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Produktinformation
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Borcherts Vorstellung von der moralischen und gesellschaftlichen Verantwortung, die sich mit literarischer Sensibilität verbünden sollte, mag den meisten heute ziemlich anachronistisch erscheinen. Dass sie in der Literatur -- in der deutschen zumal -- eher selten geworden oder, was noch schlimmer ist, als Aufforderung zum hemmungslosen Moralisieren missverstanden wird, ist selbst ein Missstand, den es durchaus literarisch zu hinterfragen lohnte. Natürlich haben sich die Zeiten geändert, und wenn Jonathan Franzen heute von der Einsamkeit des Schreibens spricht, dann ist damit weniger die Entrückung der Literatur vom Leser, sondern eher das Gegenteil, die Entfremdung des Lesers von der Literatur gemeint. Auch Franzen meint, die Literatur werde heute mehr denn je gebraucht -- doch sie wird immer weniger beachtet, weil sie hinter den Spektakeln der Bildmedien verschwindet.
So jedenfalls klagte der amerikanische Autor bereits 1996 in einem viel gerühmten Essay, der das Herzstück dieser Sammlung äußerst lesenswerter Artikel, Aufsätze und Rezensionen bildet. Inzwischen ist Franzen mit seinem zu recht auch in Deutschland gefeierten dritten Roman, Die Korrekturen, ein international bekannter und anerkannter Schriftsteller geworden, und seine Lesungen rund um die Frankfurter Buchmesse 2002 waren sämtlich ausverkauft. Doch auch, wenn Franzen im Vorwort seiner Anleitung zum Einsamsein einige seiner recht verbitterten Thesen der 90er-Jahre relativiert, immer noch behauptet er mit einiger Überzeugungskraft, dass Literatur Aufmerksamkeit nur mit hoher Qualität erringen kann. Statt Anpassung an den Markt der schnellen Sensationen und billigen Effekte fordert Franzen, ähnlich wie sein Kollege (und Freund) David Foster Wallace, die Rückbesinnung der Literatur auf das Literarische selbst: auf die Kraft der Sprache, den Sog der Erzählung und die Macht der Identifikation.
Während Franzen dies in Die Korrekturen eindrucksvoll gelingt, zeigen ihn die Essays in seiner Anleitung zum Einsamsein als ebenso feinfühligen Beobachter persönlicher Schicksale wie scharfsinnigen Kritiker amerikanischer Verhältnisse. Die erstaunliche Spannbreite von Franzens Themen wird dabei nur übertroffen von der Souveränität, mit welcher er diese vor seinen Lesern ausbreitet. Die "erste Lektion, die einem das Leser erteilt," heißt es an einer Stelle, "handelt von der Kunst des Einsamseins". Für diese Kunst hat Jonathan Franzen eine vorzügliche Anleitung geschrieben. --Peter Schneck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Der erste Essay setzt sofort den Maßstab, an dem sich alle folgenden Texte messen lassen müssen - und können! Franzens Thema ist das Streben nach Alleinsein, aber nicht nach Einsamkeit. Der gleichzeitige Wunsch, eins zu sein mit der Welt, beim sicheren Gefühl, anders zu sein: "I want to be the same but different." Und Franzen beschreibt Lesen als Ausweg aus diesem Gefühlsdilemma: "It's a group of two, the faithful writer and the trusting reader. We're different but the same." Dieses Buch ist eine genauso sachliche wie warmherzige Erleuchtung für alle, die dieses Gefühl kennen und die sich deshalb in Büchern wohl fühlen.
Endlich fühle ich mich verstanden und weiß, warum ich mich neben einer in der U-Bahn neben mir telefonierenden Frau unbehaglich fühle. Endlich weiß ich, warum ich nicht für Bekannte oder Freunde arbeiten möchte. Und schließlich fühle ich mich verstanden, wenn mir Fragen wichtiger als Antworten sind.
Und vor allem weiß ich, dass ich nicht alleine bin im Wunsch nach Alleinsein.
Somit in einem Satz zusammen gefasst:
13 Essays aus 7 Jahren, man lernt den Autor genauer kennen, seine kritische Sicht auf das heutige Amerika, illustriert durch interessante Beispiele, und weiß letztendlich was den Einsamen glücklich macht: der Roman.
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