Andreas und Stephan Lebert arbeiten beide u.a. als Journalisten und haben nun eine Anleitung zum Männlichsein geschrieben, die keine ist. Denn - was der Buchtitel vielleicht versprechen könnte - eine detaillierte gesellschaftskritische Auseinandersetzung oder so etwas wie ein Ratgeber des männlichen Verhaltens ist es nur bedingt.
Vielmehr ist dieses Buch ein sehr persönliches Buch. Das ist es auch was es interessant macht. Die Brüder erzählen fast ausschließlich von Begegnungen, Erzählungen und Situationen, in denen Männer, die sie kennen oder kannten oder von denen sie erzählt bekamen, die Protagonisten sind. Beispielsweise der Chefredakteur des "The Guardian", der aus einem Gefühl heraus handelt als er nach dem Selbst-Tod des Nirvana-Sängers Kurt Cobain kurzfristig die ganze Planung für den nächsten Tag umschmeißt. Oder der Chirurg, der seine Familie an Heilig Abend verlässt und einer Bekanntschaft vom Hotelzimmer aus am Telefon seine Liebe gesteht oder ein im brasilianischen Regenwald lebender Mann, der kurzerhand den schwer-erziehbaren Sohn eines Freundes nach Brasilien einlädt und dem Jugendlichen so eine völlig andere Sichtweise auf das Leben schlechthin vermittelt.
Praktisch das ganze Buch ist mit diesen Geschichten durchzogen, aus denen die Autoren ihre Anleitungen ableiten und dem Leser anbieten. Es sind diese Geschichten, die hängen bleiben und bei so viel Auswahl kann sich sicherlich jeder Leser eine oder zwei auswählen, aber die konkret formulierten Anleitungen zum Männlichsein sind m.E. nichts wirklich Neues. Meiner Meinung nach sind es auch Ratschläge, die man ebenso gut Frauen geben könnte.
Was ich sehr empfehlen kann ist das Kapitel über die Beziehung zwischen Vater & Sohn, welches als Vorabdruck in der Wochenzeitung 'die Zeit' erschienen und auch auf deren Webseite verfügbar ist.
Mein Fazit:
Ich finde es kein schlechtes Buch, aber ich hatte mir mehr davon versprochen. Die erwähnten Geschichten sind manchmal recht kurzweilig und ich hatte das Gefühl sie kreisen immer um dieselben Themen: Verantwortung zu übernehmen, Konsequenz, Mut zum eigenen Willen, zur Liebe, sich selbst treu bleiben. Das ist nett verpackt, mehr aber auch nicht. Es wird m.E. auch eine Spur zu persönlich und langweilig, wenn nicht selten geschildert wird, wie die Autoren im Cafe sitzend sich über den künftigen Inhalt des Buches unterhalten und welchen Sinn dabei die Schilderungen des "Stamm-Kellners" haben, bleibt wohl das Geheimnis der beiden Autoren.