Es war fürwahr kein Leichtes, das mehrfach mit Bestnoten ausgezeichnete und unumstritten erstklassige Erstlingswerk "Generation Golf" zu übertreffen. Das ist Florian Illies auch nicht gelungen. Trotzdem knüpft er mit einer gehörigen Portion Zynismus und dem fast schon penetranten Selbstverständnis, alles andere als Mitglied der ewiggestrigen und schrecklich nervigen Weltverbesserer-Front sein zu wollen, an die Versuche, den Code unseres gesellschaftlichen Miteinanders zu entschlüsseln, an. War der verantwortliche Redakteur des FAS-Feuilletons mit "Generation Golf" gerade deshalb so erfolgreich, weil er den vielen Angehörigen der "Endlosschleife 80er" aus der Seele sprach, sollte er es mit seinem Nachfolger gerade aufgrund der naseweisen Wahrheit werden, die Illies unverblümt aufdeckt und damit vielen aus der Seele spricht. "Anleitung zum Unschuldigsein" ist im Grunde weder "Übungsbuch" noch "Problemzonengymnastik", wie dem Leser seitens des Verlages weisgemacht werden soll. Nach reiflicher Überlegung muss erkannt werden, dass es sich vielmehr um eine gandenlose Abrechnung mit gesellschaftlichen Zwängen, die das Leben in Deutschland seit 1968 begleiten und von den letzten Auswüchsen der ehemaligen K-Gruppen-Funktionäre nach wie vor aufrecht erhalten werden, handelt. Wenn Illies anprangert, dass sich der geistig ausgereifte Deutsche im Ausland (und gemeint ist hiermit nicht der sonnenbadende Hausmeister an der Bar des "Ballermann 6") auf ewig für die Vergangenheit schuldig fühlt, und der Deutsche auf ganz anderer Ebene ständig den vehementen Drang danach verspürt, die ohne Frage menschenverachtenden und nicht zu verdrängenden Verbrechen des Dritten Reiches wieder gut zu machen - etwa damit, dass er als einziger Mitteleuropäer meint, den Müll erst trennen zu müssen, bevor dieser schließlich wieder zu einem Ganzen zusammengefügt wird, dann schreibt er nichts anderes als die Wahrheit! Darüber hinaus hat Illies lange genug in der Studenten-, Akademiker- und - wenn man es so auszudrücken vermag - auch "Schickeria"-Stadt Bonn studiert, um zu wissen, wo der Frosch die Locken hat.