Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die verlorene Vernunft, 26. Februar 2009
Retrospektiv gesehen war die Ära Bush ein Angriff auf die Vernunft, der durch einen solchen möglich wurde. Dass sich Al Gore am Ende von Bush Präsidentschaft schließlich dazu durchgerungen hat Bilanz zu ziehen, macht "Angriff auf die Vernunft" umso interessanter, regt sich doch der starke Verdacht der Friedensnobelpreisträger würde sich bestätigt fühlen, dass er der bessere Präsident gewesen wäre und scharfzüngig eine Auflistung von Verfehlungen der Bush-Administration vorlegen. Doch den Gefallen will Al Gore Fans des humoristischen Stils eines Michael Moore nicht tun und gibt sich, wohl eher auf US-amerikanische Leser bedacht teils versöhnlich, wobei er immer wieder seinen starken Glauben betont, als würde er sich an eine Kirchengemeinde wenden.
Dabei ist vor allem der Einstieg in das Werk nicht allzu einfach, wofür jedoch weniger die Übersetzung, als vielmehr der ursprüngliche Stil und die Gedankengänge des Autors verantwortlich sein dürften. "Worauf will Al Gore hinaus?", könnte man sich fragen, wenn er von persönlichen Anekdoten in wissenschaftliche Theorien und politische Analysen wechselt. Hat man diese Phase überstanden und endlich den Zugang gefunden, erschließt sich der Rest quasi von selbst, auch wenn es einem Gore nicht allzu leicht macht.
Das Fernsehen hat die Art und Weise wie wir uns informieren grundlegend verändert und unseren Horizont durchaus geschmälert. Als ehemaliger US-Senator kennt Al Gore die Wahlkampfmaschinerie, welche diese Zustände ausnutzt, bestens. Die politische Information findet in großen Teilen der Bevölkerung etwa nur noch über jene 30-Sekunden-Fernsehspots statt, die zur Essenz eines jeden Wahlkampfs geworden sind. Ohne sie geht es scheinbar nicht mehr und um sie zu bezahlen, müssen Politiker einen Großteil ihrer Arbeitszeit darauf verwenden, Spender zu finden, die ihnen das nötige Kleingeld überlassen. Im Gegenzug werden dafür Gefälligkeiten gefordert, die von da an die Positionierung des Volksvertreters bestimmen, der dabei immer weniger Zeit für seine Wähler findet. Als Ausgleich zum fehlenden Kontakt zu den Wählern wird mit demografischen Zahlenspielen erreicht, was vorher schon durchgerechnet wurde. Hinter der Politik der Gefühle und Sympathien, steckt herzlose Berechnung, einer anderen Form der Vernunft.
Für Al Gore ist dieser Trend der Politik verantwortlich für die Verbrechen gegen die Vernunft, welche die Bush-Administration schließlich begangen hat. Es ist eine Abkehr von der Sachpolitik zu einem Schauspiel getragen von Sympathiewerten, Lobbys, Slogans und Lügen. Die Vernunft auf die sich die Verfassung stützt und von den Gründervätern als Fundament der USA gesehen wurde, ist am Beginn des 21. Jahrhunderts fast verloren gegangen. Politik hat sich von der Rationalität eines Abwägens des Für und Widers, der Kosten und Auswirkungen, in ein irrationales Wechselspiel der Ideologien und Klientelinteressen verwandelt. Und um das zu illustrieren wendet sich Al Gore dann doch den Beispielen aus der Ära Bush zu, um zu belegen wie Vertreter und Lobbyisten von Industrien, die bekanntermaßen gegen Umweltschutz auftreten und einschlägige Studien unterstützen, schließlich Schlüssel- und Spitzenfunktionen in der Umweltschutzbehörde EPA erlangen konnten. Oder wie Bush in Anlehnung an Nixon ("Wenn es der Präsident tut, ist es nicht illegal") sich als über der Verfassung stehend proklamierte, was bei vielen Amerikanern eigentlich als größtmöglicher Verrat an den Idealen des Landes gesehen werden müsste und die einstige Abkehr vom Absolutismus einer Monarchie ("Der Staat bin ich selbst", soll Louis XIV. behauptet haben) ad absurdum führte, ja sogar die checks und balances außer Kraft setzte, die eben auch verhindern sollten, dass der US-Präsident als gewählter absolutistischer Herrscher agieren könnte.
Man kann Al Gores Motive dieses Buch zu schreiben in Zweifel ziehen, man kann ihm unterstellen, was man will, doch all das ändert nichts an der einleuchtenden und betrüblichen Wahrheit, die hinter seinen Worten steckt. Er überführt Präsident Bush eines Verrats an den Idealen der Gründerväter und zieht seine Haltung zur Verfassung, die der Präsident eigentlich geschworen hat zu verteidigen, schwer in Zweifel. Doch es ist eben kein tumbes und sehr populäres Bush-Bashing, in das sich der ehemalige Vizepräsident gestürzt hat, denn er geißelt aus seiner Position als Mann der gewissermaßen im Nachhinein behaupten kann, es von anfang besser gewusst zu haben, auch die Missstände, die Bushs Aufstieg ermöglicht haben und ihm seine zweite Amtszeit ermöglichten. Und da können wir auch als europäische Leser etwas wertvolles lernen, nämlich wie leicht wir uns manipulieren "lassen" und so den Erfolg jener PR-Strategien ermöglichen, denen wir tagtäglich als Konsumenten und Bürger ausgesetzt sind. Die größte Hoffnung für einen Wandel sieht der Friedensnobelpreisträger vor allem in einem neutralen und freien Internet, dass droht dem Fernsehen als Informationsquelle bald den Rang abzulaufen.
