Ja genau: Brauchbar - Schräger Vogel - Mistvieh.. Das war die Frage,
die sich die Amerikaner in den Worten von Robert M.W. Kempner stellten,
als es um den Wiederaufbau in Deutschland nach dem Krieg ging.
Er selber, Ankläger im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, hatte vor
seiner Emigration im Preußischen Innenministerium gearbeitet.
Und hatte ein Dossier geschrieben, nachdem die Nazis als kriminelle
Vereinigung verboten werden müssten und der ' verstorbene Führer', wie
er ihn später immer nannte, eben zu Lebzeiten schon als ' feindlicher Ausländer'
hätte ausgewiesen werden müssen.
Das wurde leider leider leider von anderen Regierungsstellen nicht bearbeitet.
Unter anderem von Brüning.
Kempner, eine Art Patenkind von Robert Koch, mit dem seine Mutter, erste Preußische
Professorin, zusammengearbeitet hat, erzählt sein Leben Jörg Friedrich, dem Autor
von 'Der Brand', das mit dem schönen Satz endet: 'Papier hat einen längeren Atem als
Feuer'. Und Kempner erzählt mit Berliner Mutterwitz.
Wie es in der preußische Verwaltung, in der Justiz, zuging in den Jahren kurz vor
der 'Machtergreifung' der Nazis kann man hier hautnah nacherlesen.
Kempner nennt das übrigens nicht Machtergreifung, sondern eine Art dusslige Machthergebung
von der republikanischen Seite.
Die Alltagswirklichkeit:
'Wenn ein ganz harmloser Mensch in Schöneberg oder Wilmersdorf mal auf drei Nächte zu
Verwandten kam, so meldete das der Portier des Hauses sofort dem Blockwart.( Vielleicht
war er selbst der Blockwart)'.
Später im Nürnberger Prozess, dem International Military Tribunal, IMT, hat er nur in
einem Fall gesehen, dass ein Angeklagter mal weinte. Geweint haben immer nur die Zeugen
und die Opfer.
Wie schwierig es war, den Tätern auf die Schliche zu kommen. Es musste ja alles aus den Akten
bewiesen werden und die Ausflüchte waren immer so, niedrigstes Niveau, Kempner sagt, wie
bei den Ganoven in Moabit, wo er auch schon gearbeitet hatte, als Vertreter von Dr. Frey,
dem berühmtesten Strafverteidiger im damaligen Berlin.
Bei der berüchtigten Wannseekonferenz meinte einer, er wäre zum kritischen Zeitpunkt
als das Protokoll zur Sprache kam, gerade auf der Toilette gewesen..
Nach dem Krieg trifft er auch Carl Schmitt, beauftragt den einen Aufsatz zu schreiben,
warum er angeklagt werden müsse und einen nachdem er nicht angeklagt werden dürfe.
Der zweite Aufsatz war schlechter. Kempner hat Schmitt, der sich ihm gegenüber einen
' intellektuellen Abenteurer' nannte, nach Hause geschickt.
Und der meinte: 'Ich werde in die Sicherheit des Schweigens gehen'.
Albert Speer, nachdem er seine 20 Jahre im Kriegsverbrechergefängnis in Berlin Spandau
abgesessen hatte, 'abgelaufen' müsste man eigentlich sagen, denn er ist buchstäblich im Lauf der Zeit
da eine irre Strecke im Gefängnisgarten gelaufen, also der konnte es sich doch nicht verkneifen,
sich später mehrmals bei Kempner zu melden und ihm sein jeweils neuestes Buch vorbeizubringen..
Nach dem Krieg hat er als Rechtsanwalt schwierige Wiedergutmachungssachen bearbeitet:
'Adenauer war die letzte und höchste Stelle, an die ich mich wenden konnte. Wenn man was brauchte,
war er da, eher als andere. Als ich reinkam, wollte er mich ein bisschen aufziehen:'
Darf ich denn mit Ihnen noch Deutsch sprechen?'
Ich sagte: Weiß nicht , ob Sie berlinisch verstehen.
Am Schluss, zwischen Tür und Angel bemerkte er: ' Ich bin froh, dass die Amerikaner uns das
in Nürnberg abgenommen haben'. Wörtlich. '
Man kann die Fülle des Buches hier nicht mal andeuten.
Wer nur ein Buch über das Dritte Reich lesen will, soll bitte dieses nehmen.