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Produktinformation
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Das Verblüffende an Anita Augspurg ist ihre enorme Eigenständigkeit und Hellsichtigkeit. So lehnte sie es beispielsweise ab, sich den damaligen Sozialdemokraten anzuschließen, weil sie deren heroische Revolutionsvisionen im Sinne von "der Zweck heiligt die Mittel" nicht teilte. Für sie konnte sich Gerechtigkeit nur durch Vernunft und Verständigung verwirklichen, nicht durch Gewalt. Auch sollte sich die Frauenbewegung nicht durch parteiliche und nationale Interessen vereinnahmen lassen; zu schnell waren viele Frauen bereit, ihr eigenes Anliegen -- Stimmrecht, Zulassung zu den Universitäten, sexuelle Selbstbestimmung, Gleichberechtigung in der Ehe etc. -- als politischen "Nebenwiderspruch" den Bedürfnissen von Männern unterzuordnen. Anita Augspurg starb 1943, 86-jährig, im Schweizer Exil, kurz nach ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann.
Tote alte Feministinnen sind kommerziell nicht gerade ein Brüller, und dem Rowohlt-Verlag gebührt ein großes Lob, Anita Augspurg wieder einer neuen Generation zugänglich gemacht zu haben. Das neue Layout der bewährten rororo-Monographien wertet den Inhalt weiter auf: Die Papierqualität ist besser, das Format weniger länglich, es gibt Farbfotos, dezent farbige Überschriften, auf jeder Seite eine Zeitleiste, Stichwort-Informationen in Marginalien, und das Ganze so unaufdringlich harmonisch, dass es das Prädikat "kunstvoll" verdient. --Stephanie Sellier
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Aber auch ihre politische Weitsicht beeindruckt: wer weiss schon, dass diese beiden Frauen zu den ersten gehoerten, die bereits 1923 wegen Volksverhetzung die sofortige Ausweisung Hitlers aus Bayern forderten? Nach dem Rausschmiss aus Hitler–Deutschland wird nicht nur ihr Besitz konfisziert, sondern – unschaetzbarer Verlust – auch ihr Archiv zur Frauenbewegung vernichtet. Elendiglich und vereinsamt sterben beide 1943, im Abstand weniger Montate, im Schweizer Exil.
Der Ansatz, dass die Frauenfrage eine Rechtsfrage ist, ist genauso aktuell wie heute. Was nicht rechtlich verbrieft ist, kann auch nicht eingefordert werden. Damals wie heute hochbrisant – in Schottland beispielsweise, wo es noch bis vor kurzem ueblich war, dass Frauen in Vergewaltigungsprozessen Kreuzverhoeren durch den Angeklagten ausgesetzt waren! Dieses extrem sexistische und fuer Frauen demuetigende Verfahren ist erst letztes Jahr abgeschafft worden.
Leider gibt es kleinere Maengel, die das Lesevergnuegen beeintraechtigen z.B. einige Unstimmigkeiten in den Lebens- und Sterbensdaten von Augspurg und Heymann. Schade ist auch, dass im Anhang die Studie von Christiane Himmelsbach ueber Lida Gustava Heymann keine Erwaehnung findet. Bereits 1996 erschienen und kostenlos im Internet abrufbar, verknuepft diese Arbeit – weitaus ueberzeugender als Henkes Biographie dies fuer Augspurg vermag – Herkunft und Persoenlichkeit Heymanns mit ihrem aktiven Einsatz fuer die soziale, politische und rechtliche Gleichstellung der Frau. Besonders lesenswert der Einblick in die Frauenbewegung in Hamburg und Heymans Kampf gegen die Prostitution, die unter dem Deckmantel der “Reglementierung” die sexuelle Doppelmoral festschrieb, Freier und Kuppler aber unbehelligt liess (“Verlass ist nur auf unsere eigne Kraft”. Lida Gustava Heymann - Eine Kaempferin fuer die Frauenrechte, Oldenburg 1996). Unbedingt empfohlen zur Ergaenzung der Henke-Biographie!
Es wird Zeit, dass diese beiden Frauen endlich Eingang in unsere Geschichts- und Schulbuecher finden!!
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