Da wird an der zugegeben hakeligen und von Tippfehlern durchdrungenen Übersetzung gemäkelt,oder bemängelt, das Buch ließe sich nicht einfach lesen. Es ist schließlich auch nicht einfach, mit Grausamkeit umzugehen.- Hat sich das Gros der Leser an aufgespießte Köpfe und mit Foltermalen versehene Menschen gewöhnt? "Das lässt sich dieses Mal ja gar nicht einfach lesen!" - Hier kommt nichts als Sensation daher. Dies ist ein Roman, keine Tages- oder Wochenpresse und am Ende ist die Konstruktion Teil eines jeden geschriebenen Kunstwerks. Liebe- und kunstvoll wird die Geschichte einzelner Menschen in Auszügen erzählt, deren Wege sich unter der Einheit Krieg kreuzen. Das, was nicht erzählt wird, muss nicht erzählt werden. Die Kraft der Bilder lässt es zu, die Geschichten von Anil, Sarath, Gamini, Palipana oder Ananda selbst zu ergänzen. Es gehört zu den Prinzipien buddhistischer Philosophie nicht zu töten und darüber hinaus, nicht zu werten. Darin liegt eine der Stärken dieses Romans, ganz gleich in welcher Tradition er geschrieben sein mag. Stilles Augenmerk liegt auf denen, die heilen, schaffen, schöpfen und lieben ohne den anklagenden Fingerzeig auf die Gegenseite der menschlichen Natur. Wenn ein erwachsener Mann seinem toten Bruder die Wunden verbindet, mag das absurd erscheinen. Aber gerade die Hingabe mit welcher Ondaatjes Protagonisten unermüdlich zu re-konstruieren bemüht sind ist es, die das Vernichtende des Krieges und die Einmaligkeit der Schöpfung so deutlich macht. Die Anklage ergibt sich aus dem Mitgefühl, das die Geschichten evozieren. "Anils Geist" rüttelt den verklärten Touristen schleichend und sehr, aber das Buch verbietet nicht, dieses Land zu lieben, es lehrt, es zu sehen.