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Anklage Vatermord: Der Fall Philipp Halsmann
 
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Anklage Vatermord: Der Fall Philipp Halsmann [Gebundene Ausgabe]

Martin Pollack
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 328 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag Ges. m.b.H.; Auflage: 3 (29. Juli 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552052062
  • ISBN-13: 978-3552052062
  • Größe und/oder Gewicht: 21,5 x 13,6 x 3,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 209.338 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.at-Redaktion

Eklatant erscheint der Unterschied zwischen Recht und Unrecht immer dann, wenn sich dieses als jenes ausgibt. Ein spektakulärer Justizskandal, gegenüber dem Grisham'sche Gerichtsthriller harmlos wirken, trug sich im Österreich der Zwischenkriegszeit tatsächlich zu. Den düsteren Auftakt macht der gewaltsame Tod des Rigaer Zahnarztes Morduch Halsmann während einer Bergwanderung durch die Zillertaler Alpen im September 1928. Der einzige Begleiter, sein Sohn Philipp, zeigt sich anfangs von einem Bergunfall überzeugt und belastet sich damit selbst schwer, da sich herausstellt, dass das Opfer erschlagen wurde. Ist Philipp Halsmann ein Vatermörder? Kommt ein Dritter als Täter infrage? Der Versuch, den Tathergang zu rekonstruieren, beschäftigt die Juristen und bald auch eine breite Öffentlichkeit, als in Innsbruck ein Aufsehen erregender Indizienprozess beginnt.

Wie blind ist Justitia wirklich? Wichtige Rollen im Halsmann-Prozess spielen offensichtlich Ressentiments gegenüber dem gebildeten Juden, aber auch gegenüber dem "roten Wien", wo in liberalen Medien immer mehr Kritik am Prozessverlauf laut wird. Der Fall entwickelt sich zum Politikum, berühmte Experten melden sich zu Wort. Den im medizinischen Gerichtsgutachten bemühten Ödipuskomplex stellt Sigmund Freud höchstpersönlich als mögliches Tatmotiv infrage. Trotz allen Bedenkens und vieler Ungereimtheiten wird Halsmann nach Aufhebung eines ersten Urteils auf Mord auch im zweiten Prozess verurteilt, diesmal "nur" wegen Totschlags. Erst infolge internationaler Proteste begnadigt ihn 1930 der österreichische Bundespräsident. Philippe Halsman, wie sich der spätere Starfotograf nennen wird, bleibt dennoch rechtskräftig als Vatermörder verurteilt.

Einfühlsam schildert der ehemalige Spiegel-Redakteur Martin Pollack den von ihm genau recherchierten Kriminalfall und lässt dabei weit gehend die Fakten für sich sprechen. Bis zum Schluss bleibt die Fantasie des Lesers so beschäftigt wie die der damaligen Zeitgenossen. Für Nervenkitzel sorgt nicht nur der mysteriöse Mordfall und das anschließende Gerichtsdrama, sondern auch das historische Umfeld, dessen antisemitisch aufgeladene Atmosphäre eingedenk des wenig später folgenden Holocaust besonders verhängnisvoll erscheinen muss. Pollack hat keine fußnotengespickte Dokumentation vorgelegt, sondern bedient sich einer romanhaften Erzählform mit originalen Zitaten und Bilddokumenten. Gerade dies ist freilich die Voraussetzung für eine fesselnde Lektüre und damit auch dafür, den geschichtsträchtigen Fall einem größeren Leserkreis zugänglich zu machen. --Mathis Zojer

Pressestimmen

"Ein merkwürdiges, schönes und rührendes Buch... Mann kann nichts lobenderes über sein Buch sagen, als dass es die Verwicklungen und Wendungen der kriminalistischen, juristischen und politischen Ermittlungen und Weiterungen in einer klaren, schönen, an manchen Stellen ganz leicht und symphatisch süddeutsch gefärbten Sprache ausführlich schildert." Stephan Wackwitz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.02 "Martin Pollack berichtet mit der Genauigkeit eines leidenschaftlichen Historikers und der Vorstellungskraft eines Erzählers." Christoph Ransmayr "Martin Pollack hat den Vatermord-Prozess gegen den berühmten Fotografen Philipp Halsmann neu aufgerollt und ein verstörend aktuelles Buch über die österreichische Justiz der Zwanzigerjahre geschrieben... Herausgekommen ist mit "Anklage Vatermord" nicht nur die packende Chronik eines längst in Vergessenheit geratenen Prozesses sondern ein immer noch aktuelles Sittenbild, das zeigt, wie Richter in politisch aufgeladenen Zeiten zu ihren Urteilen kommen." Florian Klenk, Falter, 15.08.02 "Martin Pollack hat penibel recherchiert und erzählt nüchtern, doch detailreich und dazu äußerst spannend." Brigitte Werneburg, Tagesanzeiger, 10/02 "Dramaturgie und Spannungsbogen sind wie aus einem Hitchcock-Thriller, doch alles ist beklemmend real... Atemberaubend!" Brigitte, 10/02 "Dicht wie eine Reportage von Egon Erwin Kisch, spannend wie ein Roman von Truman Capote, suggestiv wie ein Film von Marcel Ophüls. Ein grandioses Stück dokumentarischer Literatur." Henryk M. Broder, Der Tagesspiegel, 14.10.02 "Pollacks ebenso faktenreiche wie spannende Reportage macht ein Stück Zeitgeschichte plastisch... Pollack gebührt das Verdienst, diesen Justizskandal der Vergessenheit entrissen und in seinen zeitgeschichtlichen Kontext eingebettet zu haben." Sven Boedecker, SonntagsZeitung/ Zürich, 04.08.02

