"Anidas Prophezeiung", der erste Band von Susanne Gerdoms neuer Trilogie, beginnt wie so viele Fantasyromane. Ida, die jüngste Tochter eines Adligen, hat nicht viel für Haus- und Handarbeit übrig und findet das Schwerttraining ihres Bruders viel spannender. Dann gibt es noch einen Hexenorden, eine mysteriöse Prophezeiung und eine dunkle Bedrohung. Doch, wenn der Fantasyleser es sich dann in seinem Lesesessel gemütlich gemacht hat, und eine vielleicht nicht sonderlich originelle, aber doch interessante Geschichte erwartet, wechselt auf einmal die Perspektive und man findet sich in einer Cyberpunk-Geschichte wieder. Ida, die eigentlich Anida heißt, hat offensichtlich in diesem Teil der Geschichte eine Doppelgängerin, Adina, die sich in einer futuristischen Welt auf der Straße durchschlägt.
Abgesehen von dieser wirklich gut gelungenen Idee, die sich durch einen großen Teil des Buches zieht, sind auch die beiden Hauptpersonen, Anida und Adina, sehr gut getroffen. Erstaunlich auch, wie konsequent die Sprache des Buches sich mit jedem Perspektivwechsel ändert. Ansonsten leidet auch dieser erste Teil einer Trilogie unter den üblichen Schwächen, viele Erzählstränge werden begonnen und Charaktere vorgestellt, aber nur wenig kommt wirklich zur Entfaltung. Das Ende kann nicht wirklich überzeugen, macht aber in jedem Fall Lust auf mehr.
"Anidas Prophezeiung" kommt manchmal etwas bemüht poetisch daher und auch an die plötzlichen Zeitsprünge und Ortswechsel muss man sich erst gewöhnen. Doch dann war das Buch schnell ausgelesen und das Interesse für die nächsten Bände geweckt. Wie gut, dass der zweite Teil ("Die schwarze Zitadelle") bereits im Handel ist und der dritte Teil ("Das Herz der Welt") bereits angekündigt ist.