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Produktinformation
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Bemühen sich die meisten Zeitungs- und Meinungsmacher des Abendlandes, Lesern und sich selbst vorzumachen, es gehe um Fakten und Objektivität, so flüchtete Dr. Thompson frontal nach vorne. Mit quietschenden Reifen ließ er verbrennenden Gummi hinter sich, mit V8 Zylindern und über 300 PS verschluckte er, was er auf dem Weg vorfand.
Damit erfand er das, wovon man heute schwärmt: den Gonzo-Journalismus, eine Schreibe, bei der der Journalist zum Schriftsteller wird, bei der sich Fakt und Fiktion, Wahn und Vorstellung vermischen, bei der Hotelgäste zu Köpfe verschlingenden Ungeheuern werden. Sein Motto "When the going gets weird, the weird turn pro" ist dabei das einzige, worauf man sich stützen kann, der Felsen in der Brandung. Thompson wischt die Manieren des vergleichsweise zivilisierten Tom Wolfe, die dramatisierte Wirklichkeit von Truman Capote, er wischt Zaudern, Zögern und Zweifel vom Tisch, holt kurzerhand die Knarre raus, kidnappt den von Wolfe salonfähig gemachten New Journalism, zieht ihn bis auf die Unterhosen aus -- und entführt ihn in neue Galaxien.
Dann schaltet er in den nächsten Gang, läßt die U/min gen 6000 drehen. Einen Absatz weiter gibt es Notizen, Memos von seinem Desk. Fear and Loathing in Las Vegas. Erstveröffentlichung mit Zeichnungen Ralph Steadmans in Rolling Stone (Ausgabe 95, 11.11.71). Im September 1977 die deutsche Übersetzung von Sounds-Redakteur Teja Schwaner. Tja... vor einem Vierteljahrhundert, der Hangover nach dem Summer of Love wirkt noch nach, Bob Dylan stellt ernüchtert fest, es sei in der Dekade um nicht mehr gegangen als Kleidung, an Vietnam glaubt niemand mehr, Gonzos liebster Feind Nixon ist noch am Drücker, und bei 'Watergate' denkt man höchstens an einen Büro- und Hotelgebäudekomplex in Washington D.C. Und?
Und was findet Thompson, der 'Godfather of Gonzo', auf seiner Suche? Statt durch malerische Canyons wie in Easy Rider watet er durch blutüberströmte Hotel-Lobbys voller Reptilien... Der Trip ist nicht nett. Statt Bewußtseinserweiterungen offenbart sich während Gonzos Höllenfahrt das wahre Antlitz Amerikas: eine vor Gier und Narzißmus schlabbernde, fette Grimasse. Der Amerikanische Alptraum? Nein, häßlicher, viel häßlicher. Und paranoider.
"Ich habe Leser immer ermutigt", erinnerte sich Thompson vor fünf Jahren in einem Rückblick in Rolling Stone, "sich meinem Werk von außen nach innen zu nähern und es zu treffen (wie in einem Zoom-Objektiv oder einer Neonreklame wie dem freundlichen 'Welcome' am Fuße des Hügels zum Bates Motel...)." Ob von außen nach innen, im Buch oder auf CD, die Armee an Personal, auf die man in Fear and Loathing trifft, all die Extras zwischen Beverly Hills und dem Circus-Circus Casino in Las Vegas, dem Autoverleih in L.A. und den Lobbys diverser Hotels, die Hyänen und Aasgeier in Lifts und Taco-Imbissen, sie alle laden mit ihren Träumen und individuellen Akzenten und Dialekten geradezu ein, das Ding zu verfilmen, und zwar als den ultimativen Road-Movie.
Alter ego Raoul Duke hinterläßt in Hotels mehrstellige Rechnungen für room-service, und Gonzo rechnet ab; mit den nach Indien pilgernden Hippies, mit den Acid-Freaks, die glaubten, Frieden und Verständnis mit Drogen, "three bucks a hit", kaufen zu können, mit Amerika sowieso.
Alleine die Tantiemen für Fear and Loathing müßten den Mann glücklich machen; kaum ein Jahr vergeht, ohne daß Auszüge des 'Kult-Klassikers' in Anthologien erscheinen. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, daß ihn das wenig interessiert, ja, daß er sich einen Dreck darum schert, denn Rückspiegel hatte sein V8 vermutlich nicht. Scheibenwischer leider auch nicht, denn der journalistische wie literarische Ausstoß Thompsons, mittlerweile dem sechzigsten Lebensjahr näher als dem fünfzigsten, war während der letzten -- 25? -- Jahre oft ernüchternd. Patentierte Gonzo-Phrasen und Macho-Posen der Frühwerke klappern durch Memo- und Briefesammlungen.
