Seit der Veröffentlichung des Debüts -Gothic Electronic Anthems- im Jahr 2003 umgarnt Gothminister aka Björn Alexander Brem den Hörer mit edlen Hymnen von pechschwarzer Magie: Tiefste Leadstimmen, finstere Wonneschauder und entfesselte Kompositionskraft im exakt getroffenen Scheitelpunkt zwischen Gothic, Industrial-Metal und Electro sind seither zum Gothminister-Markenzeichen geworden. Treibende Sequenzen mit gescheit gesetzten Effektpartikeln locken das Ohr in unmittelbar packende Strophen, denen alsbald die Stakkato-Macht harter Metal-Riffs zur Seite gestellt wird bis schließlich in einem Chorus von Eingängigkeit, Dichte und schwelgenden Chören der Gänsehautschauder den Hörer überwältigt. Mit dieser souverän umgesetzten Rezeptur faszinierte auch das 2005 veröffentlichte zweite Gothminister-Album -Empire Of Dark Salvation-, das zudem durch gesteigerte Produktionsqualität glänzte.
Songs wie -Angel-, -Wish-, -Dark Salvation- oder -Monsters- bleiben Zeiten überdauernde Juwelen der ministerialen Frühphase. Verdammnis, zehrende Leidenschaft, Todessehnsucht, Besessenheit, lockende Sündhaftigkeit nicht ohne einen guten Schuss Selbstironie und Augenzwinkern zirkulieren die Inhalte der Gothminister-Lyrics immer wieder um solch finsteren Pole. Die kongeniale optische Umsetzung der Kunstfigur Gothminister tat ein Weiteres, um das durch die Jahre zu einer Band gewachsene nordische Projekt auf den Bühnen wie auch den Tanzflächen Europas zu etablieren.
Mit dem 2008 veröffentlichten dritten Album -Happiness In Darkness- ein stets wiederkehrendes Motto seiner Kunst öffnete sich Björn Alexander deutlicher als zuvor den Genres Rock, Alternative und Metal. Gesteigertes Handwerk lockerte die zuvor sehr direkt daher kommende Finsternis auf. Für Björn selbst stellte -Happiness In Darkness- damals die Komplettierung einer Trilogie dar: er erwog, das Projekt Gothminister auf diese drei Alben zu limitieren. -Alles, was man tut, basiert auf den Wünschen, die man in sich spürt. Wenn man nicht mehr den Drang fühlt, weiter zu machen, dann sollte man es beenden.-
Seine Worte stellten sich glücklicherweise als makelbehaftete Prophezeiung heraus: Der Gothminister ist zurück! Mit dem aktuellen Album -Anima Inferna- übertrifft er selbst die hoffnungsvollsten Erwartungen.
Voluminöse Metal-Riffs stampfen erbarmungslos nach vorn, breite Bass-Sequenzen doppelnd, Shuffle-Beats tuckern und der Meister hat sein Gesangsspektrum erweitert, gleitet versiert aus tiefsten Oktaven-Verliesen hinauf in höhere Rock-Lagen. Strophen rhythmischen Sprechgesangs werden von faszinierenden Refrain-Ohrenöffnern abgelöst, denen nicht selten ein zweiter, vollkommen neuer Chorus raffiniert gesteigerter Intensität folgt zu überprüfen in solchen Killer-Tracks wie -Stonehenge-, -Liar- oder -Juggernaut-. Atmosphärische Parts von geschickter Reduktion überraschen allenthalben, sind jedoch jederzeit bereit, von neuem brutal los zu poltern.
Die Klangästhetik des neuen Songreigens reicht von dräuender, filmischer Schwere bis hinüber in den Bereich des Black Metal: Überschäumende Dynamik und Energie darüber hinaus Dramatik von zuweilen unglaublicher Kulmination. Und immer wieder wissen sie uns zu bezwingen: diese himmlisch schreienden, aufbrausenden Chöre!
Anima Inferna bedeutet: eine Seele, die in der Hölle geboren wurde. Das klingt nach einem unentrinnbaren Schicksal. Ähnlich unbarmherzig indes springt der Gothminister mit den Hörern um: verdammt er uns doch dazu, ihm zu verfallen. Da mag er noch so inbrünstig bellen: -Fight! Resist!- wir haben schon längst den Kampf aufgegeben, können ihm ohnehin nicht mehr widerstehen. (Myk Jung)