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Angela Merkel: Biographie [Taschenbuch]

Gerd Langguth
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. August 2005
Die erste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Pfarrerstochter, Physikerin, früher als »Kohls Mädchen« und jetzt als »mächtiger Politboss« bezeichnet. In diesem Porträt wird eine in vielen Zügen unbekannte Persönlichkeit in den verschiedensten Facetten ausgeleuchtet.

Wie lebte sie als Bürgerin der DDR? Wie sehr wurde sie durch das Klima eines Pfarrhauses geprägt? War sie eine Angepasste des Systems oder hatte sie innerlich eine große Distanz zum realen Sozialismus der DDR? Warum konnte sie nach der Wende so schnell Karriere machen? Welche Niederlagen im Kampf um die Macht musste sie einstecken - und welche Siege hat sie gewonnen? Und schließlich: Welche Rolle spielt sie als Frau in einer von Männern dominierten Politik? Welchen geistig-politischen Standort hat sie, wer sind ihre Unterstützer, wer ihre Gegner?

Das Buch zeigt Hintergründe auf. In diesem Porträt einer ungewöhnlichen Frau wird eine in vielen Zügen unbekannte Persönlichkeit in den verschiedensten Facetten ausgeleuchtet. Der Verfasser ist ein Insider der CDU, der Angela Merkel seit ihrer Tätigkeit als Stellvertretende Regierungssprecherin der DDR-Regierung unter Lothar de Maizière kennt. Gerd Langguth hat sich als Analytiker von Fragen der politischen Macht (›Das Innenleben der Macht‹) einen Namen gemacht.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: 2. Auflage (1. August 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423244852
  • ISBN-13: 978-3423244855
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 52.282 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Angela Merkel besitzt beste Chancen, im Herbst Kanzlerin zu werden. Deshalb wollen viele Deutsche mehr über die CDU-Vorsitzende wissen. Diese Biografie von Gerd Langguth kommt also wie gerufen. Der Autor ist zwar Parteifreund, jedoch als seriöser Analytiker anerkannt. Sein Buch präsentiert sich sorgfältig recherchiert sowie hervorragend zu lesen. Als Eckpfeiler dienen zahlreiche Interviews mit Merkel-Kennern. Ergebnis: Leser können die Kandidatin künftig besser einschätzen. Gleichzeitig beleuchtet der Autor ein Stück deutscher Zeitgeschichte und blickt hinter die konservativen Kulissen der Berliner Republik heute.

Kurz nach ihrer Geburt 1954 gehen Merkels Eltern gegen den Strom der Zeit von West nach Ost, denn der pragmatische Vater nimmt eine Stelle als evangelischer Pfarrer an. Wenig später zieht Familie Kasner -- Merkels Mädchenname -- ins brandenburgische Templin und wird dort heimisch. Die als begabt und beherrscht beschriebene Schülerin tritt der FDJ bei. Nach in Leipzig erfolgreich absolviertem Physik-Studium arbeitet Merkel als Wissenschaftlerin in Ost-Berlin.

Während Mutter und Schwester nach der Wende in die SPD eintreten, schließt sich Angela Merkel zunächst dem Demokratischen Aufbruch an, dann der CDU, was einige Freunde überrascht. Als Ministerin für Frauen und Jugend sowie für Umwelt trägt Merkel acht Jahre lang politische Verantwortung im vereinigten Deutschland. Infolge der CDU-Spendenaffäre übernimmt die Politikerin den Parteivorsitz. Mit ihrem laut Langguth „ausgeprägten Willen zur Macht“ strebt Merkel jetzt ins Kanzleramt.

Schlösse man von ihrem bisherigen Leben auf die politische Zukunft, so würde eine Kanzlerin Merkel beharrlich und vorausschauend regieren und wie Adenauer keine Experimente wagen. Merkels politischer Gegenspieler, SPD-Chef Franz Müntefering, unterstellt indes, dass die CDU-Vorsitzende nicht führe, sondern bloß taktiere. Tatsächlich hat Angela Merkel in der Union starke Männer wie Horst Seehofer, Friedrich Merz oder Wolfgang Schäuble wiederholt beschnitten. Eine erfolgreiche unionsgeführte Regierung könnte jedoch davon abhängen, dass Merkel die Starken für sich gewinnt, beispielsweise Edmund Stoiber als Superminister. Ob ihr dies gelingt, davon hängt ein Stückweit ihr politisches Schicksal ab -- und womöglich das Deutschlands. Sicher ist momentan nur: Die Lektüre dieser Biografie lohnt. --Herwig Slezak

Pressestimmen

Langguth gelang trotz seines Insiderwissens eine ebenso faire wie distanzierte Biographie.

