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Ankerzurren: Roman [Taschenbuch]

Rainer Nocht
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 172 Seiten
  • Verlag: Edition Thaleia (Dezember 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3924944954
  • ISBN-13: 978-3924944957
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.506.050 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Veränderungen im eigenen Blickwinkel 28. Februar 2013
Da ist er wieder, dieser Penner aus der Leinemasch, Kai sieht ihn fast täglich. Der Typ wohnt in einem alten Zirkuswagen, bestimmt total heruntergekommen, Hartz 4, ungepflegt, zugemüllt, ewig breit. So zumindest stellt der Banker sich das vor. Für ihn unvorstellbar, so zu leben. In seinem Penthouse mit eigenem Fahrstuhl, Whirrlepool, Blick über Hannover, das ist genau das richtige für Kai.
Doch bei einer seiner Trainingsläufe für den Hannover-Marathon kommt dieser Penner ihm näher, als Kai lieb ist. Mit einem Sprung vom Dach des Zirkuswagens rettet er Kai vor der Beißattacke eines Dobermanns. Ein Sprung, der vieles für Kai verändert, ein Sprung in eine Männerfreundschaft, an die er im Leben nie geglaubt hätte.

Meine Meinung

Das ist wieder so ein Buch, das ich erst einmal zuklappe und für einen Moment in mich gehe, warte, nachdenke, überlege.
Ankerzurren . . . schon der Titel ist irgendwie anders. Jeder von uns hat irgendwo seinen Anker festgemacht, fühlt sich sicher in seinem Hafen, das hoffe ich zumindest. Aber wie schnell kann die Ankerkette reißen, alles verändern, mich ziellos werden lassen.
So ist es hier geschehen: Rolf ist so ein Mensch. Seine Ankerkette war stark, sicher, fest in ihren Gliedern. Bis zu einem tragischen Ereignis, bei dem er seine Frau und einen seiner Söhne verlor. Schnell war der soziale und gesellschaftliche Abstieg vollbracht, vom Studierten bis zum drogen- und tablettenabhängigen Nichtsnutz Aus dieser Talsohle zu entkommen, das schaffen nicht viele.
Ganz anders ist Kai, 20 Jahre jünger als Rolf, mitten im Leben, im Beruf stehend, klare Ziele vor Augen, alle mit Aussicht auf Erfolg. Sein Anker ist fest verzurrt, bewegt sich keinen Millimeter. Nur keinen Blick über den Tellerrand wagen.

Als Kai und Rolf aufeinander treffen, knallen somit zwei Welten aufeinander. Zu Beginn prallen sie voneinander ab. Und doch ist da etwas, was Kai dazu bewegt, näher heran zu treten an das Leben von Rolf. Ein Dankeschön in Form eines Schecks ist eine Option für Kai, keinesfalls aber für Rolf. Ein Einkauf und ein gemeinsamer Kochabend aber ändert das Gesamtbild der beiden so unterschiedlichen Männer.

Rainer Nocht lässt die beiden wunderbare, gesprächreiche Abende verbringen, in denen sich eine besondere Freundschaft entwickelt. Dass die Gespräche nicht immer reibungslos verlaufen, ergibt sich ganz von selbst. So beginnen Fassaden zu bröckeln, Blickwinkel ändern sich, oberflächliches bekommt einen tieferen Sinn. Manchmal eher bissig, oft sehr poetisch, aber niemals kitschig, einfach nur schön.

Unterm Strich

168 Seiten, in denen sich vieles ändert, mich sehr berührt hat und mich daran erinnert, meinen Anker mehr Spielraum zu geben.
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Es ist eine bewegende Geschichte, die recht viele Klischee-Schubladen aufreißt und diese dann durcheinander wirbelt. "Ankerzurren" heißt der Roman von Rainer Nocht, erschienen im Verlag Edition Thaleia. Das Werk räumt nicht auf mit uralten Denkmustern, sondern gibt ihnen eine neue Richtung, eine Chance, die Dinge genauer zu betrachten, um sie mit anderen Augen zu sehen.
Die Klischees: Kai Carmann ist Banker, erfolgreich, lebt in seinem Penthouse mit eigenem Fahrstuhl. Ein Schnösel ' so der erste Gedanke. Banker, da spulen sich bereits die üblichen Bilder im Kopf ab. Unweigerlich denkt man an die Krise, exorbitante Boni, Anzugträger mit selbstgefälligen unsozialen Zügen. Doch ist Kai Carmann solch ein Mensch? Autor Rainer Nocht gibt seinem Protagonisten zunächst ein bisschen von dem mit, was sich Otto-Normal unter einem erfolgreichen Banker vorstellt: Kai Carmann hält den Stadtstreicher Rolf Barenbourgh, den er täglich aus den Fenstern seiner Luxuswohnung beobachtet, nicht nur für einen widerlichen Penner, sondern sogar für einen Schandfleck in seiner so schönen Wohngegend. Barenbourgh lebt in einem Zirkuswagen in einer Gartenkolonie. Das geht gar nicht.
Rainer Nocht zeichnet seine Figuren zu Beginn des Romans sehr einfach und lässt dabei viel Spielraum für die eigene Schubladendenke.

