Das war, so lesen wir auch in diesem Buch, ein Lebensmotto von Nietzsche, das er sich wegen seiner eigenen schrecklichen Ängste gegeben hatte. Nietzsche hatte wohl erkannt, dass jedes Streben nach Sicherheit die eigenen Ängste erst richtig zur Geltung bringt. Denn wenn man sich auf seine Ängste konzentriert und sie zu bekämpfen versucht, werden sie umso größer.
Das ist eine der wesentlichen Botschaften der in diesem Buch zusammengestellten Texte. Gurus wie Osho schreiben gewöhnlich keine Bücher, sondern halten aus dem Stehgreif Reden an ihre Jünger oder beantworten deren Fragen. Die hier abgedruckten Texte sind dementsprechend zu Papier gebrachte Mitschnitte solcher Auftritte.
Man kann von Osho halten was man will - seine Ratschläge, wie man mit den eigenen Ängsten umgehen sollte, sind so radikal wie weise und entsprechen den Lehren Buddhas. Im Grunde laufen sie darauf hinaus, Ängste anzunehmen und nicht zu unterdrücken oder gar zu bekämpfen. Wir sollten lernen, unsere Ängste zu verstehen und zu begreifen, dass sie stets im Kontext eines Begehrens entstehen, meint Osho.
Sicherheit und Beständigkeit seien mit dem Wesen des Daseins unvereinbar. Wer also danach strebe, nehme sich schrittweise selbst das Leben. Gerade das Ungewisse mache das Leben schließlich erst interessant. Man kann folglich nicht am Leben wirklich teilhaben, wenn man sich seinem Wesen entziehen möchte.
In einem relativ langen Abschnitt befasst sich Osho dann mit der Mutter aller Ängste, der Angst vor dem Tod. Diese Angst würde verschwinden, wenn man sich tatsächlich auf das Leben einließe. Dann nämlich würde auch Vertrauen zum Dasein entstehen, das sich schützend ausbreitet.
Im Letzten Drittel des Buches widmet sich Osho der Angst vor anderen Menschen und der Angst vor Beziehungen. Sie würde nur entstehen, weil wir uns selbst nicht lieben würden. Wir hätten Angst davor, dass andere Menschen unsere Schwächen entdecken könnten. Nur wenn wir einen liebevollen Zugang zu uns selbst finden würden, wären wir auch fähiger, diese Liebe auf andere auszudehnen.
Dem Buch ist eine CD beigefügt, die eine einfache, aber sehr schöne geführte Meditation enthält, deren Bildersprache sich auch hervorragend für eine eigene stille buddhistische Meditation eignet.
Fazit.
Die Texte in diesem Buch enthalten für viele Menschen sicherlich radikal erscheinende Wahrheiten über die grundsätzlichen Ängste, die jeder Mensch mehr oder weniger in sich trägt, ob er das nun zugibt oder nicht. Der Autor lehrt die buddhistische Herangehensweise, die darin besteht, diese Ängste anzunehmen und sich ihnen zu stellen. Der Text enthält ebenso in einigen Passagen Andeutungen über Oshos früher recht umstrittene Ansichten zur Liebe, zur Ehe und zu Religionen, die jedoch seine Ausführungen zum Thema dieses Buches nicht wirklich berühren.