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3.8 von 5 Sternen
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Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Angela Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin. Wie ist ihr Aufstieg verlaufen? Welche politischen Vorstellungen und Ziele hat sie? Welche Prinzipien zeichnen sie aus? Gibt es ein System Merkel?"

Alle diese Fragen beantwortet der Bonner Politikprofessor Gerd Langguth in dieser hervorragenden, im Dezember 2007 neu aktualisierten Biographie.

Um es gleich zu sagen: dies ist meines Erachtens die beste Biographie der heutigen Bundeskanzlerin, die auf dem Buchmarkt erschienen ist.

Angela Merkel, obgleich in Hamburg geboren, war bis zu ihrem 35. Lebensjahr DDR-Bürgerin. Sie studierte in Leipzig Physik und beschloss im Jahr des Mauerfalls, 1989, politisch aktiv zu werden. Sie wurde Sprecherin der ersten DDR-Regierung unter Lothar DeMaiziere und löste ihn auf dem Dresdener Parteitag der CDU im Jahre 1991 als stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU ab. Sodann beerbte sie 1993 den zurückgetretenen Bundesverkehrsminister Krause als CDU-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde Bundesministerin im Kabinett Kohl, nach der Bundestagswahl 1998 Generalsekretärin der CDU. Schließlich erledigte sie ihre politischen Ziehväter Kohl und Schäuble nahezu mit einem Doppelschlag, als sie durch einen Namensbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die beiden alten Weggefährten so gegeneinander aufbrachte, dass nicht nur Kohls Ansehen durch die Parteispendenaffaire im Jahre 2000 schwer litt, sondern auch ihr Nachfolger Schäuble als Parteivorsitzender der CDU nicht mehr haltbar war. Sie wurde Parteivorsitzende und verzichtete in kluger Einschätzung der Realitäten darauf, eine Kraftprobe um die Kanzlerkandidatur 2002 mit dem CSU-Vorsitzenden Stoiber zu wagen. Ihre Sammlung an Skalps kann sich sehen lassen" - notierte Langguth, der Angela Merkel - wohl zu recht - einen unbedingten Willen zur Macht" attestiert, bereits in der Erstauflage des Buches, welches im Jahre 2005 erschien. Heute sind nicht nur Kohl, Schäuble und Friedrich Mertz, sondern auch Edmund Stoiber Geschichte. Sie steht heute ohne ernsthaften Rivalen in der CDU-Führung und als Kanzlerin dar.

Woher resultiert der Erfolg dieser lange unterschätzten Politikerin? Wie lebte sie als Kind und als junge Erwachsene in der DDR? Wie sehr wurde sie durch das Klima eines Pfarrhauses, aber auch durch das System der DDR geprägt?

Langguth beleuchtet all diese Fragen und deutet die Persönlichkeit Angela Merkels in zehn Thesen

1.) Angela Merkel sei von unbedingtem Willen zur Macht" geprägt worden. Dies habe sie mit ihren Vorgängern Kohl und Schröder gemeinsam. Sie setze mit Hartnäckigkeit alles daran, sich durch Spitzenleistung zu verwirklichen und wolle immer die Beste sein. Sie suche Selbstbestätigung in der von anderen anerkannten Leistung.

2.) Angela Merkel sei als ideologiefreie" Naturwissenschaftlerin Generalistin ohne historische Fixierung. Sie gehe von der Notwendigkeit des effizienten Funktionierens" einer Gesellschaft aus. Ihre Leidenschaft gehöre keinem bestimmten Politikbereich. Ihr Politikansatz werde weniger durch eine grunsätzliche Idee definiert, sondern entwickele sich aus der Lösung konkreter Sachfragen. Ein Bild von der Zukunft besitze sie nicht. Daher - dies wird in der Neuauflage ersichtlich - konnte sie relativ schnell umschalten" von der Reformkanzlerkandidatin" auf der Basis der Leipziger Beschlüsse der CDU zur konsensorientierten Kanzlerin der Großen Koalition". Angela Merkel hatte gemerkt, dass sie nicht in der Lage war, im Parallelogramm der Kräfte" ihre ursprünglich gewünschte Reformpolitik mit der SPD durchzusetzen. Mit dieser Zwangslage hat sie sich relativ pragmatisch abgefunden, wobei ihr hilft, dass sie stark von der Rationalität des Denkens einer Naturwissenschaftlerin geprägt worden ist.

