Wer sich wirklich liebt, der neckt sich! Wer sich irgendwann nur noch neckt, hatte sich vielleicht auch einmal geliebt - die Frage ist dann nur: Was ist Davon dann noch übrig geblieben? Diese Frage dürfte sich der trinkende, durchschnittliche Universitäts-Professor und Historiker “George”, gespielt von Richard Burton, an diesem einen Abend, an dem dieser Schwarz-Weiss-Filmklassiker von 1966 spielt, wohl fragen. Seine nicht minder trinkende, gehässige, qualmende und ihn anschreiende Ehefrau “Martha” begegnet Ihrem Mann mit jahrelang in sich angestauten Vorwürfen und Kritiken, in Form von gemeinen Demütigungen, die aufgrund des hohen Alkohol-Konsums zu primitiven und argumetativ, schlechteren Hasspredigen verkümmern, die aber ihrer enorm zerstörbaren Funktion sehr wohl gerecht werden. Richard Burton wird von Liz Taylor unvorstellbar hart herangenommen und vor deren an diesem Abend, geladenen Gästen wahnsinnig gedemütigt - ein Versager sei Ihr Mann George, keifft Sie. Trotzallem verspürt man als Zuschauer dennoch die wahre, tiefe Liebe und ein dennoch starkes Zusammenhalten der Beiden in Form von anderen kleinen Gesten, die die beiden exzellenten Schauspieler hier darbieten. Das berühmtberüchtige, wirkliche Schauspielerpaar spielt hier vielleicht zu 90% ihr eigenes, privates, authentisches Drama und daher ist der Film auch so wundersam fantastisch und genial - die perfekte Besetzung also. Die Sprüche, Dialoge und Ehelebensweisheiten in diesem Film sind von hoher, inhaltlicher Qualität und schlichtweg genial. Richard Burton entpuppt sich vom spießigen Uni-Dozenten zu einem, die ganze Nacht hindurchtrinkenden, gescheiterten Ehemann, der aber keinesfalls seinen Lebenswitz verloren hat. Er versteht es mit seinem zwar gehäßigen, aber starken und intellektuellen Humor seine Mitmenschen plötzlich ganz schön entblößt und verunsichert dastehen zu lassen. Ein bravoröser Zyniker. Er ist es, der noch in der tiefen Nacht bzw. am frühen Morgen auf einmal noch richtig durchstarten will, sowohl was seinen Intellekt als auch den Rausch betrifft, wo die anderen schon totmüde sind und ihn seit Stunden mißbilligt und ausgelacht haben. Martha, die am Anfang des Abends noch souverän und hart Ihren Mann zurechtweisst, entblättert zu einer gebrochenen, unzufriedenen und traurigen Frau. Nach einer Geschichte des US-Dramatikers Edward Albee wurde das Drehbuch zu diesem Film von Ernest Lehmann adaptiert und Mike Nichols (“Die Reifeprüfung”, “Ein seltsames Paar” etc.) zeigt hier sein fabelhaftes Regie-Debut und durfte sich an einen Stoff heranmachen, der auch von Tennessee Williams hätte sein können. Das sind eben noch die Filmklassiker aus den Sechzigern, die in mehr als 2 Stunden Spielzeit noch vom wirklichen Leben erzählen, die wie ein phänomenales Theaterstück inszeniert wurden und die genauso wichtig sind wie gute Literatur. Der Film wurde mit 5 Oscars ausgezeichnet (u.a. Elizabeth Taylor und die junge Sandy Dennis als beste Nebendarstellerin). Richard Burton ging leider leer aus, er hätte hier auch ganz klar ein Oscar verdient gehabt. Ich liebe diesen Film, so wie “Die Katze auf dem heißen Blechdach” und “Rat mal wer zum Essen kommt?”. Endlich erscheint er auf DVD! Für das eigene Wohnzimmerregal für immer verfügbar! Und diese DVD-Edition bringt auch noch eine DVD mit Extras mit sich - und das bei einem so alten Film, besser geht es fast nicht.