Der hochangesehene Psychoanalytiker Dr.Hans Hopf legt mit diesem Werk eine außergewöhnlich gelungene, umfassende und praxisnahe Übersicht über Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen vor. Dieses Buch wird für viele Psychotherapeuten, Psychologen oder Psychiater, denen sich betroffene Kinder und Jugendliche mit Angststörungen vorstellen, sicher ein höchst wertvoller Führer werden zum Einordnen, Verstehen aber auch zur Behandlung dieser die Betroffenen oft sehr quälenden Seelenzustände.
Hopf beschreibt insgesamt 23 einzelne Angstformen von der "Namenlosen Angst" des Säuglings über "Psychotische Ängste", "Depressive Angst", die klassische "Kastrationsangst", "Somatisierung von Ängsten" bis zu "Fehlende Realangst". Letztere betrifft vor allem Jungen, die zum Überleben in für sie psychisch nicht erträglichen Lebenszusammenhängen, oft ohne Vater aufwachsend, ihre Ängste direkt verdrängen und verleugnen müssen - mit schwerwiegenden Folgen für ihre Persönlichkeitsentwicklung: sie fühlen sich unabhängig von allen, kennen kein Mitfühlen - sind aber gleichzeitig selbst extrem verletzlich und reagieren auf Frustrationen mit narzisstischer Wut. Für die Pädagogik und für unsere ganze Gesellschaft wird dieses Krankheitsbild immer mehr zu einem schwerwiegenen Problem. Hopf zeigt die Zusammenhänge klar auf.
Im 16.Kapitel "Ängste nach anhaltenden traumatischen Belastungen" führt der Verfasser sich und sein eigenes Schicksal des Kriegs- und Flüchtlingskindes als 'Fall' ein. Er beschreibt seine Kindheits- und Jugendjahre im Krieg, seine schrecklichen Erfahrungen bei der Vertreibung als kleiner Bub, sein Leben im Flüchtlingslager ("Die Verhältnisse in solchen Lagern waren unzumutbar, aber das interessierte damals kaum jemanden..." S.225), die Beschämungen durch die Einheimischen ("Lagerstinker" S.230). Hans Hopf entwickelt daraus schwerwiegende psychopathologische Symptome, die er in einer bewundernswerten Offenheit dem Leser anvertraut, ordnet seine eigenen Symptome aber auch fachlich ein. Aus der schliesslich erhaltenen Hilfe bei einem Psychotherapeuten als junger Mann wird er ein lebenslanges Engagement als Psychoanalytiker und gesellschaftlicher Mahner entwickeln, von dem viele Veröffentlichungen Zeugnis ablegen. Dieses Werk ist fachlich aussergewöhnlich differenziert und persönlich ein Dokument eines schweren Lebensbeginns mit wertvollem Ergebnis als Psychotherapeut und Wissenschaftler für Fachleute und die Gesellschaft.
R.Reber, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, Schwäbisch Hall