"Minutiös rekonstruiert... Pollack erzählt seinen "Dokumentar-Roman" wie eine Geschichte aus dem Wienerwald, voll grausamer Details und komischer Beigaben."Der Spiegel, 21.10.02 "Man liest dieses Buch fast atemlos durch. Mit Sinn für Spannung, doch ohne jede Effekthascherei schreibt Pollack das Protokoll jener Tage. Der Autor vertraut auf einen elegant objektivierenden Stil und die kühle Sprache der Fülle der Fakten.... Es ist das Verdienst des österreichischen Publizisten Martin Pollack, nach ausgiebigen Recherchen nicht nur den Kriminalfall in seinen Verästelungen und Weiterungen, Irrungen und Wirrungen zusammenfassend dargestellt, sondern zugleich auf ein eminentes Stück österreichischer Zeitgeschichte aufmerksam gemacht zu haben." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 03.04.02 "Anklage Vatermord" wirkt spannender als viele Romane... Pollack erzählt völlig nüchtern und schlicht, ohne Schnörkel, kühne Spekulationen und "J´accuse"- Pathos." Ulrich Weinzierl, Die Welt, 24.08.02 "Der Autor präsentiert einen ausgezeichnet geschriebenen dokumentarischen Roman. Ohne in billige Sensationsmache zu verfallen, schildert er die prekäre Situation des Angeklagten und seiner Angehörigen, er fühlt sich in die Prozessteilnehmer und -beobachter ein, vor allem aber zieht er die ideologischen Frontlinien des Prozesses nach." Michael Freund, Der Standard, 27.07.02 "Pollacks Buch liest sich wie eine dramatische Erzählung, ist aber ein glänzend komponierter Tatsachenbericht... Minuziös, anschaulich, genau zeichnet Pollack die Umstände des Prozesses nach." Claudia Kühner, Tages Anzeiger Zürich, 05.10.02 "Pollack legt eine fesselnde, verstörende Chronik einer Zeit vor, voll von alpinem Antisemitismus, Menschenhass und abstrusen Anschuldigungen... Pollack erzählt den heiklen Casus ohne Ausschmückungen, ohne Tannenduft und pausbäckige Bukolik." Wolfgang Paterno, profil, 29.07.02

