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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Welt in der digitalen Dimension,
Von
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Es ist immer leicht und naheliegend, einem Bestseller aus dem Thriller-Genre, in dem rätselhafte Überfälle, brutale Morde und spektakuläre Explosionen geschildert werden, zu wenig Tiefgang vorzuwerfen. In diesem Fall liegt man daneben. Denn wer sich auf Harris' intelligenten und fesselnden Roman einlässt, findet genügend Stoff darin, der zum nachdenken (und fürchten) anregt.'Angst' wurde mancherorts als Roman zur gegenwärtigen globalen Finanzkrise bezeichnet. In Wahrheit ist es viel mehr: zuerst nämlich ein Buch über das Wesen des Menschen. Harris zeigt - in verschiedenen Variationen - menschliches Verhalten im Angstzustand. Er zeigt die Überheblichkeit und Realitätsferne von Händlern auf dem Finanzmarkt. Er zeigt, was passiert, wenn hoch entwickelte Wissenschaft auf die Aussicht auf Geld - auf viel Geld! - trifft. Es ist auch ein Buch über die Unkontrollierbarkeit digitaler Daten: "Wohin wir Menschen auch gehen oder fahren, was wir kaufen, welche Website wir anklicken, wir hinterlassen eine digitale Spur wie eine Schnecke ihre Schleimspur. Und Computer können diese Daten lesen, durchsuchen, analysieren und schließlich auf verschiedene Arten verwerten, die wir uns heute noch nicht einmal ansatzweise vorstellen können", heißt es an einer Stelle. Robert Harris' Thriller ist die Utopie - oder Dystopie, das ist Ansichtssache - einer Welt, die von einer künstlichen Intelligenz in Form von gebündelten Daten regiert wird, von unsichtbaren, virtuellen Algorithmen. Die Figuren sind psychologisch vielschichtig dargestellt und als Ensemble stimmig und glaubwürdig. Allen voran natürlich der 'Held' des Romans: der geniale Mathematiker und Einzelgänger Alex Hoffmann, der am Ende für die anderen Beteiligten als psychotisch und schizophren gilt. Ist jeder, der irgendwie nicht normal und durchschaubar erscheint, gleich irre? Auch darüber lässt Harris uns nachdenken. Nicht zuletzt die Charaktere und ihre Lebensläufe und Beziehungen machen den Roman so lesenswert. Ratsam ist es übrigens, hin und wieder Wikipedia zurate zu ziehen. Was ein Hedgefonds ist, wird zwar in einem tollen Dialog im Buch erklärt. An einigen anderen Stellen aber kann man dem Fachjargon nicht ganz folgen - vielleicht ist das aber auch Harris' Absicht. Zumindest schadet es dem Lesegenuss nur wenig. Einen Stern Abzug gibt es allein für die sich manchmal zu sehr überschlagenden Ereignisse, die dem Leser kaum die Zeit geben, die er vielleicht braucht, um zu verstehen. Und für eine Prise zu viel Action, die Harris möglicherweise schon mit dem Gedanken an eine groß angelegte Verfilmung eingearbeitet hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
68 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Spannend, seicht, mit handwerklichen Fehlern und ohne Bezug zur Finanzkrise,
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mehr erwartet: Nach den vollmundigen Rezensionen in Zeitung und Radio habe ich damit gerechnet, dass ein Teil unserer aktuellen Euro-Krise aufgearbeitet oder zumindest eingearbeitet wird. Zwei mal nimmt Harris Bezug auf Griechenland - zwei mal ist der Bezug künstlich und für die durchaus spannend erzählte Geschichte keinesfalls erforderlich.Das Buch ist weder sonderlich gut geschrieben, noch ist die Story neu: Ein genialer, aber sozial verarmter Wissenschaftler erfindet einen Algorithmus, der sich im Netz verselbständigt und unkontrollierbar wird. Eine Mischung aus Orwells 1984 und Stolls Kuckucksei, nur das beide wesentlich besser geschrieben waren. Einzig der voll automatisierte Handel sollte uns aufhorchen lassen - ein Punkt für Harris. Von der Story bin ich enttäuscht. Sie enthält einige handwerkliche Fehler (da steht der Dow mal bei 260, und auf der nächsten Seite fällt er um 300 Punkte), zudem hat sich der Autor bei seinen Recherchen an einigen Stellen auch schlecht beraten lassen. Ohne zuviel verraten zu wollen: Die Art Fußböden, die am Ende eine große Rolle spielen, wird es in der Realität niemals in einem solchen Gebäude geben... Den Bezug zur Gegenwart und unserer Krise nutzt Harris geschickt für sich aus. Für meine Begriffe ist das aber vor allem ein Marketing-Trick: Wer wie ich darauf gehofft hat, einen Krimi mit wirklich aktuellem Bezug zur Krise zu lesen, wird enttäuscht. Es ist und bleibt eben ein Harris: Seicht - aber durchaus spannend und ohne Längen. Ich hatte "Angst" nach wenigen Stunden durch und habe während dieser Zeit kaum meine Umwelt wahrgenommen. Das ist ein gutes Zeichen, und nur deswegen bekommt Harris auch noch einen dritten Stern. Die Sprache der Finanzwelt muss man vorher nicht kennen. Harris ist ja auch nicht, wie in einer anderen Rezension angemerkt, angetreten, um uns den Börsenhandel zu erklären. An der Erfolg von Vaterland konnte bisher kein Harris-Roman anknüpfen - Angst kann das auch nicht und bleibt sogar noch hinter Pompeji zurück. Fazit: Wer keinen Bezug zur Finanzkrise erwartet, wird in diesem Buch einige Stunden Zerstreuung ohne Tiefgang finden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Mensch als Auslaufmodell,
