Als Sam wegen eines Megahacks verhaftet wird, sieht er sich schon die nächsten Jahre hinter Gittern. Aber dann bietet ihm die CDD, eine Spezialeinheit der Homeland Security einen Job im Silicon Valley an. Zusammen mit anderen ehemaligen Hackern wird ihm die Verantwortung für die Cybersicherheit des ganzen Landes übertragen und plötzlich steht Sam einem Feind gegenüber, der unschlagbar zu sein scheint.
Was, wenn das Internet plötzlich Zugriff auf dein Gehirn hat? Auf die Gehirne aller Nutzer. Was, wenn es sich verselbständigt? Was, wenn plötzlich das Netz selbst dein größter Feind ist?
Mit 'Der Tomorrow-Code' hat Brian Falkner mich im letzten Jahr sofort überzeugt. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an seinen zweiten in Deutschland veröffentlichten Thriller und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil!
'Angriff aus dem Netz' steht seinem Vorgänger wirklich in nichts nach und fesselt den Leser von der ersten bis zu letzten Seite. Unglaublich spannend hält es einen in Atem und man hat keine Ruhe, bis auch die letzte Seite verschlungen ist.
Wie auch in seinem fulminanten Debut hat es Falkner geschafft seinen Figuren und Schauplätzen Leben einzuhauchen und seiner Story einen passenden Rahmen zu verleihen. Besonders gefallen haben mir seine wirklich grandiosen Beschreibungen von Las Vegas und die feinfühlige Schilderung der Beziehungen untereinander.
Wem 'Der Tomorrow-Code' gefallen hat, sollte sich diesen Cyber-Thriller auf keinen Fall entgehen lassen. Viel mehr Spannung geht einfach nicht und man bleibt unweigerlich mit der Frage zurück, wie futuristisch das Szenario wirklich ist, das Falkner darstellt. Sind wir wirklich so weit von der absoluten Kontrolle entfernt? Und wie nah ist der Mensch der Auslöschung durch die eigene Spezies wirklich?
Zitate:
'Wir sind unsere eigenen Erinnerungen', sagte Dodge plötzlich. 'Sonst sind wir nichts. Die Erinnerungen machen uns zu dem, was wir sind. Die Summe aller Erinnerungen, vom Tag unserer Geburt an. Wenn du sämtliche Erinnerungen eines Menschen gegen die eines anderen Menschen austauschst, wird er ein anderer Mensch. Dann denkt, fühlt und handelt er anders.' (Seite 297)
'Alles, was ich weiß, ist Erinnerung', fuhr Sam nachdenklich fort. 'Jeder Mensch, den ich jemals im Leben kennengelernt habe, alles, was ich jemals getan habe. Alles könnte falsch sein. In mein Gehirn implantiert.' Es war ein atemberaubender, ein entsetzlicher Gedanke. Was wäre, wenn nichts wirklich gewesen wäre, was er jemals erlebt hatte? Waren die Leute, die er als Vater und Mutter kannte, wirklich seine Eltern? Hatte Fargas jemals gelebt, außerhalb von Sams Gedankenwelt?' 'Ich glaube, du würdest es wissen', sagte Vienna leise. 'Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, du würdest es wissen.' (Seite 299)
War es wirklich nur wenige Monate her, dass er ein Schüler in New York City gewesen war? Die Stadt, in der er seit seiner Geburt gelebt hatte. Wochen, Monate, Jahre waren vergangen, aber seine Welt war immer mehr oder weniger die gleiche geblieben. Zur Schule gehen. Mit Fargas rumhängen. Abendessen mit seiner Mutter. Aber seither war er offensichtlich von eine, Tornado gepackt und von einem Ereignis zum nächsten gewirbelt worden, ohne jemals genug Zeit zu finden, Atem zu holen und nachzudenken. Aber vielleicht war es auch ganz gut so. Denn wenn er erst einmal innehielt und sich die Zeit nahm, gründlich nachzudenken, stellten sich entsetzlich düstere Gedanken ein. (Seite 327)
Sam schloss die Augen. Als Kind hatte er sich manchmal gefragt, wie es wohl sei, wenn man tot war, Plötzlich tot. Ohne jede Vorwarnung, vielleicht durch eine Kugel, einen Herzstillstand, einen Hirnschlag. In einem Augenblick läufst du noch durch dein Leben, bist hundertprozentig lebendig, denkst an alles, und jedes, überlegst, was du zu Mittag essen willst und mit wem du nach der Schule anhängst. Und im nächsten Augenblick kommt alles zum Stillstand. Weil du tot bist. Du denkst an gar nichts mehr. Machst keine Pläne mehr. Weil es dich nicht mehr gibt. (Seite 352)