Trotzdem, was bleibt, ist die Weisheit, die Vision und der präzise abgefeuerte Humor von Fear and Loathing... Der Mann, der, wenn er keinen Stoff vorfand, über den zu schreiben es sich lohnte, eben über sich selbst schrieb, ißt die Gonzo-Nachahmer aus den Kultur-, Pop- und Gefühls-Ressorts der Szenemagazine und Stadtzeitungen immer noch zum Frühstück. Der Unterschied zu den Dortmundern, die sich und ihren Opel zu Protagonisten ihrer Ergüsse machen, und Gonzo bleibt, daß Thompson über ein Jahr lang mit und unter Hell's Angels lebte, bevor er darüber schrieb, daß er sein Handwerk als Kolumnist in Florida, Korrespondent in San Juan und Rio de Janeiro lernte -- kurz: daß er gelebt hat und Sachen gemacht und gesehen hat, die die Sinne schärfen, bevor er sich auf seine radikale Schreibe spezialisierte. Und noch ein Unterschied: So eitel die Herangehensweise in der Theorie klingt, so nüchtern, vermutlich geradezu militaristisch diszipliniert hat er sie ausgeführt.
"Das ist noch etwas, das ihn von seinen eher blassen Nachahmern unterscheidet", meinte jüngst Will Self, enfant terrible der Londoner Kaffeehaus- und Kolumnisten-Szene. "Sein Werk gehorcht einer eigenen Moral, es ist eine Art persönliche Hygiene, es ist ehrlich, sich selbst gegenüber integer."
Die Legende lebt weiter, dafür sorgen schon die zig Millionen Anekdoten über Dr. Hunter S. Thompson (an dessen Name vermutlich nur das Initial der tatsächlichen Wahrheit entspricht), die Stories von den Plazebos, die er in sich hineinlöffelt, während er anderen Brechmittel reicht -- und beides als Speed ausgibt. Alleine 1993 erschienen drei Biografien über Hunter S. Thompson und sein sagenumwobenes Leben. Alle drei nicht autorisiert, alle drei voller Stories über Wahnsinn und Exzess, über ausflippende Nachbarn, Orgien und Stippvisiten der Polizei zu jeder noch so unmöglichen Stunde.
"Ich bin nur das Medium", fuhr Thompson in seinem Rückblick vor fünf Jahren fort, "der Kanal, ein menschlicher Blitzableiter für all die rauchenden, obdachlosen Visionen und die fürchterlichen Acid-Flashbacks einer ganzen Generation -- die wertvoll sind, wenn auch nur als lebende, wilde Monumente eines Traums, der uns alle verfolgt." Ein Sargdeckel, wie der, mit dem Fear and Loathing die 60er abschließt, fehlt den 80ern bis heute. --Matthias Penzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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44 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Besser, man kennt die 60er Jahre,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Angst und Schrecken in Las Vegas (Taschenbuch)
Erst dachte ich (wie meine Schüler, die sich das Buch aussuchten) es gehe nur um Drogen. Deshalb, vermute ich, haben sie sich dafür entschieden. Nach dem ersten Lesen fielen mir die vielen Querverweise und Anspielungen auf die Geschichte (Vietnam, die Protestbewegung) auf, die mich veranlassten, in diversen Quellen diesen Verweisen auf den Grund zu gehen. Ich glaube, nur mit der Kenntnis dieser Hintergründe erschließt sich das Buch so richtig. Auch wenn die Darstellung der Drogenexzesse irgendwie fesselt, dieses Buch ist viel mehr als ein Drogenbuch. Es ist die Abrechnung mit einer dunkel erscheinenden Phase der Geschichte der Vereinigten Staaten, die man vielleicht auch nur noch im Drogenrausch ertragen kann.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es waren einmal ein Journalist und ein Anwalt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Angst und Schrecken in Las Vegas: Eine wilde Reise in das Herz des Amerikanischen Traumes (Taschenbuch)
