Auf dem cover " echte Hilfe für die eigene Karriere" wird der Eindruck eines Ratgeber-Buches erweckt. Eigentlich schade, denn dieses Buch ist viel mehr als das. ANGST ist eine zentrale Kategorie in dieser Gesellschaft. Durch Ängste wird die Welt verändert, mindestens die Gesellschaft. Ängste sind der Motor für massenhaften Suchtverhalten als Angstvermeidungsstrategie ebenso wie für umfassende Anpassungsbereitschaft und Verschiebung von Aggressionen in die Bereiche, in denen man sich nicht anpassen muss. Wenn Heitmeyer konstatiert, die Fremdenfeindlichkeit sei in der " Mitte der Gesellschaft" angekommen, hat dies ganz viel mit zunehmenden Ängsten in dieser Gesellschaft zu tun und dies sind zentral Ängste in der Arbeitsgesellschaft.In dieser Arbeitsgesellschaft spielt der persönliche Faktor" die überragende Rolle, soziale Kompetenz des Vorgesetzten wäre die zentrale, die persönlichen Bedürfnisse stehen ganz vorne, Anerkennung und Sicherheit.. Der menschliche Faktor" ist der entscheidende.Das Buch steckt voller Hinweise, zB ein Tadel wirkt ungleich nachhaltiger als fünfmal Lob . Deswegen ist es hochverdienstvoll, dass die Autoren sich mit diesem Thema Angst" beschäftigen. Da sie aus der Betriebswirtschaft kommen, ist der Hinweis auf die Kosten, die diese Ängste verursachen, nicht nur ihrer Denkweise immanent, sondern eben auch hochwirksam, weil in einer Gesellschaft des Wirtschaftens das Argument der Kosten immer verstanden wird, auch dann, wenn Empathie für Menschen längst verloren gegangen ist. Die Autoren machen deutlich, dass praktisch jede betriebswirtschaftliche Grösse vom Faktor "Angst" beeinträchtigt werden kann. Die Ängste werden systematisiert und aufgearbeitet. Verschiedene Ebenen- horizontale,vertikale und diagonale Machtbeziehungen können die verschiedensten Ängste auslösen: Fehler zu machen,Arbeitsplatzverlust,Konkurrenten,Verlust der Wertschätzung, Verlust der Autorität und viele mehr.Der moderne Mensch ist weder in gesellschaftlichen Strukturen noch in sich selbst typischerweise so gefestigt, dass nicht jede Menge Ängste entstehen könnten. So hat die Wirtschaft ein Bedürfnis nach Innovation, der Mitarbeiter hingegen Angst vor Veränderung. Panse und Stegmann machen deutlich, dass die Angst vor Arbeitsplatzverlust ein viel grösserer Stressor ist als die Arbeit selbst,auch wenn diese belastend ist. Sie zeigen verschiedene Strategien, wie man mit den Ängsten umgeht,meist sind diese nicht produktiv, sondern haben ihren Preis, zB körperliche Krankheiten. Man könnte den Bogen noch weiter schlagen: welche politischen Kosten hat die Vermehrung der Angst in einem Volk- Zusammenhang von Ängsten und politischen Radikalismus- welche Kosten im Zusammenleben werden dadurch erzeugt, durch ubiqitäre Suchtstrukturen, durch zerstörte familiäre Bindungen ? Dieser Aufgabe mussten die Autoren sich nicht stellen, aber ich hätte dies lieber gelesen als die etwas dürftigen goldenen Regeln zum Schluss des Buches. In den Lösungsstrategien zur Behebung der Ängste finden sich viele interessante beachtenswerte Aspekte, aber die schlussendliche Zusammenfassung geht nicht sehr in die Tiefe. Vielleicht wollten die Autoren damit dem Ratgeberanspruch des cover gerecht werden, was aber nicht gelingt. Dies soll aber nicht zu einem Punktabzug führen. Die Thematik, die Panse und Stegmann hier ausbreiten, ist derartig wichtig, dass dies im Vordergrund stehen muss. Wichtige Aspekte werden als MERKwürdig zusammengefasst. Ein solches Thema Angst im Arbeitsleben" sollte zum Pflichtthema für Betriebswirte , Volkswirte, Arbeitsrechtler, Poltikberater und-wissenschaftler werden. LESEN !