Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Die Zeit, 14.11.2002
Als besinnlichen Weltanschauungsessay" bezeichnet Rezensent Richard Herzinger, den vorliegenden Versuch, den Begriff 'Konservativismus' zu rehabilitieren, den Autor Gauland durch verhängnisvolle Koalitionen (u.a. mit den Nationalsozialisten) sowie "inflationären Gebrauch" ausgehöhlt findet. Einigermaßen widerspruchslos nimmt der Rezensent noch Gaulands Rekurs auf das 18. und 19. Jahrhundert auf. Aber schon bald schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Zum Beispiel, wenn er Gauland "im Unmut über den neuen Feind Neoliberalismus" großzügig über historische Unterschiede und politische Realitäten hinwegsehen sieht. Bald treiben die ersten "haarsträubend unsinnigen Behauptungen" Herzinger den Zorn auf die Stirn, bald macht sich Mitleid breit. Es zeigt sich dem Rezensenten, dass diese Analyse auf einem höchst simplen Welterklärungsschema beruht: an "allen denkbaren Übeln" sei die entfesselte Moderne mit ihrem rücksichtslosen Fortschrittsfuror schuld", wird dieses Schema zusammengefasst. "Nazis, Kommunisten oder 'die Amerikaner' sah der Rezensent dabei "je nach Bedarf" als Agenten ein und derselben unheilvollen Kraft auftreten. Auch die Definition des Konservativen fand Herzinger mehr als luftig und bei der Klärung der "weltanschaulichen Fronten von heute" kaum hilfreich, den diese "keimfreie Rekonstuktion" begännen zu bröckeln, sobald man sie auf "ihre Anwendbarkeit auf akute politische Problem" überprüfe.
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
Lange galt der Konservativismus als staubig, spießig, gar als tot. Heute sind Umgangsformen schick, Bildung gilt wieder etwas, Werte erhalten ihre Bedeutung zurück. Denn gerade in Zeiten rasender Veränderungen hilft ein ruhiger Blick, den Kopf und das Eigene nicht zu verlieren. Alexander Gauland zeigt, daß konservativ sein kein Hängen an dem ist, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.
Der Begriff ist verwirrend und scheinbar ohne Charme: In den achtziger Jahren galten die Vertreter der Vetriebenenverbände als Modellkonservative, heute stehen wandlungsunfähige Kommunisten wie etwa Milosevic dafür. Konservativen Wurzeln entstammt aber auch der Aufstand der Attac gegen die Globalisierung. Verlangsamung des Fortschritts, Bewahrung von Traditionen und Lebenswelten und der Schutz des menschlichen Lebens sind konservative Grundüberzeugungen in der modernen Welt. Viele, insbesondere junge Menschen, besinnen sich auf Überliefertes, Erhaltenswertes, kommen zurück auf Formen, Bildung, Werte.