Hierzulande ist die Band Shearwater (Sturmtaucher) wohl noch ein echter Geheimtipp. Wie sonst erklärt es sich, dass deren großartiges Album aus dem Jahr 2010 "The golden archipelago" auf Amazon noch ohne Kundenrezension da steht. Es macht also Sinn die Band erst einmal einzuordnen. Obwohl in Austin/Texas beheimatet, klingt deren Musik doch reichlich unamerikanisch. Assoziationen zu den späten "Talk talk" bzw. "Mark Hollis" sind ebenso auszumachen, wie zum sperrigen Art-Pop von "Elbow" oder "Radiohead". Auf Wikipedia werden auch Vergleiche mit "Peter Gabriel" oder "Pink floyd's" "Final cut" gezogen.
Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass "Shearwater" alles andere als massenkompatibel ist. Passend dazu gibt Jonathan Meiburgs Falsetto der Musik von Shearwater eine sehr eigenwillige Melancholie mit, die man gerade aus Texas nicht erwarten würde. Wer sich aber auf genannten musikalischen Breitengraden zu Hause fühlt, der bekommt mit "Animal joy" unter Umständen einen Kandidat für das persönliche Album der Jahres 2012 geliefert. Nachdem die sich als Trilogie zu verstehenden Alben Palo santo, Rook & Golden archipelago allesamt sehr ruhig ausgefallen waren, kündigte Meiburg im Vorfeld der Aufnahmen einen Stilwechsel hin zu einer mehr rock-orientierten Ausrichtung an. Der ist im Großen und Ganzen aber doch moderat ausgefallen. Liebhaber der Vorgängeralben sollten sich nicht abschrecken lassen.
Gleich der Opener und Titeltrack wird auch alle Zweifel verfliegen lassen. Für Shearwater Verhältnisse gerade zu fröhlich macht der Song dem Titel alle Ehre. Am ehesten ist der Richtungswechsel in dem sperrigen "Breaking the yearlings" oder dem kompakten Indie Rocker "Immaculate2 wahrzunehmen. "You as you were" hingegen ist geradezu ein Shearwater-Ohrwurm und würde durchaus einer Single gerecht werden. Die ruhige Intimität der Vorgängeralben findet sich vor allem in dem 6-minüten "Insolence" und in "Run der banner down" wieder und mit "Star of the age" endet das Album mit einer verhalten melancholischen Hymne aus dem Holz einer "Liebe auf den zweiten Blick".
I-Tunes Kunden erhalten mit "I'm so glad" noch einen schönen ruhigen, angefolkten Bonustrack, der im Anschluss an "Star of the age" aber etwas unglücklich platziert ist.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Jonathan Meiburg und seine KollegInnen einen würdigen und zugleich eigenständigen Nachfolger zu den vorherigen Alben geschaffen haben.
Freunde hintersinniger und zugleich Aufmerksamkeit fordernder Musik sollten hier richtig liegen.
Auf Amazon verteilt man hier üblicherweise 5 Sterne. Auf einer Skala von 1-15 würde ich derzeit 13 Punkte vergeben, da auf diesem Terrain mit Alben wie z.B. "Spirit of Eden" von "Talk talk" einfach bislang unerreichte Maßstäbe gesetzt worden sind.
This is not another fanboy review