Die Angst legt sich auf alles, kaum merklich und wie ein grauer Nebel. Um ihn zu verscheuchen, sollte man sich öfter in Erinnerung rufen, wo Grenzlininen verlaufen zwischen guter und schlechter Angst. Manche haben Angstpakete, die für 1000 Jahre reichen und andere lassen Ängste davonfliegen ins Wolkenkuckucksheim.
Wenn man sich mit Ängsten beschäftigt bzw. liest, welche Formen bei unseren Freunden/Mitmenschen auftreten, wird schnell klar, dass wir alle an den gleichen Problemen leiden. Allein dies ist zunächst erleichternd. Die Autorin greift dieses Element am Anfang heraus und rät zu einem unverkrampften, direkten Anschauen der eigenen Ängste. Sie aufzuschreiben heißt sie anfangen zu erlösen. Ihnen ins Auge zu schauen bedeutet, für Ängste einen ersten Bedeutungsverlust. "Fliehen wir nicht vor der Angst, haben wir keine Angst vor der Angst...Hören wir, was die Angst uns zu sagen hat."
Es geht in diesem Buch nicht darum, Ängste kleinzureden, sondern durch sie hindurchzugehen, sich von ihnen zu entfernen, realistisch zu sehen, sich von ihnen zu befreien. Dazu kann eine Auszeit, ein Gespräch, ein Urlaub dienen - und am besten eine Freund/in, die einem zuhört.
Bettina Stackelberg schlüsselt konkrete Ängste auf und zeigt Lösungsansätze. Z.B. bei "Angst vor Präsentation" mit einer Checkliste, welche Inhalte mehr Sicherheit vermitteln und angstfreie Vorträge ermöglichen. In diesem Sinne werden Kernängste beleuchtet: Angst vor: Klartext und Neinsagen, der Gehaltsverhandlung, dem Feedbackgeben, dem Bewerbungsgespräch, dem Chef, vor Kollegen, vor schwierigen Kunden, vor Ablehnung, vor dem Älterwerden, vor Veränderung, dem Überholtwerden, vor Termindruck & Überforderung, dem Leben, dem Jobverlust, dem Erfolg.
Vor dem Hintergrund größerer Sinnkrisen zeigt die Autorin anhand ihrem eigenen Erlebnis, was in Momenten größter Verunsicherung und Leere zu tun ist. Besonders gut hat mir die Geschichte gefallen, in der man erkennt, dass vieles zu schnell vonstatten ging und die eigene Seele nicht mitging bzw. Zeit braucht, um alles zu aufzuholen. Interessant immer wieder die Frage, die man sich selbst stellen könnte: "Wer bist Du?". Wenn man über die engen Grenzen der Arbeitsdefinition hinausgeht, erkennt man die wahren Stärken, den inneren Kern der eigenen Identität.
Besonders gefallen haben mir die ausgewählten Zitate und Erlebnisse, insbesondere der Rudi-Effekt (auch Männer sollten über Ängste reden)! Vielleicht kann jeder mit diesem Buch einem irischen Segenswunsch mehr entsprechen: "Ich wünsche dir die Fröhlichkeit eines Vogels im Ebereschenbaum am Morgen, die Lebensfreude eines Fohlens auf der Koppel am Mittag und die Gelassenheit eines Schafes auf der Weide am Abend."