Anjaam habe ich mir neben Baazigar und Darr als dritten Bösewicht-Streifen mit Shahrukh Khan zugelegt. Von allen dreien ist Anjaam mein persönlicher Favorit.
Na ja, was heißt Bösewicht. Vijay, würde ich mal sagen, ist ein echter psychiatrischer Fall.
Insofern siedle ich diesen Film auch eher in dem Genre -Psychodrama- an.
Alfred Hitchcock hat auch mit hochneurotisch gestörten Figuren, Meilensteine wie z. B. Psycho und Marni, in der Hollywoodfilmgeschichte geschaffen.
Ob dieser Film ein Meilenstein ist, sei dahingestellt. Einen romantisch beseelten Shahrukh findet man hier vergeblich.
Stattdessen erlebt man einen SRK, der uns eine weitere Facette seines vielseitigen, schauspielerischen Könnens zeigt.
Er spielt hier einen in seiner Persönlichkeit zutiefst gefühlsdeformierte Mann, der in völliger Ich-bezogenheit, Shivani als Liebe seines Lebens auserwählt. Diese versucht am Anfang noch seinen Annährungsversuchen mit Humor und Gelassenheit zu begegnen. Je deutlicher sie ihm jedoch zu verstehen gibt, daß sie kein Interesse an ihm hat, um so mehr verfolgt er sie in Stalkermanier.
Die Situation eskaliert, als Shivani, sie ist inzwischen verheiratet und hat eine kleine Tochter, in einen furchtbaren Streit mit ihrem Mann wegen Vijay gerät.
Bei manchen Szenen geriet ich an eine gewisse Grenze. Als die schwangere Shivani im Frauengefängnis landet und dort sich der Willkür seitens des Gefängnispersonals, als auch anderen Gesetzesbeamten gegenübersieht.
Madhuri ist für mich hier in ihrer stärksten Rolle aller Filme, die ich bisher mit ihr gesehen habe. Absolut glaubwürdig wie sich aus ihrer schlimmen Opferrolle und dem Grausamsten, was man einer Frau und Mutter antun kann, erhebt.
In seinem Kern, wird in diesem Film auf sehr drastische Art und Weise dargestellt, was Frauen zu Opfern in phalokratisch beherrschten Gesellschaftstrukturen macht.
Sehr speziell zu verstehen, ist in diesem Film, wie Shivani mit Hilfe der Durga-Energie zur schrecklichen Rächerin an der Gefängniswärterin und ihren anderen Peinigern wird.
Madhuri Dixit erhält für ihre schauspielerische Leistung meinen persönlichen Oscar.
Die Tanzstücke, sie gehören zu meinen Lieblingsstücken aller BW-Filme, sind absolut gelungen und passen immer wundervoll zu den entsprechenden Szenen. Madhuri Dixit ist zweifellos auch einer der besten Tänzerinnen des indischen Films.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, der völlig abgefahrene Jonny Lever, der mit seiner Tunten- Entourage den humorigen Beitrag im Film leistet. Supergut gespielt, wirkt auch bei der doch sehr düsteren Thematik nicht deplaziert.
Dieser Film ist sehr empfehlenswert für Bollywoodkenner, die Shahrukh Khan in einem anderen Rollentwurf als üblich, erleben wollen. Der Film ist auch deswegen unglaublich spannend, weil das Script nicht die übliche vorhersehbare Liebesgeschichte mit Happyend hat.
Von mir bisher gesehene Filme, in absteigender Folge bewertet.
5 Sterne:
Dil Se, Swades, Kamasutra, Devdas, Veer &Zaara, Chalte Chalte, Indian Love Story, Ram Jaane, DDLJ, Mohabbatein, Taal, Anjaam, Zamana Deewana, Baadshah, Dublicate, DON (1978)
4 Sterne:
Asoka (evtl. 5), K3G, Paheli, Lagaan, KKHH, Main hoon na, Koyla, Chaahat, Ich gehöre Dir meine Liebe, Josh, English Babu Desi Mem, Silsiilay, Rang De Basanti, Dil Hai Hindustani, Salam Namaste, Karan Arjun, Darr, Trimurti, Maya Memsaab, DUS
3 Sterne: Hey Ram, One 2 Ka 4 (evtl. 4), Dil to pagal hai, Yes Boss, Baazigar
2 Sterne: Guddu, Kaal, International Khiladi,
1 Stern: Jism, Dil ka Rishta, Rog, Army
Durchgefallen: Liebe für die Ewigkeit