Von Tom Ripley (Bern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Wie aus dem Nichts bricht die Welte des Dr. Alexander Hoffmann auseinander. Die Welt, die da auseinanderbricht, hat mit der Lebensrealität eines durchschnittlichen Menschen nichts gemein. Hoffmann ist ein genialer Physiker, der es nach brotlosen Jahren beim CERN in Genf mit einem revolutionären Algorithmus im Investmentgeschäft in kurzer Zeit zu einem Milliardenvermögen gebracht hat. Da kann er sich dann ohne nachzudenken eine mehrere Millionen teure Villa in Genf leisten und sich unter anderem der Sammlung von wertvollen Bücher-Erstausgaben widmen, wobei er pro Sammlerstück schon mal 50'000 Franken ausgibt. Hoffman ist verheiratet, ungewollt kinderlos, und seine Frau beginnt sich in der sterilen Gefühlskälte der Finanz- und Dplomatiemetropole Genf ihr eigenes wärmendes Universum zu erschaffen, indem sie sich als Künstlerin zu betätigen beginnt. Hoffmanns Partner in seinem Hedge Fonds, Hugo Quarry, ist ein eingebildeter südenglischer Kotzbrocken, der die wissenschaftliche Energie des von Natur aus bescheidenen Hoffmann intrigant zu kanalisieren weiss und bereit ist, auf dem Weg zum finanziellen Erfolg so ziemlich alles auf der Strecke zu lassen, Moral inbegriffen, nicht aber sein über die Massen exaltiertes Ego.Der Untergang der Welt des Alexander Hoffmann beginnt harmlos, und doch wird dem Leser schnell klar, dass hier für den sympathischen Amerikaner mit der Introvertiertheit des genialen Naturwissenschafters der Weg in den Abgrund vorgezeichnet wird. Hoffmann geht diesen Weg wacker, denn die Zerstörung seines Lebens und seines Lebenswerks scheint perfid geplant und so versteht auch der geniale Physiker, durchaus vertraut mit allen erdenklichen komplexen Denkmodellen vorerst nicht die Formel, die hier für seinen Untergang entwickelt wurde. Verstört wie ein verletzter und blutender Stier nimmt er den Kampf auf und verteidigt seine Existenz. Doch genau so, wie Hoffmann irgendwo in den Weiten des Internets nicht wirklich nachvollziehbar sein Geld verdient, so ist auch sein imaginärer Gegner zunächst unsichtbar und irreal. Freund und Feind sind gleichermassen überall und nirgends - eine schöne Metapher auf die Verlorenheit des modernen Menschen. Robert Harris hat einen unerwarteten Roman geschrieben. Derweil seine Leser ungeduldig auf den letzten Teil der Trilogie über das Leben des Cicero warten, überfällt er den Buchmarkt mit einer unheimlichen Parabel auf das sinnentleerte, entfremdete und ungebremste Gewinnstreben unsichtbarer Hedge Fonds-Mogule, die irgendwo in einer der Finanzkapitalen des globalen Dorfs kaltblütig und emotionslos im Minutentakt Millionen generieren. Wo alles in Geld aufgewogen wird und Gefühle ausschliesslich artifiziell sind und einzig der Durchsetzung von gewinnbringenden Strategien dienen, da gleicht der Mensch nur noch einem biologischen Organismus, der sich auf der Suche nach Geld durch ein feindliches Universum tastet und alles aus dem Weg räumt, was sich ihm entgegenstellt. Harris zeigt uns ein apokalyptisches Bild des Innenlebens heutiger Menschen. Hoffmann und seine Frau scheinen eigentlich zu den "Guten" zu gehören. Trotzdem sind sie längst korrumpiert durch das schnelle Geld, das sich ohne Schweisstropfen am Bildschirm machen lässt. Und wir, die Leser sind, so lässt der Roman vermuten, längst selbst unterweg mit Dr. Alexander Hoffmann, blind für unser Schicksal, und lassen uns naiv vom Bösen schubsen, immer schön auf den geplanten Untergang zu. Nun sind das nicht unbedingt neue Einsichten, die Harris mit seinem Buch mitliefert. Insgesamt wirkt seine zivilisatorische Botschaft irgendwie altbekannt und dafür mache ich auch einen Punkt Abzug. Trotz der Botschaft und der Stimmung, die der Roman mit sich trägt: hier handelt es sich um einen spannenden und äusserst unterhaltenden Roman mit glaubhaften Charakteren. Modern und kompromisslos sowie bildhaft in der Sprache ist "Angst" eine fesselnde Lektüre. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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