Dann treffen beide Charaktere aufeinander und der Autor modelliert immer mehr Facetten an seine Protagonisten. Der "Penner" Rolf springt zur Hilfe, als Kai von einem Dobermann attackiert wird und setzt mühelos Hund und Halter Schach matt. Kai ist in der Pflicht. Wie bedankt man sich bei einem Mann, der in einem Zirkuswagen lebt. Plötzlich verlässt ihn seine Oberflächlichkeit. Persönlich taucht er in Rolfs Behausung auf und stellt fest, dass seine Vorurteile nicht die Realität abdecken. Rolf ist ein ganz anderer, als Kai vermutet hatte. Ein Mann mit Bildung, ein Mann, der einmal sehr erfolgreich war. Ein Mann, der gelebt hatte.

Langsam entwickelt sich eine tiefe Männerfreundschaft. Kulinarische Genüsse helfen dabei und der Wille Kai's, endlich das Kochen zu lernen. Alles entwickelt sich wunderbar, tiefgründige Gespräche, die den Leser teilhaben lassen, an philosophischen Gedanken und unweigerlich zum nachdenken anregen. Und dann ...

Rainer Nochts "Ankerzurren" ist ein gelungenes Werk über eine Freundschaft über Männer, die tiefgründiger ist, als das gemeinsame Bier zur Bundesliga. Männer können auch anders. Sie können über Gott und die Welt philosophieren und Gefühle zeigen. Es ist aber auch eine Geschichte, die auch ein wenig darauf zeigt, wie sehr berufliche Karriere das Privatleben im Griff hat, Zeit für Freundschaften und Partnerschaften reduziert. Es ist ein Buch, dass kräftig an den eigenen Lebensankern zurrt. Insgesamt ein absolut lesenswerter Roman.
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4.0 von 5 Sternen Ankerzurren 27. Dezember 2010
Eine spannend zu lesende Geschichte, die für mich vor allem von spritzigen Dialogen, dem Hannover-Kolorit, vielen lebensnahen Klischees und den wiederkehrenden Genuss- und Kocheinlagen lebt.

In flotter, humorvoller Sprache schildert Rainer Nocht das dramatische Zusammentreffen des karrierebewussten Enddreißigers Kai Carmann mit dem 20 Jahre älteren "Stadtstreicher" Rolf und die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen den beiden. Der Banker Carmann, der bisher weitgehend nach dem Motto lebte, alles ist möglich, wenn man nur will, überwindet sein anfängliches Misstrauen und Unbehagen dem in einem Zirkuswagen lebenden Rolf gegenüber. Beim gemeinsamen Kochen und Reden in dem am Rande einer Kleingartenkolonie stehenden Zirkuswagen, erhält er mehr und mehr Einblick in Denkweise und Lebensgeschichte des lebenserfahrenen Rolf, und nach und nach lockern sich auch Carmanns eigene Ansichten und sicher geglaubten Verankerungen. Die sonntäglichen Treffen und das Philosophieren über Liebe, Planbarkeit, Alter oder Verlässlichkeit, bei dem sie sich die beiden Männer von Mal zu Mal ähnlicher zu werden scheinen, gehören bald zum festen Ritual. Dann zeigt sich, dass wahrlich nicht alles im Leben planbar ist. Rolf wird als Notfall ins Krankenhaus eingewiesen, und für Kai Carmann eröffnet sich die Möglichkeit, in der Bankzentrale in Frankfurt einen weiteren, großen Schritt nach oben auf der Karriereleiter zu tun. Wie geht es weiter, und wie wirkt sich das Ganze auf die Freundschaft der beiden Männer aus? Lesen Sie selbst, es lohnt sich.

Perspektiv-Wechsel und einige Vergleiche, die der Autor heranzog, schienen mir nicht besonders gelungen. Die oft therapeutisch bzw. kopflastig anmutenden Erklärungen und gegenseitigen Belehrungen der beiden Männer, besonders in der Mitte des Buches, waren mir mitunter zu viel des Guten und minderten die Spannung ("Vorstellungsvermögen ist doch eigentlich nur multiplizierte, bewusst erinnerte Erfahrung, plus Einfühlung in Menschen und Wahrscheinlichkeiten...").

Alles in allem aber habe ich das Buch mit Vergnügen gelesen und quasi nebenbei auch Einiges von Hannover kennen gelernt.

Heide Ullrich
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