Zufällig wurde ich beim Stöbern auf die Gewinner-FilmEdition aufmerksam, die überragendem Filmniveau den roten Teppich ausrollt. Zudem war ich neugierig auf Katja Riemann und Cornelia Froboess in einem Spannungsfilm. Ich wurde nicht entäuscht, dieser Psychothriller ist Nervenkitzel pur und schauspielerisch glänzend besetzt.
Aus heiterem Himmel wird die 50-jährige Krankenschwester Hedi Zoll (Cornelia Froboess) auf Klinik-Parkplatz brutal überwältigt und entführt. Nach sechs Tagen kommt sie überraschend frei und meldet den Überfall der Polizei. Doch die Beamten glauben ihr nicht. Hedi macht auf sie den Eindruck einer verwahrlosten und verwirrten alten Frau, die an Wahnvorstellungen leidet oder sich durch diese Räuberpistole interessant machen will. Zeitgleich wird die zielstrebige und ehrgeizige Kommissarin Kim Osswald (Katja Riemann) in den Dauerdienst strafversetzt. Nachdem ihr Lebensgefährte mit ihr Schluss gemacht hat, lässt sie sich bei einer Festnahme derart provozieren, daß sie einen Zuhälter fast tot prügelt. Doch Kim ist die einzige, die einen Zugang zur verwirrten Hedi findet und ihr nach und nach die Einzelheiten eines unfassbaren Verbrechens entlockt. Den Täter hat Hedi immer nur mit einer Froschmaske gesehen, doch der Ausspruch "Angst hat eine kalte Hand" des Täters führt die heimlich ermittelnde Kim auf eine unglaubliche Spur. Eine Spur, die auf eine menschliche Bestie im Dienst der Kripo weist. So bringt sich Kim nicht nur selbst in Lebensgefahr, sondern hetzt auch den gesamten Polizeiapparat gegen sich auf.
Matti Geschonneck hat bekannte Fernsehgrößen gekonnt in Szene gesetzt, allen voran die Theaterschauspielerin Cornelia Froboess in der Rolle der verzweifelten Krankenschwester, die 1996 für ihre überragende schauspielerische Leistung mit dem Telestar ausgezeichnet wurde. Neben Cornelia Froboess hat mir auch Katja Riemann in der Rolle der forschen Kripo-Beamtin Kim Osswald sehr gut gefallen. Auch sie ist verzweifelt, denn ihr ehrgeiziges Karrierestreben hat ihr soeben das Beziehungs-Aus beschert. Zudem hat sie die Contenance verloren, als sie von einem Zuhälter provoziert wurde. Doch in dieser emotional instabilen Phase ihres Lebens hat sie das nötige Einfühlungsvermögen für die Zwischentöne des menschlichen Miteinanders, was sie im vorliegenden Fall gegen alle Widerstände erfolgreich ermitteln lässt.
In Nebenrollen brillieren Monica Bleibtreu, Peter Sattmann und Udo Samel. Interessant fand ich auch die Täterdarstellung. Ohne grausame Details wird eine vielschichtige Persönlichkeit skizziert, die ein untadeliges bürgerliches Leben führt und durch ein persönliches Schicksal in eine sadistische Schattenwelt abgleitet, der sie hilflos ausgeliefert scheint. Die menschliche Natur mit ihren Schattenseiten, die aus gewöhnlichen Bürgern grausame Verbrecher macht ist es, was uns psychologisch reizt. Der treusorgende Familienvater, der aus Eifersucht seine ganze Familie auslöscht. Der angesehene Chefarzt, der seine Frau schlägt. Der freundliche Nachbar, der sich an Kindern vergeht. Es gibt unzählige Beispiele aus der Realität, die schon oft Grundlage spannender, psychologischer und gesellschaftskritischer Krimiunterhaltung waren. Dabei resultiert die Spannung eher aus der Tatsache, daß man nicht weiß, wem man trauen kann, als aus blutrünstigen Details.
"Angst hat eine kalte Hand" wartet mit einer interessanten Geschichte auf, lebt von der durchweg guten schauspielerischen Leistung seiner Akteure und ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Klare Empfehlung ... und das nicht nur für Tatort-Fans!