Fazit:
Keine einfache Lektüre, aber durchaus lohnenswert.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Al Gore's Aufschrei: Bush als Tyrann beugt den Rechtsstaat, 12. Dezember 2007
Ein aussergewoehnliches Buch: Es ist ein Alarmruf, den da niemand geringerer als der ehemalige Vizepraesident der USA und nunmehrige Friedensnobelpreistraeger Al Gore macht.
Und das mit kaum mehr zu ueberbietender Deutlichkeit. Al Gore arbeitet klar heraus wie bedroht er die Demokratie in Amerika heute eigentlich sieht. Einserseits durch die dominante Rolle des Fernsehens in den Wahlkaempfen aber vor allem durch den von George W. Bush forcierten Unilateralismus der USA, dem dieser alles - auch die Freiheitsrechte amerikanischer Buerger - unterordnet.
Minutioes weist Al Gore in dem Buch nach, wie G. W. Bush seiner Meinung nach dabei internationales Recht bricht, (Irak, Folterungen, Umwelt) und die Demokratie in Amerika so weit beintraechtigt hat durch eine Ausweitung von Machtbefugnissen im Dienste der Terrorbekaempfung, dass Freiheitsrechte der Verfassung kurzerhand nicht mehr gelten, die Gewaltenteilung teilweise schlichtweg ignoriert wird und die Justiz bedenklichst beeinflusst und eingeschuechtert wird.
Es ist erschreckend wie Gore aufzeigt, dass da ein Praesident zu ueber 1000 Gesetzen die er unterzeichnet hat, Zusaetze vermerkt hat, dass er diese nicht befolgen wird - und das sieht Gore als Ende der Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsbruch (S. 300)
Ein Bild Amerikas als totaltaerer Staat, das Gore hier zeichnet.
Es ist ein fuer die Demokratie kaempfender Al Gore, der in Entschlossenheit oder (Verzweiflung?) sogar so weit geht, Bush mit Julius Caeser als Tyrannen zu vergleichen und die Konsequenz andeutet. (Und das als Friedensnobelpreistraeger) - Man lese das nach: auf S. 293ff.
Gore zeichnet aber auch ein Bild der Hoffnung durch die Nutzung des Internets durch muendige Buerger, die die Dominanz der Fernsehens bei amerikanischen Wahlkaempfen und die damit notwenig verbundenen Spendensammelaktionen der Kandidaten verdraengen koennte.
Gore kennt den Betrieb der amerikanischen Administration und seine Vorwuerfe an George W. Bush und seine Regierung sind nicht neu aber wiegen aus seiner Feder wohl besonders schwer.
Insoferne wird es dem Leser umso schwerer verstaendlich, dass sich Al Gore trotz vieler Aufforderungen dem kommenden Wahlkampf entzogen hat.
Ich halte das Buch fuer ein historisches Dokument - eine Art inneramerikanischer Widerstandskampf fuer die Demokratie aber mit der Hoffnung, dass Amerika zu einem Selbstreinigungsprozess wie nach Nixon faehig sein kann.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Angriff auf die Demokratie, 12. September 2007
Zunächst Gratulation an die Rezension von "HM". Ich stimme rundweg zu. Daher hier nur Ergänzungen. Das Buch Al Gores ist eine Analyse der derzeitigen amerikanischen Politik- und Medienlandschaft. Ich möchte allen Interessierten bzw. Lesern nahelegen, das Buch von vornherein als Blaupause für eine mögliche deutsche oder europäische Entwicklung zu sehen. Sicher: Angela Merkel hat mit einer demokratiezersetzenden Politik eines Bush nichts zu tun. Darum geht es nicht. Es geht um die Möglichkeit, dass sich binnen kürzester Zeit Strukturen entwickeln können, die im Zusammenspiel zur ernsten Gefahr für die Demokratie werden können. Die tumbe Dauerberieselung des Fernsehens nicht nur der "Privaten", sondern auch der Öffentlich-Rechtlichen, der Einbahnstraßen-Informationsfluss der Politik via 20-Sekunden-Spots oder 3-Minuten-Politik-Beiträge versus 10-Minuten-Beiträge über einen Mordfall: diese und zahlreiche weitere von Al Gore genannten bedenklichen Zustände sind sich dort wie hier gleich. In den USA sind sie derzeit akut, hierzulande "nur" virulent. Immerhin: Italien erhielt mit Berlusconi zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf das, wie eine medial beherrschbare Gesellschaft benutzt werden kann. Als Appetitanreger zum Schluß: Höchst informativ die Beiträge Gores zu aktuellen neurobiologischen Erkenntnissen. Kurzfassung: In unserem Gehirn sitzt eine Maus. Im Fernseher liegt der Käse. Ungünstig! Das Buch: äußerst lesenswert, sehr informativ!
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