Thompsons Alter Ego Raoul Duke und sein Freund und Anwalt Dr. Gonzo sind in Las Vegas unterwegs um den "American way of life" zu finden. Ganz nebenbei soll Duke als Sportjournalist über das bekannte Wüstenrennen Mint 400 berichten. Im Gepäck der beiden befinden sich in großen Mengen die verschiedensten harten und weniger harten Drogen, so dass der Job nebensächlich und die Reise ein einziger Drogentrip wird. Beide ergänzen sich perfekt, mal ist der eine, mal der andere völlig zu, aber die meisten Situationen werden gemeistert, weil immer einer von beiden wenigstens halbwegs klar ist. Und so erlebt man in diesem äußerst unterhaltsamen, aber auch kritischen Buch, wie die beiden unter falschen Namen in Hotels einchecken, an einem Bundeskongress der Bezirksstaatsanwälte zum Thema Drogen (!) teilnehmen, uns eine Lektion zur Psychologie des Umgangs mit einem Highway-Polizisten erteilen, ein Mädchen aus religiösen Hause völlig aus der Bahn werfen, wie herunter gekommen und verwüstet Hotelzimmer sein können und noch Unzähliges mehr. Wenn man sich von der expliziten Beschreibung eines Drogenrausches nicht abhalten lässt, dann wird man "Angst und Schrecken in Las Vegas" in kürzester Zeit weg lesen!!Klingt natürlich alles ganz klasse, aber es ist wirklich schwer eine umfassende Inhaltsangabe wiederzugeben, zu viel passiert hier. So ist es für mich auch recht verwunderlich, dass ich immer wieder lese "Angst und Schrecken" sei ein Drogenbuch. Ich würde viel eher behaupten, dass es ein Anti-Drogenbuch ist, denn der Titel ist hier ja Programm. Duke hat ständig Angst. Angst, dass der Hotelmanager den Betrug aufdeckt, Angst, dass sie durch das eben erwähnte Mädchen im Gefängnis landen, Angst, dass der Tramper, gleich zu Beginn des Buches, sie verrät. Er hat mehr Angst als Spaß auf dieser Reise. Zumindest scheint es so. Liest man also intensiv erkennt man schnell, dass es, neben den definitiv sehr lustigen Momenten, ein sehr kritisches Buch ist. Es rechnet mit dem sogenannten "American Way of Life" und den Hippies bzw. deren Naivität ab. Oftmals erzählt Raoul Duke von den 60ern, von der großen LSD-Welle in San Francisco und man merkt, dass er mit seinem Drogenkonsum wohl nur der ekligen Realität der 70er entfliehen will. Es ist schwer, ich wiederhole mich, alles an diesem Buch wiederzugeben, lesen Sie es. Es ist ein etwas anderes Zeitzeugnis mit vielen Hinweisen auf reale Personen und Begebenheiten. Es ist ein kritisches Buch, über Politik und Vietnam. Es ist auch ein amüsantes Buch über zwei Männer, die, mal halbwegs, mal völlig zugedröhnt, in völlig absurde Situationen geraten. Es ist aber auf jeden Fall ein lesenswertes Buch. Und sollte es jemand noch nicht wissen: Es ist auch ein Buch, das von Terry Gilliam kongenial verfilmt wurde. Als Euer Anwalt rate ich Euch dieses Buch zu lesen!! ;-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Paranoia,
Rezension bezieht sich auf: Angst und Schrecken in Las Vegas (Taschenbuch)
Wer dieses Buch nur als eine Anleitung für wilde Drogenexesse sieht, sollte es gleich wieder weglegen. Am faszinierensten sind die Hirngespinste des Raoul Duke, die den Leser das ganze Buch über begleiten. Er sieht sich selbst als eine Figur, die ständig auf der Flucht ist. Der Leser nimmt ständig an Ereignissen teil, die nie stattgefunden haben z.B. glaubt Mr. Duke ständig von Polizisten oder der Kreditkartengesellschaft verfolgt zu sein oder die halbe Stadt wäre auf der Suche nach seinem roten Hai. Man nimmt an Dialogen teil, die nie stattgefunden haben - er aber durch den Ablauf in seinem Hirn wirklich an diese Dialoge glaubt. Am Höhepunkt seiner Paranoia sieht er sich im Staatsgefängnis von Nevada - Carson City. Als er dann noch den Auftrag bekommt, über eine Drogenkonferenz zu berichten, begibt sich der selbst ernannte Vertreter der Drogenkultur in die Höhle des Löwen... Sehr lobenswert ist, dass sich die Handlung verglichen mit dem Film unterscheidet. Liest man das Buch nachdem man den Film gesehen hat, werden nicht nur fehlende Details ergänzt, man ist auch noch über die vielen kleinen Abweichungen überrascht und von dem Buch, was in keinem Falle eine Ergänzung zum Film ist, begeistert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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