Zu meinen Lieblingsbüchern der Kindheit gehörte Die Welt von A-Z. Stundenlang konnte ich darin blättern oder das farbige Wunderding einfach irgendwo aufklappen und staunen. Im Internetzeitalter haben Menschen, die das Alltägliche nicht lieben, etwas Mühe mit dem Staunen. Dem will Dr. Ankowitsch entgegenhalten. Mit Erfolg, wie die Verkaufszahlen seiner bisherigen Bücher belegen. Gegner seiner Sammelsurien werfen ihm allerdings Systemlosigkeit und einen übersteigerten Drang zum Chaos vor. Doch allzu ernst sollte Ankowitsch das nicht nehmen. Denn würde er versuchen, ein Lexikon zu verfassen, das auch von staatlichen Bildungsräten und akademischen Lehrbuchprüfern das Gut zum Druck erhalten muss, wäre es mit dem Spass vorbei. Was der Autor nicht leisten will, übernehmen dafür Verlag und Klappentexter. Schliesslich wird in Marketingkursen gelernt, das Zielpublikum zu bestimmen und anzusprechen. Das klingt dann so: Der Zweck damals wie heute: Uns die Welt mit all ihren wundersamen Facetten anschaulich zu machen. Es gibt Dinge, die man erst versteht, wenn man sie sieht.
Didaktik hin oder her, im neusten Ankowitschbuch sind die Illustrationen wichtiger als die Worte. Engagiert wurden denn auch vier Profis, von denen glücklicherweise auch jeder verschiedene Stilrichtungen beherrscht, was die Lust am Sehen zusätzlich fördert. Die Auswahl ist gewohnt ankowitschisch, so dass zwar nicht gleich die ganze Welt abgebildet wird, aber immerhin ihr chaotisches Zeichensystem. Das Rätselhafte der Auswahl zeigt sich sogar bei den farbigen Illustrationen, wo ich tatsächlich nicht mitkam, weshalb gerade für diese Illus der teure Druck hinhalten musste. Wer sich in Erinnerung rufen will, wo in Berlin die Mauer stand, wann und wo er die nächste Sonnenfinsternis durch dunkle Gläser reinziehen kann und wo die Eisenbahn breitbeinig oder schmalspurig rollt, greift in Zukunft zu Ankowitsch. Und damit wenigstens der Zugriff halbwegs geordnet möglich ist, gab man sich diesmal mehr Mühe für ein anwenderfreundliches Register.
Mein Fazit: Für Schmökerer, Suchende, Neugierige und Bildungschaoten wieder ein neuer Ankowitsch, der sein Geld wert ist. Kann auf dem stillen Örtchen, im Wartezimmer, neben dem Bett oder auf der Sonnenterasse liegen. Es wird sich bestimmt bald jemand finden, der an dieser Form ausserschulischer Bildung Spass hat. Und für die Redaktoren des Duden-Bildwörterbuches ist es Anschauungsunterricht, wie man Augenmenschen des 21. Jahrhunderts für sich einnehmen kann.