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Besser als jeder Thriller 9. August 2002
Von cilli t.
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Justiz und Geschichte sind in Österreich immer noch Minenfelder, auf denen uns unerwartete und unerwünschte Erkenntnisse jederzeit um die Ohren fliegen können.
Mit diesem Gefühl habe ich die Lektüre von "Anklage Vatermord" beendet - nach einem Wochenende, an dem weder Fernseher noch Kino eine Konkurrenz für dieses spannende und hervorragend geschriebene Buch waren.
Es fehlt auch in Österreich nicht an gelehrten Abhandlungen über die Zeitgeschichte; die Justizgeschichte der Zwischenkriegszeit ist dabei allerdings immer noch unterrepräsentiert. Eine "journalistische" Darstellung von historischen Ereignissen ist für historische LaiInnen wie mich aber zugänglicher. Pollack stellt den fast vergessenen Justizskandal in den größeren Zusammenhang der politisch bewegten Zeiten. Die (immens spannende) Geschichte vom Tod des Morduch Halsmann und vom Prozess gegen seinen Sohn wird immer in den Zusammenhang der politischen Kämpfe gestellt, die Österreich damals erschütterten.
Außerdem ist das Buch wegen seiner sachlichen Sprache und wegen seines klaren Aufbaus ein Lehrstück für guten Justizjournalisums. Uneingeschränkte Empfehlung.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mord im Zillertal? 2. Dezember 2002
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Energisch, ungestüm wandert der Vater, mal vorne, mal hinten, sein linkischer Sohn mit ihm. Leute hören sie auf einer Bergwanderung im Zillertal laut disputieren. Da meldet plötzlich der 22jährige Sohn in einer Berghütte, sein Vater sei tödlich verunfallt.Abgestürzte war ein lettischer Jude, Zahnarzt. Sein 22 jähriger Sohn war Student in Leipzig.
Bald kam der Verdacht auf: Vatermord.
Aus dem Drama in den Bergen entwickelte sich bald eine internationale Affäre, Sigmund Freud, Thomas Mann und andere liessen sich dazu verlauten.
Der Sohn wurde zweimal verurteilt; bald begnadigt konnte er in die USA flüchten, wo er eine internationale Karriere begann als Fotograf, seine Vergangenheit liess er ruhen.
Nun hat Martin Pollack, ein ehemaliger Spiegelreporter, diese Geschichte aus der Zwischenkriegszeit ausgegraben. Spannend, mit vielen Zitaten und zeitgenössischen Fotos rollt er das Geschehen auf.
Spannend werden die Personen geschildert, der Vater,aktiv, lebenslustig, immer dem neusten Trend folgend, der Sohn, sehr intelligent, unsicher und arrogant wirkend. Dazu Österreich, hier das konservative Tirol und das grossstädtische, rote Wien. All das prallte zusammen, die ganze Affäre bekam auch noch eine antisemitische Wirkung, in Innsbruck formierten sich die Nationalsozialisten.
Pollack gelingt es, all dies genau zu schildern. Man liest einen Gerichtstriller, lernt dabei aber viel über diese unruhige Zeit im 20. Jahrhundert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Anklage Vatermord 27. Januar 2003
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der alte Rechtsgrundsatz "in dubio pro reo" wurde im Prozess gegen den hochintelligenten, jüdischen Studenten Philipp Halsmann
während der späten zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts unbeachtet beiseite geschoben. Obgleich man dem jungen Mann, der immer wieder seine Unschuld beteuerte , kein wirkliches Tatmotiv nachweisen konnte, wurde er, aufgrund einer höchst fragwürdigen Indizienlage, des Mordes an seinem Vater angeklagt und rechtskräftig verurteilt.
Zum Zeitpunkt des Prozesses herrschte in Innsbruck, wo der Fall verhandelt wurde, bereits ein sehr antijüdisches Klima, das sich in lokalen Presseberichten zur Sache unmissverständlich niederschlug und zu entsprechend unbilliger Vorverurteilung des Angeklagten führte. Gutachter, Staatsanwälte, Richter und die Geschworenen waren in der Folge in ihrem Urteil nicht mehr unparteiisch, wie der von Martin Pollack hervorragend recherchierte Roman zeigt. Der Prozessverlauf dokumentiert sehr deutlich, dass man hier faktisch zwar Philipp Halsmann, in Wirklichkeit jedoch dem so genannten "jüdischen Intellektualismus" den Prozess machen wollte.
Nachdem bedeutende Geistesgrößen, wie etwa Albert Einstein, Sigmund Freud, Erich Fromm, Thomas Mann, Jakob Wassermann und viele andere mehr öffentlich gegen das ergangene Urteil intervenierten, wurde Halsmann seitens des damaligen österreichischen Bundespräsidenten 1930 begnadigt. Das Stigma " Vatermörder" zu sein behielt Halsmann allerdings bis zu seinem Lebensende, da man ihn auch später nicht rehabilitierte.
Rechtskräftig verurteilt, durfte der Begnadigte sein Studium
in Dresden nicht mehr zu Ende führen. Notgedrungen gründete er
in Paris daraufhin eine neue Existenz als Photograph, die ihm in dieser Mode-Metropole rasch großes Ansehen einbrachte. Aber Halsmann musste auch Paris bald wieder verlassen, da nach der Okkupation
der Stadt, seitens der Nazis, der jüdischen Bevölkerung und damit auch Philipp Halsmann bekanntermaßen unsägliches Unheil drohte. Albert Einstein verhalf dem Schwergeprüften, quasi in letzten Minute, zu einem Visum in die USA, wo Halsmann 1979 als wohl einer der erfolgreichsten und berühmtesten Photographen des letzten Jahrhunderts verstarb.
" Anklage Vatermord" ist ein sehr gut geschriebenes, tief bewegendes Buch, das über die Borniertheit von Menschen, über die Fragwürdigkeit von Indizienprozessen und über die Verblendung, selbst geistig ausgebildeter Personen geradezu paradigmatisch Aufschluss gibt.
*im Zweifelsfalle zugunsten des Angeklagten
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