Der Autor folgt dem Prinzip: Je unwichtiger ein Aspekt in Bezug auf das Erlernen des Klarträumens ist, desto mehr Raum gebe ich ihm; je wichtiger etwas ist, desto oberflächlicher und kürzer (bis hin zur Nutzlosigkeit) stelle ich es dar.
Deshalb erfährt man in der ganzen ersten Hälfte traumtheoretische Grundlagen, die für die eigene Traumpraxis kaum relevant sind. Man erfährt das Übliche, dass es verschiedene Schlafphasen gibt und dass Träume am intensivsten alle 90 Minuten in den REM-Phasen vorkommen. Man erfährt auch seitenlang Details aus dem Schlaflabor, zum Beispiel dass die Elektromyographie den Muskeltonus misst und dass die Amerikanische Akademie für Schlafmedizin die Positionen festgelegt hat, an denen Elektroden im Gesicht des Träumers angebracht werden müssen. Das mag man interessant finden, aber da wir zu Hause ohnehin kein Schlaflabor haben, ist es lernpraktisch gesehen von geringer Bedeutung. Man erfährt auch die üblichen Definitionen von Klarträumen und viele Statistiken, die aber auch nicht mehr zeigen, als dass der Autor viel geforscht hat (z. B. 'Prozentuale Schlafanteile von Schlafstadien').
Nachdem so etwa 30 der 60 Seiten gefüllt wurden, soll's dann endlich losgehen: Drei Methoden zum Klartraum werden angedeutet, aber so gut wie gar nicht erklärt. Die wichtigsten Punkte auf dem Weg zum Klarträumen (z. B. ein Traumtagebuch führen, Wake up back to bed, kritische Reflexionstechnik durch Realitätstests) werden in wahlloser Reihenfolge im Anhang erklärt (was soll das denn??). Auch das wird bis zur Nutzlosigkeit verkürzt, zum Beispiel werden nur zwei Realitätstest erklärt (Atmungstest und Lesetest). Vieles wird sehr unglücklich erklärt, zum Beispiel die dogmatische Behauptung, man müsse bei WBTB genau eine Stunde wach sein, was für manche Leute schlicht zu lang ist, weil sie danach nicht mehr einschlafen können.
Was an dem Büchlein insgesamt auffällt, ist der schlechte Aufbau. Die nicht nachvollziehbare Gliederung erschwert das Lernen, weil der Leser die Informationen gedanklich zunächst einmal in eine sinnvolle Reihenfolge bringen muss. Man muss sich also selbst überlegen, was man als ersten, zweiten, dritten usw. Schritt machen muss.
Fazit: Wer die ersten 5-10 Links, die Google zum Thema 'Klartraum' ausspuckt, bereits durchgearbeitet hat, erfährt in dem Buch nichts Neues. Wer wirklich blutiger Anfänger ist und mit dem Buch sozusagen seinen Klartraum-Erstkontakt hat, muss ohnehin nachgoogeln, weil das Buch in den lernpraktisch relevanten Aspekten viel zu oberflächlich und unstrukturiert ist. Wer sich also zum Beispiel mit Realitätstests schon auskennt, braucht das Buch nicht zu lesen, diejenigen, denen Realitätstests neu sind, müssen sie nachgoogeln.
Es gibt im Netz frei zugängliche Lerntipps von interessierten Laien, die sehr viel gründlicher, anschaulicher und überzeugender sind.
Hinweis: Die Rezension 'Spaß am Träumen' stammt von einem Kollegen des Autors.