3.) Das Leben Angela Merkels sei von ihrem Verhältnis zu ihrem Vater geprägt. Er dominierte die Familie, sein unnahbares Wesen", seine Strenge und sein Absolutheitsanspruch hätten die Tochter, die die Liebe des Vaters suchte, besonders gezeichnet. Dennoch arbeite sie sich an ihrem Vater ab und wolle sich ihm gegenüber beweisen.

4.) Angela Merkel sei unfähig, sich mitzuteilen und Einblick in das eigene Ich zu geben. Dies sei durch ihre Erfahrung als DDR-Bürgerin zu erklären. Schon in der Schule lernte sie, in zwei unterschiedlichen Welten zu leben - geprägt vom Pfarrhaus der Eltern, hatte sie von diesen als Lehre mitbekommen, gegenüber Lehrern, Klassenkameraden oder Repräsentanten des Staates nie zu offenbaren, was sie wirklich denke. Dieses Element der Gefahrenvermeidung lernt in einer Diktatur jeder, der die Abhängigkeit seines Fortkommens von Partei, Geheimdienst und Staat erkennt." Ein solches z ur Perfektion getriebenes Verhaltensmuster mache nicht nur gegenüber anderen misstrauisch, es führe zu einer starken Zurückhaltung, sich gegenüber Dritten über all das auszutauschen, was privaten Charakter habe.

5.) Angelas Merkels Überzeugungen seinen Gegenbilder, die sich aus ihrer Erfahrung mit dem real existierenden Sozialismus speisten, aus der Mangelwirtschaft und der Prägung der Ideologie des Marxismus-Leninismus in der DDR. Angela Merkel denke in Kategorien individueller Freiheit und Verantwortung. Daher habe sie ein positives Bild über Amerika. Auch ihr Engagement für die Beachtung der Menschenrechte in der Außenpolitik - etwa den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt - kann man in diese Tradition stellen. Auch dies wird in der aktualisierten Neuauflage deutlich.

6.) Alles, was nach Reglementierung einer Gesellschaft ausschaue, lehne Angela Merkel ab. Im Zweifel für die Freiheit" könnte ihr Motto lauten. Mit ihrem intensiven Individualismus befinde sie sich in gesellschaftspolitischen Fragen innerhalb ihrer eigenen Partei in der Minderheit. Dazu trage ein häufig naturwissenschaftlicher Blick bei, der anders sei als der des historisierenden Gefühlsmenschen Kohl oder des rational wirkenden Juristen Schäuble.

7.) Merkels Einsatz für politische Ziele entspräche - neben dem jeden Politiker prägenden Kalkül von Machterwerb und Machterhalt mehr rationaler Einsicht als tradierten christlich-demokratischen Grundpositionen.. Manchmal erscheine die CDU-Vorsitzende heimatlos in ihrer eigenen Partei zu sein. Insbesondere der national-konservative" Flügel der Union sehe sich durch Angela Merkel zu wenig repräsentiert.

8.) Die Wahrnehmung von Frauen in einer immer noch männerdominierten Politik sei - so Langguth - auch heute noch schonungslos und von Vorbehalten geprägt. Merkel sei stark vom Frauenbild der einstigen DDR geprägt und stehe daher den westdeutschen Frauenpolitikerinnen eher distanziert gegenüber.

9.) Angela Merkel verkörpere gesamtdeutsche Geschichte wie niemand sonst vor ihr. Ihre Biographie sei gelebter Ausdruck des Prozesses des Zusammenwchsens der Deutschen. Ihr Leben sei als Symbol der Selbstbehauptung zwischen Ost und West zu verstehen. Dass Angela Merkel zur Bundeskanzlerin habe aufsteigen können, mache die Einheit selbstverständlicher.

10) Angela Merkel könne als erste Frau deutsche Kanzlerin werden. Dies hat sie ja nun bewiesen.

Es ist interessant, wie genau der Autor die Persönlichkeit von Frau Merkel analysiert hat - und dies schon vor dem Erscheinen der Zweitauflage. Der letzte Satz: Auf ihrem Lebensweg entschied sie sich stets für den hohen Einsatz. Sie kann alles gewinnen oder alles verlieren. Bisher hat sie alles gewonnen" hat sich durch ihre Wahl zur Bundeskanzlerin am 22. November 2005 bewahrheitet.

