
Auf der Basis persönlicher Erfahrungen und Beobachtungen entlarvt die Autorin anhand von Fallbeispielen aber auch jene alltäglichen Zwänge, die viele von uns gänzlich unnötig in die Hektik treiben. Das Szenario an Situationen erstreckt sich vom täglichen Streß in der Arbeit über den vermeintlichen Zwang, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen, bis hin zu den Ritualen der „Lenkradbeißer" und „Revierkämpfer" im Straßenverkehr. Situationen, in denen sich nicht wenige Leser zumindest partiell (der Rezensent macht da keine Ausnahme) wiedererkennen dürften. Für Brigitte Röthlein ist „Zeitdruck" ein „Genußkiller", und so zeigt die Autorin in ihrem 222 Seiten umfassenden Buch auch praktikable Wege auf, wie sich der Zauber des Augenblicks wieder erlangen läßt.
Fazit: All jene, die angeblich nie Zeit haben und in ungesunder Hektik am Leben vorbei hetzen, sollten sich wenigstens die Zeit nehmen, um das Buch zu lesen. Die Investition lohnt sich!