Wie an den Bemerkungen bereits deutlich wurde, beschreibt Langguth nicht nur, er analysiert auch zutreffend. Dazu benutzt er zahlreiche Quellen, wie das umfangreiche Quellenverzeichnis im Anhang ausweist. Natürlich kommen ihm Kenntnisse über die CDU, in deren Bundesvorstand er lange tätig war, zugute.

Fazit: keine reine modische Kurzbiographie, sondern ein faszinierendes Portrait einer wichtigen und interessanten Politikerin, die auch dazu beiträgt, die jüngere deutsche Geschichte besser zu verstehen. Volle Punktzahl.
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spitzenbuch von Langguth 23. August 2005
Von B. Bauer
Format:Taschenbuch
Die Biographie der Angela Merkel wurde verfasst von einem Mann, der das Innerste der CDU kennt: vier Jahre lang Bundesvorsitzender des RCDS, eine Legislaturperiode im Bundestag, jahrelang im CDU-Bundesvorstand, ist der Autor heute Politik-Professor in Bonn und in seinem Fach eine Koryphäe.

Langguths Buch wurde in der jüngsten Zeit nicht richtig eingeordnet: Trotz CDU-Stallgeruch ist Langguth kritisch und enthüllt jede Menge über die FDJ'lerin Merkel. Kein Wunder, dass die Kooperation seitens Merkels nur begrenzt vorhanden war und seitens ihres Vaters, des "roten Kasner" kein Wille zur Bereitschaft der Mitarbeit da war. Nur zu gut wissen Merkel/Kasner, was es für das Selbstverständnis der CDU bedeutet, eine ehemalige Kommunistin an ihrer Spitze zu haben. Wie ein schlechter Widerhall drängen die Bemerkungen fast aller Weggefährten Merkels durch: "Eigentlich waren wir alle verwundert, dass sie in der CDU gelandet ist. Wir hätten sie alle bei den Grünen oder in der SPD vermutet".

Fragt sich nur, was eine linke Frau, ostdeutsch, protestantisch und bekenntnislos, zur Kohl-CDU treibt. Zu einer CDU der katholischen, westdeutschen Männer, in der Leute wie Koch, Müller, Wulff, Oettinger, alles Mitglieder des Anden-Paktes, noch heute den Ton angeben. Die Antwort schwingt immer mit: DER UNBEDINGTE WILLE ZUR MACHT

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19 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus aktuellem Anlass: Geschichte einer Blitzkarriere 17. September 2005
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Viele fragen sich noch heute, wie es möglich war, dass eine relativ unbekannte Frau au dem Osten Deutschland ohne politische Hausmacht und "Stallgeruch" innerhalb relativ kurzer Zeit zur Parteivorsitzenden der CDU und damit zur aktuellen Kanzlerkandidatin aufsteigen konnte. Gerd Langguth, Hochschullehrer und aktiver Unionspolitiker versucht, auf der Grundlage umfangreicher Recherchen und der Auswertung aller erreichbaren schriftlichen Quellen diese Frage in Gestalt einer problemorientierten Biographie zu thematisieren. Das Buch beginnt mit dem Jahr 1954, dem Geburtsjahr von Angela Merkels, als 180.000 Ostdeutsche vor dem totalitären Kommunismus nach Westdeutschland fliehen, Angela Merkels Vater Horst Kasner aber als protestantischer Pfarrer auf Geheiß der Evangelischen Kirche als Seelsorger in den Osten ging, um den offensiven Tendenzen der Entchristlichung durch die kommunistische SED entgegenzuwirken. Im Unterschied zu ihrem Vater, der sich durchaus um eine Synthese von Sozialismus und Christentum innerhalb der DDR bemühte, bleibt Angela Merkel in ihrer Schulzeit syetemkritisch, ohne sich allerdings sonderlich zu exponieren. Als herausragende und sozial gut integrierte aber keineswegs charismatische Schülerin erhält die Abiturientin einen Studienplatz in Leipzig, wo sie auch ihr Diplom und ihre Promotion ablegt. Einer kurzen Ehe mit ihrem Studienkollegen Ulrich Merkel verdankt Anglea Kasner ihren heutigen Namen, danach arbeitet sie als Physikern in staatlichen Instituten, wobei sie ihren heutigen Mann, den weltweit anerkannten Physikprofessor Joachim Sauer kennenlernt, den sie Jahre später 1999 in aller Stille ehelichen sollte. Als 1989/90 völlig überraschend die DDR zusammenbricht, beginnen sich nicht nur die Dinge in Deutschland sondern auch im Leben von Angela Merkel in ungeahnter Weise zu beschleunigen, Sie schließt sie sich dem "Demokratischen Aufbruch" an, der als Teil des bürgerlichen Bündnisses unter der Führung von Lothar de Maziere an den ersten freien Volkskammerwahlen im März 1990 teilnimmt. Obwohl die Stimmenausbeute des Demokratischen Ausbruchs miserable war, wird die vollkommen unerfahrene Angela Merkel auf Fürsprache des Oppositonspolitikers Reiner Eppelmann vom neuen Ministerpräsidenten de Maziere zur stellvertretenden Pressesprecherin gemacht, eine Position, in der ihr herausragendes Organsiationstalent, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihr Gesprüht für Menschen und Abläufe schnell auffallen. Von nun an vollzieht sich Merkels Aufstieg nach einem sich gleichbleibenden Muster: von etablierten politischen "Alpha-Tieren" als scheinbar leicht lenkbare Juniorpartnerin unterschätzt und gefördert, emanzipiert und überholt sie in einem atemberaubenden Tempo jeden ihrer Förderer, wobei sie im Konfliktfall vor harten Bandagen nicht zurückschreckt. Lothar de Maziere und Günther Krause bringen Merkel in den Dunstkreis Helut Kohls, der sie vollkommen überraschend als ostdeutsche Porporzfrau im Jahre 1991 im Alter von nur 37 Jahren zur Ministern für Jugend, Frauen und Umwelt macht. Als "Kohls Mädchen" wiederum sträflich unterschätzt, sitzt sie die letzten sieben Jahre im Kabinett Kohl, wird Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern und erhält Gelegenheit, die Internas der Macht einghend zu studieren. Nach der Wahlniederlage der Union 1998 wird sie unter dem neuen Parteivorsitzenden Wolfgang Schäuble zur Generalsekretärin der CDU, eine Position, aus der heraus sie im plötzlich über die Union hereinbrechenden Spendenskandal maßgeblich dazu beiträgt, dass sich die ins Schlingern geratene Partei vom Patriarchen Kohl emanzipiert. Während der Ex-Parteichef Kohl und sein Nachfolger Schäuble im Dunst des Spendenskandals versinken, profiliert sich die Parteisekretärin als unbelastete Garantin eines absoluten Neuanfangs, als welche sie im Jahr 2000 zur ersten weiblichen Bundesvorsitzenden der CDU gewählt wird. An der Konkurrenz mit Edmund Stoiber um die Unions-Kanzlerkandidatur 2002 wäre sie dann beinahe gescheitert, denn die Machtprobe drohte zu ihren Ungunsten auszugehen. Ihr freiwilliger Rücktritt zugunsten Stoibers ersparte ihr einen irreparablen politischen Autoritätsverlust, ihre loylae Unterstützung des unglücklichen Kanddiaten aus Bayern sicherte ihr die Option für die nächste Kanzlerkandidatur. Nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 wird der erfolgreiche Friedirch Merz als Fraktionsvorsitzender harsch abserviert, Wolgang Schäuble, der seiner Generalsekretäin den Teueburuch von 1999 nicht verziehen hatte, wird als Bundespräsident zugunsten von Horst Köhler verhindert, womit die Weichen für eine bürgerliche Koalition mit der FDP gestellt sind. Auch wenn ihre Anläufe zur programmatischen Erneuerung der "alten Tante CDU", die Angela Merkel ab 2003 unternimmt, nicht immer ganz widerspruchsfrei bleiben, wird doch deutlich, dass sie für einen Neuanfang auch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik steht, zu dem alle Sachverständigen raten. Als dann in der Endphase der rotgrünen Koalititon Bundeskanzler Schröder nach der katastrophalen Niederlage der SPD in Nordrhein-Westalen durch seinen Neuwahl Coup die Union zur schnellen Positionierung zwingt, führt kein Weg mehr an Angela Merkel vorbei: sie wird zur ersten Bundeskanzlerkandidatin in Deutschland ausgerufen, und wie es aussieht, wird der langen Liste ihrer "Opfer" von de Maziere, über Krause, Kohl, Schäuble, Merz und Stoiber nun möglicherweise auch der Namen Schröder hinzugefügt. Allerdings steckt auch ein wenig Hoffnung in diesem Werdegang: wer es schafft, so viele männliche Alpha-Tiere auf das Altenteil zu schicken, der kann vielleicht auch die schwierigste aller Aufgaben lösen: die Modernisierung Deutschlands.
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